Analogkäse – Vom billigen Ersatzprodukt zum Foodtrend für Veganer*innen

Die Karriere des analogen Käses nimmt paradoxe Züge an: Was auf der Tiefkühl-Pizza bislang als billiges Imitat galt, verkaufen vegane Marken mittlerweile für viel Geld.

Foto: jala/Photocase.de

Käse oder Analogkäse? Lecker sind sie beide. Foto: jala/Photocase.de

Es war einmal eine Mischung aus Wasser, Pflanzenfett, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß, Aroma- und Farbstoff, Emulgatoren, Geschmacksverstärker – kurz: Analogkäse. Eine zeitlang landete das Imitat vermehrt auf Fertig-Pizzen und in der Tiefkühl-Lasagne, weil es in seiner Produktion 40 Prozent billiger war als Käse aus Kuhmilch.

Ganz langsam und heimlich schlich sich der Kunstkäse in unsere Tiefkühl-Produkte, Backshop-Käsebrötchen und Streukäse. Bis 2009 der Aufschrei kam: Die Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte eine Liste an Unternehmen, die ihre Pizzen, das Cordon bleu oder die Lasagne mit pflanzlichem Fett statt richtigem Käse verfeinerten.

Die Veröffentlichung hatte Folgen: Die Verbraucherzentrale berichtet auf ihrer Webseite, dass die „Anbieter umgehend auf die Proteste der Verbraucher“ reagierten. Sie „änderten die Rezeptur oder entfernten das Produkt aus der Kühltheke“.

Käseproduktion rechtlich geregelt

2014 folgte die offiziell-rechtliche Konsequenz. Die EU-Lebensmittelinformations- und Lebensmittelkennzeichnungsverordnung reglementierte, dass Analogkäse nicht mehr als Käse bezeichnet werden darf beziehungsweise deutlich gekennzeichnet werden muss.

Das heißt jedoch keineswegs, dass der Analogkäse vom Markt verschwand. Es muss seitdem lediglich draufstehen, was drin ist. Und mal ehrlich: Wer guckt schon auf die Inhaltsstoffe, wenn es schnell und billig sein soll?

Doch der Kunstkäse fand noch einen weiteren, erfolgreichen Zugang zum Lebensmittelmarkt: Der Trend des Veganismus und die Sehnsucht nach tierfreien Alternativen zu geronnenem Milcheiweiß aus Kuh- oder Ziegenmilch.

Teurer Genuss: Veganer Käse

Lebensmittelunternhemen wie Wilmersburger oder Simply V werben mit der Freiheit von Laktose, Gluten und Tierleid für (mehr oder weniger) das gleiche Produkt, welches 2009 noch für Empörung sorgte. Und sie verdienen dabei gut Geld: 100 Gramm der Käsealternative mit veganem Stempel kosten im Schnitt zwei bis drei Euro. Der analoge Pizza-Mix-Käse von Horeca kostet hingegen 55 Cent pro 100 Gramm.

Mittlerweile gibt es auch kleinere Manufakturen wie Happy Cheeze, welche sich auf pflanzliche Käsealternativen spezialisieren. Sie legen ihre Priorität auf die Qualität und Tierfreundlichkeit, statt auf möglichst günstige Produktion. Die Produkte sind auch entsprechend teuer.

Kaum auseinanderzuhalten – So sieht veganer Käse aus einer Bio-Manufaktur aus:

Darüber hinaus gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, veganen Käse selbst herzustellen. Eine simple und vegane Interpretation des Pizzakäses ist zum Beispiel der Hefeschmelz.

Und so geht’s:

4 EL Margarine in einem Topf schmelzen lassen und mit 6 TL Mehl in der Pfanne verrühren. Dann 250 ml Wasser oder Soyamilch und 8 EL Hefeflocken dazu rühren. Zum Schluss einen EL Senf dazugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Je nach Konsistenz kann einfach etwas mehr Wasser beziehungsweise Hefeflocken hinzugegeben werden.

Guten Appetit!