Der Bikini – Vom Kleidungsstück zum Kampfmittel

Die Geschichte des Bikini ist eng verknüpft mit der weiblichen Emanzipation. Im Zuge der sexuellen Revolution wurde er vom Kleidungsstück zum Kampfmittel.

Die ersten Bikinis trugen Frauen in der Antike. Das belegen altertümliche Mosaike, die Frauen in knappen Zweiteilern beim Gewichtheben, Diskus werfen und bei Ballspielen zeigen.

Offiziell beginnt die Geschichte des Bikini aber im Jahr 1946. Louis Réard, ein gelernter Automechaniker, lässt sich die Zeichnung eines Zweiteilers patentieren. Er nennt ihn Bikini, wie eine Marshallinsel, auf der wenige Tage zuvor Kernwaffentests stattfanden.

Um den ersten Bikini der Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde lange nach einem Model gesucht. Doch keine Frau ließ sich überzeugen. Die Scham, sich „nackt“ in der Öffentlichkeit zu zeigen, war zu groß. Deshalb wurde schließlich die Nackttänzerin Micheline Bernadini engagiert. Am 5. Juli 1946 präsentierte sie den ersten Bikini in einem Pariser Schwimmbad. Frauen weltweit zeigten sich begeistert, nur die katholische Kirche beklagte den Sittenverfall.

1951 fand in London der erste Miss World Contest statt. Erstmals liefen Frauen in einem Bikini über den Laufsteg. Ein Eklat, der Moralisten empörte. Bei nachfolgenden Wettbewerben war das Kleidungsstück erstmal wieder Tabu. Vielerorts erhielt das als schamlos empfundene Kleidungsstück sogar Badeverbot.

Bikini als Zeichen der Selbstbestimmung

In den sechziger Jahren, der Phase der sexuellen Revolution, wurde der Bikini zunehmend zum Kampfmittel. Frauen die linksliberal dachten, benutzten das Kleidungsstück, um damit auf ihr Recht auf Selbstbestimmtheit aufmerksam zu machen.

Trotzdem konnten Trägerinnen des Bikinis in manchen Ländern von der Justiz bestraft werden. Das 17-jährige Fotomodell Ilonka lief 1965 im Bikini über den Münchner Viktualienmarkt. Zur Strafe musste sie an drei Wochenenden die Fußböden von Krankenhäusern und Altersheimen putzen.

Im Zuge der Emanzipation der Frau legitimierte sich auch zunehmend der Bikini als Kleidungsstück. Die Modeindustrie schuf Ende der 60er Jahre freizügige und ausgefallene Modelle, die symbolisch die Selbstverwirklichung unterstützen sollten. Mittlerweile ist der Bikini ein ganz normales Kleidungsstück, da kann auch die katholische Kirche nichts mehr gegen sagen.