Sinneswandel: Der Farmer Mike Lanigan hat aufgehört, seine Tiere zu töten

Jahrelang züchtete er Rinder zur Schlachtung auf seiner Farm. Bis er erkannte, wie paradox es ist, die Tiere liebevoll zu pflegen – nur um ihnen danach mit einem Bolzen in den Kopf zu schießen.

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"Heute ist meine Farm gesund. Im Wortsinn." © Screenshot | Youtube

Dieses Umschalten im Kopf, von Pflegen auf Töten. Für Mike Lanigan aus Uxbridge in Kanada war das immer der Teil des Farmerlebens, den er am wenigsten mochte. Jetzt hat er entschieden, etwas zu ändern: Aus seiner Farm ist ein Tierheim geworden.

Vor einigen Monaten sei ihm erstmals bewusst geworden, wie paradox sein Verhalten über die Jahrzehnte war. Auf seiner Farm züchtete und hegte er bis dahin Rinder. Das Ende war immer dasselbe: er tötete die Tiere und schickte sie zum Schlachter.

Der Sinneswandel kam, als er ein unterfüttertes Kalb pflegte. „Ich machte es mit so einer Liebe und Hingabe, ich sprach mit ihm, ich habe ihm den Schmutz aus dem Gesicht gewaschen und brachte es zu seiner Mutter“, sagt Mike im Videointerview.

In dem Moment erinnerte er sich an einen ehemaligen Mitarbeiter seines Vaters, von dem er die Farm nach dem Studium übernommen hatte. Der Mann sei ebenfalls sehr liebevoll mit den Tieren umgegangen. „Mir wurde plötzlich klar, wie widersprüchlich das ist: ‚Oh, zu schade, dass ich dich später mit einem Bolzenschuss in den Kopf töten werde, dich dann in Stücke schneide und essen.'“

„Ich dachte dann, wie heuchlerisch es ist, einem Lebenwesen so viel Liebe zu geben und am Ende das genaue Gegenteil zu tun“, sagt Mike im Video. Das ist jetzt vorbei: Denn aus seiner Farm hat er ein Tierheim gemacht, in dem rund 21 Rinder zusammen mit Pferden, einem Esel und einigen Gänsen leben. Kein Schlachten mehr, nur noch Pflegen.

Weil durch seine Entscheidung die größte Einnahmequelle der Farm, das Fleisch, größtenteils weggebrochen ist, bitten er und seine Mitarbeiterin über Facebook um Unterstützung für das Vorhaben. Mike verkauft Sirup und Gemüse, aber das Geld reicht nicht aus, um alle Tiere pflegen zu können.

Neben der finanziellen Belastung sei auch das Arbeitspensum gestiegen. Doch für Mike ist die Änderung das alles wert – seine Farm sei jetzt, so sagt er, so gesund wie nie zuvor.