„Der Friedensnobelpreis wird Tunesien helfen“

Das tunesische Dialogquartett hat heute den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Wir haben den tunesischen Journalisten Ahmed Medien gebeten, uns zu erklären, wie das Quartett entstand und welche Rolle es nach der Revolution gespielt hat.

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Ahmed Medien © ze.tt

Ahmed, was genau ist das Dialogquartett?

Ahmed Medien: Das tunesische Dialogquartett von 2013 war eine Sammlung von vier Organisationen: dem Gewerkschaftsdachverband (UGTT), der Anwaltskammer, der tunesischen Menschenrechtsliga (LTDH) und dem tunesischen Arbeitgeberverband von Handel und Industrie (UTICA).

Diese Organisationen haben sich zusammengeschlossen und haben vermittelt zwischen der damals regierenden islamistischen Partei Ennahda und den anderen Parteien im Parlament, mit dem Ziel, die Macht an eine neue Übergangsregierung zu übergeben.

Was sind die Errungenschaften des Quartetts?

Für die Entstehung des Quartetts gab es fast keinen Präzedenzfall. Sie fiel in eine Zeit des legislativen Stillstands, in der mehr als die Hälfte der Parteien sich weigerte, am Parlamentsgeschehen und am Entstehen der neuen Verfassung teilzunehmen. Es gab zu der Zeit viele in der Gesellschaft, die forderten, dass die Regierung ihre Macht an eine neue Regierung übergeben sollte, weil sie nicht in der Lage sei, das Land zu regieren.

In dieser Situation hat das Quartett einen politischen Plan entworfen, wie der Machtwechsel vonstatten gehen kann, wie der Verfassungsentwurf fertiggestellt werden kann, und wie anschließend Wahlen abgehalten werden können.

Es geschah dann auch tatsächlich genau das, was das Quartett geplant hatte: Nach sechsmonatigen Verhandlungen gab es eine neue Regierung, der Machtwechsel verlief friedlich, der Verfassungsentwurf wurde im Januar 2014 fertiggestellt und vor kurzem haben Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattgefunden.

Hat dich die Verleihung des Friedensnobelpreises an das Quartett überrascht?

Ich war sehr überrascht von der Nachricht, da ich die Nachrichten in letzter Zeit wenig verfolgt habe. In Tunesien war es kein wichtiges Nachrichtenthema. Es gibt aktuell andere Herausforderungen, die das Land fast 24/7 beschäftigen.

Dem Land wird dieser Preis helfen, mit dem demokratischen Prozess voranzukommen. Wir haben etwas erreicht, das international anerkannt wurde und wofür wir ausgezeichnet wurden. Ich persönlich hoffe, dass dieser Preis nun nicht dazu führt, dass einige Leute sich zu sehr damit beschäftigen, was sie in der Vergangenheit geleistet haben, sondern dass sie sich stattdessen darauf konzentrieren, wie wir unsere aktuellen Herausforderungen im Bereich der Wirtschaft und Sicherheit meistern können.

Der Tunesier Ahmed Medien lebt in Tunis und arbeitet von dort aus für die NGO Free Press Unlimited. Er beschäftigt sich seit mehrere Jahren mit Bürgerjournalismus und politischen Veränderungen in Konfliktgebieten.