Dieser junge Unternehmer verdient sein Geld als Maskottchen, seit er zwölf ist

Felix ist selbst Maskottchen und baut welche. Für den Job braucht man mehr Eigenschaften, als man denken würde: Feingefühl, Verantwortungsbewusstsein und Hitzebeständigkeit.

„Das Wichtigste am Kostüm sind die Augen. Damit kriegt man Leben rein. Sind die Augen schlecht, ist das Kostüm schlecht“, resümiert er. Foto: Autorin

Seinen ersten Job als Maskottchen hatte Felix mit zwölf Jahren. Er war schon immer Basketballfan und hat bei den Spielen seines Heimatvereins Phoenix Hagen mitgefiebert. Ein Bekannter hat Felix dann die Möglichkeit gegeben, die Bundesligamannschaft auf ganz besondere Weise zu unterstützen: als Maskottchen. „Man entwickelt sich natürlich weiter wie in jedem Beruf. Ich mache nicht seit zwölf Jahren immer die gleichen Bewegungen. Den Leuten, die schon lange zu Phoenix gehen, soll ja nicht langweilig werden“, scherzt Felix.

Auch ihn selbst hat sein Job verändert: „Ich bin definitiv selbstbewusster geworden. In der Schule hatte ich sogar Schiss, vor der Klasse ein Referat zu halten. Mittlerweile unterhalte ich 50.000 Leute ganz allein.“ Nicht nur das, der 24-Jährige gibt heute 15 Mitarbeiter*innen einen Job. Denn er betreibt seit sechs Jahren sein eigenes Unternehmen.

Felix baut Maskottchen

Gegründet hat er seine Firma Best Motivation mit 18, neben seiner Ausbildung zum Grafikdesigner. Wie kreiert er also ein Maskottchen? „Die eine Möglichkeit ist, dass die Kunden eine Vorstellung von ihrem Maskottchen haben. Dann zeichne ich ihnen einen Entwurf. Die andere Möglichkeit ist, dass sie gar keinen Plan haben. Dann entwerfe ich einfach was“, erklärt Felix.

Um ein geeignetes Tier zu finden, sucht Felix nach Anhaltspunkten. Wenn es um das Maskottchen eines Vereins geht, schaut er sich zum Beispiel das Wappen der Vereinsstadt genau an. Allerdings muss Felix auch andere Punkte bedenken, zum Beispiel wenn sich eine Bank in den Kopf setzt, einen Hai als Maskottchen zu wählen. „Davon raten wir ab, das könnte man ja mit einem Kredithai in Verbindung bringen. Es kann natürlich total lustig sein, wenn man Selbstironie übt.“ Die Gefahr sei aber zu groß, dass manche Leute das in den falschen Hals kriegen.

Zehn Kilo Maskottchen-Kopf

Felix braucht sechs Wochen, um ein Maskottchen zu bauen. „Das Wichtigste am Kostüm sind die Augen. Damit kriegt man Leben rein. Sind die Augen schlecht, ist das Kostüm schlecht“, resümiert er. Zudem gäbe es bei den Kostümen große Qualitätsunterschiede. Das liegt einerseits an der Verarbeitung und der Materialauswahl, andererseits aber auch am Gewicht. „Wir bauen leichte Maskottchen“, erklärt Felix. Manchmal muss er aber auch in die Kostüme anderer Hersteller schlüpfen.

Man sollte Nahrung mit vielen Kohlenhydraten und Magnesium zu sich nehmen.“ – Felix

„Einmal hatte ich ein Kostüm, da wog der Kopf zehn Kilo. Und wenn man das acht Stunden trägt, hat man danach blaue Flecken auf den Schultern und einen steifen Nacken. Das ist echt unschön und eigentlich das größte Manko an diesem Job.“ Körperlich fit sein sollte man deshalb unbedingt. „Schon allein wegen der Hitze im Kostüm. An die muss man sich aber gewöhnen, da gibt es kein Geheimrezept,“ lacht Felix.

#Icey #iserlohn #iserlohnroosters #maskottchen #Mascot #chicken #bestmotivation #mehralseinherkömmlichesmaskottchen

A post shared by Best Motivation (@bmmaskottchen_official) on

Aber auch einem erfahrenden Maskottchen wie Felix wird es manchmal zu viel. Vergangenes Jahr zum Beispiel, als er zehn Stunden für eine Party im Freien gebucht war. Da hat das Wetter für die feiernden Besucher mitgespielt – für Felix im Kostüm dagegen nicht: „Draußen war es einfach extrem heiß. An dem Tag habe ich über zehn Liter Wasser getrunken. Nach acht Stunden musste ich dann einfach sagen: Okay, jetzt muss ich aus dem Kostüm raus und brauche ’ne Pause, sonst kippe ich um.“

Zähne zusammenbeißen

Wenn Felix für solche Veranstaltungen gebucht wird, versucht er, sich vorzubereiten. „Man sollte Nahrung mit vielen Kohlenhydraten und Magnesium zu sich nehmen. Meine Muskeln reibe ich mit einem speziellen Kräuterzeug ein“, erklärt er. „Und natürlich Dehnen und Warmmachen, das ist wichtig. Bevor man umknickt und sich einen Bänderriss holt.“

Bisher ist Felix selten etwas passiert. Bei einem Sportevent hat er sich einmal einen Muskelfaserriss zugezogen. „Ich kann dann leider nicht wie die Spieler sagen, dass ich ausgewechselt werden möchte. In der Kabine wartet schließlich nicht das nächste Maskottchen. Da muss man dann die Zähne zusammenbeißen und durch.“

#gameover #zuffi #bggöttingen #Maskottchen #mascot #platt #bekobbl #mascot #bestmotivation #mehralseinherkömmlichesmaskottchen

A post shared by Best Motivation (@bmmaskottchen_official) on

Die Illusion wahren

Schließlich habe er als Maskottchen eine große Verantwortung. Auch wenn andere Leute Felix‘ Aufgabe oft nicht als wichtig empfinden: Er weiß mittlerweile, dass es anders ist. Das hat ihm unter anderem ein kleines Kind bei einem Spiel von Phoenix Hagen klargemacht.

„Es hat sich das Kostüm mit total viel Liebe nachgebaut, die Oma hat geholfen“, erzählt der 24-Jährige. Er habe das zuerst gar nicht gesehen, bis ihn das Kind antippte und sagte: „Jetzt bin ich wie du.“ Die Aktion bewegt Felix noch heute. „Es zeigt, dass man als Maskottchen einen hohen Stellenwert hat – und nicht ein bisschen herumtingelt und 0815-mäßig winkt.“

Deshalb hält sich Felix auch immer an das ungeschriebene Maskottchengesetz: Niemals sprechen im Kostüm. Und niemals das Kostüm ausziehen, solange man sich nicht in einem geschlossenen Raum aufhält. Sonst könnte man die Illusion zerstören – und Kinder zum Weinen bringen.