Keuschheitsgürtel: Schutz und Fetisch in der Unterhose

Die Feuerwehr im italienischen Padua musste eine Frau aus einem Keuschheitsgürtel befreien. Sie trug ihn aus Angst – die meisten machen es allerdings aus Spaß.

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Ein Keuschheitsgürtel für Männer in einem Geschäft in Nairobi. © SIMON MAINA/AFP/Getty Images

Zunächst hielt die Feuerwehr den Notruf einer 60-Jährigen für einen Routineeinsatz: Am Telefon erklärte die Dame aus einem kleinen Ort nahe Padua, sie habe ihren Schlüssel verloren. Vor Ort dann die Überraschung: Statt sie wieder in ihre Wohnung zu lassen, mussten die Männer sie aus einem eisernen Keuschheitsgürtel befreien.

Anschließend ermittelten die Feuerwehrleute, ob die Frau das unbequeme Stück freiwillig getragen hatte oder Opfer häuslicher Gewalt geworden war. Wie The Telegraph berichtet, sei sie aus Angst in das Teil geschlüpft. Von Vergewaltigungen sei in jüngster Zeit ja nun immer wieder in Europa die Rede gewesen. Auch in Köln gehen Frauen mit größeren Bedenken auf die Straße, wie wir in einer Umfrage beobachteten. Zu dermaßen rabiaten Schutzvorrichtung dürfte aber niemand greifen.

Der Keuschheitsgürtel ist ein Mythos

Beim Gedanken an Keuschheitsgürtel ploppen wohl bei den meisten Assoziationen zu Kreuzritter-Geschichten auf, in denen in Rüstung gehüllte Mannen Kriege führen, während ihre Frauen mit den Gürteln die Enthaltsamkeit garantieren. Was für ein Bullshit. Im frühen, finsteren Mittelalter soll der Gürtel niemand benutzt haben; allein aus hygienischen Gründen wäre das schwer möglich gewesen. Erstmals erwähnt den Gürtel der deutsche Militär-Experte Konrad Kyeser im Jahr 1405 – damals allerdings ironisch. Er habe so ein Teil in Florenz entdeckt, empfinde es aber als völlig unpraktikabel und sinnlos.

Doch mit wachsender Popularität on Keysers Kriegswaffen-Sammlung „Bellifortis“ gelangte auch die Idee des Keuschheitsgürtels in Umlauf und wurde zum Mythos. Erst im 19. Jahrhundert sollen die Teile tatsächlich zum Einsatz gekommen sein, Dienstmädchen hätten sie getragen, um sich vor Vergewaltigungen zu schützen.

Revival in der BDSM-Szene

Heute findet der Keuschheitsgürtel Abnehmer aus der BDSM-Szene. Der bekannte Erotikfachhandel Boutique Bizzare auf der Hamburger Reeperbahn führt unter anderem Gürtel und kleinere Peniskäfige für den Mann. Für Frauen gibt es jedoch kein Pendant. „Die Keuschheitsgürtel für Frauen müssten an die unterschiedlichen anatomischen Eigenschaften der Kundinnen angepasst werden, deshalb führen wir sie nicht“, sagt uns eine Mitarbeiterin des Shops.

Inzwischen bestehen die Gürtel auch nicht mehr aus Metall und Leder, sondern aus Silikon. „Es geht heute ja nicht darum, Menschen in Eisen zu ketten, sondern darum, die gemeinsame Fantasie zweier Menschen anzuregen.“