Der Vater der E-Mail ist tot – das ist die Geschichte seiner Erfindung

Der US-Informatiker Raymond Tomlinson ist gestorben. Mit einer cleveren Idee veränderte er grundlegend, wie wir miteinander kommunizieren.

© dpa

Ray Tomlinson ist im Alter von 74 Jahren gestorben. © dpa

Weltweit werden schätzungsweise 112 Milliarden E-Mails verschickt. Jeden Tag. Damit ist die digitale Post trotz WhatsApp, Messenger und Co. nach wie vor eines der wichtigsten Kommunikationsmittel. Vor ein paar Tagen starb ihr Erfinder Raymond Tomlinson im Alter von 74 Jahren.

Fünf Fakten über den US-Informatiker und seine prägende Idee:

1. Die Mail sollte geheim bleiben

Dass Tomlinsons Dienst so einen Einfluss haben würde, war nicht geplant. Im Gegenteil, die E-Mail sollte zunächst geheim bleiben. Ende der 60er Jahre begann Tomlinson, frisch gebackener Doktorant, im Auftrag der US-Regierung am Arpanet zu arbeiten, dem zunächst militärisch genutzten Vorgänger des heutigen Internet. Tomlinson hatte nebenbei Zeit für Experimente, 1972 entwickelte er einen Nachrichtendienst, der eine asynchrone Kommunikation ermöglichen sollte, für die man nicht mehr in Echtzeit miteinander sprechen musste. Sein ehemaliger Kollege Jerry Burchfiel erinnert sich bei Forbes an die Worte, mit denen Tomlinson ihm seine Software zeigte: „Sag das keinem. Das ist nicht das, woran wir arbeiten sollten.“

2. Sci-Fi-Fans waren die ersten Nutzer

Natürlich blieb die Sache nicht geheim, Lawrence Roberts wurde auf Tomlinsons Software aufmerksam. Er verantwortete die Entwicklung des Arpanet und sah in dem Tool einen geeigneten Weg, die Teammitglieder untereinander zu vernetzen. Die Wissenschaftler von der Software zu überzeugen, brauchte eine Weile. Zunächst trieben Nerds privaten Schabernack mit dem Tool: Mit „SF-Lovers“ erstellten sie eine Mailinglist, über die sie sich über Science-Fiction-Themen austauschten.

3. Der Inhalt der ersten Mail ist unbekannt

Über 40 Jahre nach ihrer Erfindung lässt sich nicht mehr rekonstruieren, was in der allerersten Mail stand. Tomlinson erinnerte sich lediglich daran, in ihr auch die Bedeutung des @ erklärt zu haben. „Das @ taucht in keinem Namen auf“, sagte er. Dadurch war es das geeignete Zeichen, um Nutzernamen von Domain-Endung zu trennen. Die ursprüngliche Herkunft des At-Zeichens ist unklar. Erste Darstellungen finden sich bereits im Mittelalter, damals nutzten offenbar unter anderem Händler das Zeichen als Maßeinheit.

4. In Deutschland trudelt die erste Mail 1984 ein

Der Geburtstag der deutschsprachigen Mail ist der 2. August 1984. Michael Zorn, damals Professor an der Universität Karlsruhe, erhielt die erste Nachricht aus den USA. Damals dauerte es noch eine halbe Stunde, um die winzigen Datenmengen zu übertragen.

5. Die Mail machte Tomlinson nicht reich

Für die Erfindung der E-Mail ist Tomlinson mehrfach ausgezeichnet worden. Reich ist er mit der Idee allerdings nicht geworden. „Manchmal wird Innovation belohnt“, sagte er Forbes, „aber nicht diese Innovation.“