Ein Pilz droht die beliebteste Bananensorte der Welt auszurotten

Die Banane gehört zu den beliebtesten Obstsorten der Welt. Etwa 14 Kilogramm davon isst jeder Deutsche pro Jahr. Doch ein Pilz droht die Banane auszurotten – langsam aber unaufhaltsam.

© Arif Ali/AFP/Getty Images

Jetzt zugreifen oder nie wieder. © Arif Ali/AFP/Getty Images

Im Jahr 1899 begann mit der Gründung der amerikanischen Firma „United Fruit Company“ der Handel mit Bananen. Heute heißt der Konzern „Chiquita“ und beherrscht gemeinsam mit den beiden anderen Großkonzernen „Dole“ und „Del Monte“ den weltweiten Bananenanbau und -handel.

Vielleicht aber nicht mehr lange, wie folgende Geschichte aus dem Osten und Südosten Asiens zeigt. Seit den 1960er Jahren treibt dort eine infektiöse, bananentötende Krankheit ihr Unwesen: Ein Pilz mit dem Namen „Tropical Race 4“ überträgt die sogenannte Panamakrankheit. Der Pilz lebt im Boden und befällt die Bananenstaude über ihre Wurzeln. Er verstopft die Leitbahnen, unterbricht somit Wasser- und Nährstofftransport und die Pflanze vertrocknet.

Einmal im Boden, bleibt der Pilz dort und kann mehrere Jahrzehnte überleben. Welche Folgen das hat, zeigt folgende Grafik. Taiwans Bananenexport liegt heute bei gerade noch zwei Prozent der Menge in den 1960er Jahren.

Das Problem war bislang auf den asiatischen Raum begrenzt. Doch im Jahr 2013 gelang es dem Pilz, über Ozeane zu springen und auf andere Kontinente zu wechseln. Er wird langsam aber sicher zum globalen Problem. Mittlerweile wütet er auch im Süden Asiens, im Nahen Osten, in Afrika und Australien.

Maßnahmen, welche die sogenannte Panamakrankheit eindämmen sollten, waren bislang wirkungslos. Es ist also bloß eine Frage der Zeit, bis es der Pilz nach Südamerika schafft, wo mehr als drei Fünftel des weltweiten Bananenexports herstammen. Kommt es tatsächlich dazu, sind die Tage der krummen Frucht gezählt. Fun Fact am Rande: Die Banane gehört botanisch betrachtet zur Familie der Beeren.

Der Überbringer der schlechten Nachrichten ist das Forschungsteam rund um die beiden Niederländer Nadia Ordonez und Michael F. Seidl. Die Forscher stellen in einer neuen Studie fest, dass Tropical Race 4 ihren Ursprung in Indonesien hat und sich von da zuerst nach Taiwan ausbreitete. Über China und Südostasien drang er daraufhin bis in Länder wie Pakistan, Libanon, Jordanien, Oman, Mosambik und in den Nordosten Australiens vor. Abgesehen vom geografischen Infektionsverlauf wird in der Studie vor allem betont, wie wenig wir bis dato über die Bekämpfung des Pilzes wissen und wie zwecklos bisherige Quarantäne-Versuche waren. Es sieht also schlecht aus, Bananenfans.
_DSC3558| cc by-sa 2.0 | Flickr
Henkersmahlzeit. _DSC3558 | cc by-sa 2.0 | Flickr

Das bedeutet nicht, dass jetzt sofort tonnenweise Bananen gehortet werden müssen. Tropical Race 4 verbreitet sich vergleichsweise langsam. Einmal angekommen, ist ihr Dahinscheiden jedoch unvermeidlich.

Der Bananentod findet nicht zum ersten Mal statt. Anfang des 20. Jahrhunderts breitete sich die Panamakrankheit – damals mit dem Erreger  „Tropical Race 1“ – in Lateinamerika aus und vernichtete die damals dominierende Sorte „Gros Michel“. Noch heute sind Experten und Kenner von ihrem Aroma und ihrer Größe begeistert.

Die Sorte musste als Folge der Krankheit der kleineren, weniger schmackhaften „Cavendish“ weichen, die bis heute 99 Prozent unserer Supermarktbananen ausmachen. Zum Glück war die neue Sorte gegen den alten Erreger resistent. Vielleicht ist es bald an der Zeit, wieder eine neue Bananensorte zu züchten – und Monokulturen kritisch zu hinterfragen.