Hier lagern die letzten US-Atombomben in Deutschland

Der Militärflugplatz Büchel in Rheinland-Pfalz soll der einzige Standort in Deutschland sein, an dem sich noch Atomwaffen befinden. Vor Jahren plante die Regierung, sie loszuwerden – doch die Bomben blieben. Jetzt sollen sie sogar durch effektivere Nachfolger ersetzt werden.

Screenshot: Nukemap

Das Nukleararsenal in Büchel soll um 20 neue Atomwaffen aufgestockt werden. Screenshot: Nukemap

Sie ist 3,58 Meter lang, 33 Zentimeter dick, 320 Kilogramm schwer und zählt zu den teuersten Waffen, die die USA je produziert haben. Mindestens sechs Milliarden US-Dollar soll die Entwicklung der Nuklearbombe B61-12 gekostet haben. Mit der neuen Waffe will die US-Regierung ihre Bestände modernisieren, die als Relikt des Kalten Krieges zur Abschreckung in Europa gelagert werden. Fraglich ist, inwiefern sie dann noch als Abschreckung zu verstehen sind und etwa von Russland nicht eher als Drohung empfunden werden. Das russische Außenministerium jedenfalls beobachtet die Entwicklung kritisch, wie „Frontal 21“ berichtet.

Etwa 20 der Bomben sollen laut US-Haushaltsplänen bald am rheinland-pfälzischen Fliegerhorst Büchel eine neue Heimat finden, wie Frontal 21 weiter berichtet. Dieser Tage beginnen offenbar die Vorbereitungen für die Einlagerung auf dem Stützpunkt. Auch die Bundesregierung beteiligt sich daran: 120 Millionen Euro will sie in den kommenden Jahren in die Ausbesserung des Flugplatzes investieren. Im Sommer ist bereits das Flugfeld saniert worden.

80-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe

Die Arbeiten sind offenbar auch dringend notwendig: 2008 gab die Federation of American Scientists (FAS) bekannt, dass mehrere US-Stützpunkte in Europa die minimalen Sicherheitsstandards des Verteidigungsministeriums nicht erfüllen würden. Der Flughorst Büchel befand sich unter den kritischen Militärbasen.

Ein Unfall in Büchel hätte katastrophale Folgen. Das Besondere am Update der B61 ist, dass es sich bei der Bombe nicht mehr um eine Freifallbombe, sondern um eine lenkbare Präzisionswaffe handelt. Sie hinterlässt Krater bis zu 68 Metern Durchmesser, zusammen hätten die Waffen auf dem Stützpunkt Büchel eine Sprengkraft von 80 Hiroshima-Bomben. Die etwaigen Folgen eines Einsatzes der Bomben lässt sich mit der Nukemap nachvollziehen, eine Detonation in Büchel würde tausende Menschenleben fordern.

Warum darf es in Deutschland überhaupt Atomwaffen geben?

Mitte der 50er Jahre verlor die junge BRD ihren Besatzungsstatus, trat der Nato bei und verzichtete gleichzeitig auf die künftige Herstellung von ABC-Waffen im eigenen Land. Und obwohl sich der damalige Kanzler Konrad Adenauer angestrengt bemühte, im Geheimen mit Frankreich und Italien Nuklearwaffen zu entwickeln, wurde in Deutschland nie ein Atomprogramm umgesetzt.

Bomben gab es in der BRD dennoch, und das nicht zu knapp: Ab 1953 sollen die US-Streitkräfte mehrere tausend Nuklearbomben in US-Stützpunkten gelagert haben. Mit dem allmählichen Abzug der Truppen verschwanden auch die Nuklearwaffen wieder. Nur in Büchel gibt es noch ein Lager. Nach dem Nato-Konzept der „nuklearen Teilhabe“ können Mitgliedsstaaten ohne eigene Nuklearwaffen diese im Notfall mitbenutzen. Deshalb üben auch deutsche Soldaten am Fliegerhorst mit den US-Waffen.

Wie viele Nuklearbomben gibt es in Deutschland?

Die genaue Anzahl von Atomwaffen in Deutschland ist nicht bekannt. Im Fliegerhorst Büchel sollen noch bis zu 20 Bomben eines älteren B61-Typs lagern. Sie werden in einem Sondermunitionslager unter der Erde aufbewahrt. Die Zahl der Waffen würde sich durch das Update nicht ändern, allerdings ist die B61-12 bedeutend gefährlich.

Gibt es keinen Protest dagegen?

Aber ja. Mehrfach haben sich Parteien im Wahlkampf die Abschaffung sämtlicher Atomwaffen aus Deutschland auf die Fahnen geschrieben – und haben ihre Pläne nie bis zum Ende verfolgt. Zivile Proteste gibt es auch in Büchel immer wieder, der größte Aufzug fand im August 2008 mit 2000 Demonstranten statt.

Vor allem die Aktivistin Elke Koller setzt sich seit Jahren dafür ein, dass das US-Lager aufgelöst wird, bislang ohne Erfolg. Sie hatte bereits gegen die Lagerung der Bomben geklagt – ohne Erfolg. Dass die alten nun durch neue Waffen ersetzt würden, empfindet sie als sehr gefährlich. „Die alten Bomben fielen runter und der Pilot musste sehen, dass er sich schnell in Sicherheit brachte. Das Risiko eines Einsatzes war sehr hoch, nicht einmal die Russen haben daran geglaubt, dass die alten Bomben je zum Einsatz kämen“, sagt sie. „Durch die neuen ferngelenkten, viel präziseren Bomben ist das Risiko deutlich geringer. Das macht den Einsatz wahrscheinlicher.“ Koller plant nun mehrere Protestaktionen.