Die AfD Sachsen-Anhalt will „nach der Machtübernahme“ die Medien „sieben“

Geleakte WhatsApp-Verläufe zeigen, was Parteimitglieder intern besprechen. In den Nachrichten suhlen sie sich in rechtsradikalen Macht- und Gewaltfantasien.

Nur noch schnell "Deutschland den Deutschen" in die Whatsi-Gruppe schreiben: André Poggenburg, Mitglied des AfD-Bundesvorstands. Archivbild © dpa

Die linke Internetplattform Indymedia hat am Montag WhatsApp-Verläufe einer internen Gruppe der AfD Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Darin ist zu lesen, was die Parteifunktionäre sich alles wünschen und erträumen.

Die Nachrichten von Februar bis Mai sind großteils haarsträubend und sagen viel über das Selbstverständnis der Partei aus.

So schreibt ein Parteimitglied etwa, wie verlogen die Medien seien, dass sie diese unterwandern müssten, weil dort die Macht liege, das habe schon der „kleine Doktor“ gewusst – vermutlich ist damit Hitlers Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels gemeint.

Ein Bundespolizist wünscht sich Säuberung der Medien

„Mit der Machtübernahme muss ein Gremium alle Journalisten und Redakteure überprüfen und sieben. Chefs sofort entlassen, Volksfeindliche Medien verbieten“, schreibt der Mann, Beisitzer eines Kreisvorstands – und Bundespolizist – weiter. Er würde ein anderes Parteimitglied außerdem gerne im „Zusammenhalt mit Waffen oder ohne“ unterrichten.

Weiter finden sich unter den Nachrichten Gewaltfantasien gegen sogenannte Südländer, die offenbar auf der Autobahn A2 Hochzeit feierten: „Schade, dass ich immer zur falschen Zeit mit 280 die A2 langfahre!“

Solchen Nachrichten wird von anderen Mitgliedern dann nicht nur nicht kritisch widersprochen, sondern weitestgehend zugestimmt. Überhaupt müssten ja die „Landesgrenzen erweitert“ werden, und die Parteimitglieder bräuchten Workshops in Terrorabwehr und Selbstverteidigung, um sich schützen zu können. Ansonsten gibt es in den Verläufen einige interne Machtstreitereien zu lesen.

Lars Wienand, Journalist bei der Berliner Morgenpost, erfragte bei der Partei eine Bestätigung, ob die geleakten Verläufe echt seien – und hat diese erhalten.

In den rund 8.000 Nachrichten der offenbar immer noch offenen Gruppe schreiben verschiedene Funktionäre der AfD Sachsen-Anhalt mit, darunter auch deren Vorsitzender und Mitglied des AfD-Bundesvorstands, André Poggenburg. In einer Nachricht schrieb er etwa „Deutschland den Deutschen“, ein Spruch aus Nazizeiten, den auch die NPD gerne verwendet. Dazu ein Smiley. Für die gleiche Aussage, ohne Smiley und öffentlich auf Facebook geäußert, wurde in Mecklenburg-Vorpommern der stellvertretenden Vorsitzende Ralph Weber im April abgemahnt, weil sie der Partei Schaden im öffentlichen Ansehen zufüge.

Poggenburg steht dennoch hinter der Aussage. Er ließ in der Nacht zum Mittwoch eine Stellungnahme zu den brisanten Daten veröffentlichen, in der er sie verteidigt. Er sei auch nicht dafür verantwortlich, Beitrage anderer Mitglieder zu kritisieren. Schließlich sei er ja nicht der Administrator der Gruppe.

Auf welchem dünnen Eis sich die Mitglieder der Gruppe mit ihren Aussagen teilweise bewegten, wissen sie aber offenbar selbst. Ein Mitglied schrieb nach der Aussage über die Mediensäuberung etwa vorausschauend: „Das hier ist fast öffentlich, also vorsichtiger agieren!“ Nun ja: zu spät.