Once: Neue Dating-App will das Anti-Tinder sein

Mit „Once“ ist die nächste Dating-App auf dem Markt. Der Unterschied zu anderen Angeboten: Die App schlägt jeden Tag nur eine Person vor – die ein Matchmaker persönlich ausgewählt hat. 

© Once

Jean Meyer, Gründer von "Once", sagt: "I want to kill Tinder." © Once

Die Geschichte von „Once“ beginnt mit einer persönlichen Niederlage. Gründer und Chef Jean Meyer studierte an der Columbia Business School in den USA und hatte die Website „Date my school“ gegründet. Sie war nur für Studierende und Uni-Mitarbeiter*innen gedacht. Um sich anzumelden, benötigte man eine Universitäts-E-Mail-Adresse. Die Website lief gut, erzählt der Franzose Meyer, 34, bei einem einem Treffen in Berlin. Dann kam Tinder. Die Nutzer*innen wechselten und um „Date my school“ war es geschehen. Doch Meyer wollte sich nicht geschlagen geben.

„I want to kill Tinder.“

Jean Meyer, „Once“-Chef 

Auch aus Rache gründete er „Once“, eine Dating-App, die das 20-köpfige Team in Deutschland offiziell am 18. Mai einführen will. Schon jetzt ist sie im App-Store und Google-Play-Store erhältlich und Meyer sagt, dass es bisher gut 15.000 Downloads gab. Derzeit ist die App in Großbritannien, Frankreich, Brasilien und der Schweiz verfügbar. Das Besondere an „Once“: Die App schlägt jeden Tag nur eine Person vor – immer um 12 Uhr.

Warum kann man nach Religion oder Ethnie filtern?

Die Idee dazu kam Meyer bei einem Besuch in Südkorea. Die dort populäre Dating-App „IUM“ funktioniert ähnlich, auch sie schlägt nur alle 24 Stunden eine Person vor. Bei „Once“ trifft zunächst ein Algorithmus eine Vorauswahl. Er greift dabei auf Daten zurück, die man zuvor eingegeben hat: Körpergröße, Beruf, Religion, sexuelle Orientierung und ähnliches. Man kann auch eingeben, welcher Ethnie oder welcher Religion der oder die Wunschpartner*in angehören soll.

Meyer sagt, dass sie dieses Feature während der Betaphase aufgrund von Nutzer*innenwünschen eingeführt haben. „Uns haben Leute geschrieben, dass ihre Eltern nicht damit einverstanden wären, wenn sie keine Person derselben Herkunft oder Religion nach Hause bringen.“

Die Benutzeroberfläche von „Once“. © Once (2), Screenshot

Nach der Vorauswahl kommen die gut 150 Matchmaker ins Spiel. Sie suchen nach passenden Partner*innen für die bislang rund 1,5 Millionen Nutzer*innen und arbeiten nur anhand der Fotos. Wer als Mann auf einem seiner Profilfotos im Anzug mit Champagnerglas posiert, bekommt tendenziell schickere Frauen vorgeschlagen und umgekehrt.

Meyer glaubt, dass die Matchmaker der große Vorteil von „Once“ gegenüber anderen Dating-Apps sind. „Jeder von uns kennt das: ‚Man sieht ein Paar und hat das Gefühl, dass sie gut zusammenpassen.‘ Das kann kein Computer ersetzen“, sagt er.

Die Matchmaker arbeiten auf Provision. Nur wenn die Gematchten mindestens fünf Nachrichten ausgetauscht haben, erhalten sie Geld. „Im Schnitt schreiben sich die Leute bei jedem dritten Vorschlag“, sagt Meyer. Die Matchmaker haben also eine Erfolgsquote von rund 33 Prozent. Nach einer Schulung von drei Tagen dürfen sie für „Once“ arbeiten. Nicht jeder ist gut darin. „Wir feuern ständig Leute“, sagt er.

Dennoch sieht er seine Slow-Dating-App als das bessere Tinder. „Hier geht es nicht um Hook-Ups“, sagt er. Auf Tinder würden die Leute zum Teil Stunden mit Swipen verbringen, um jemanden für eine schnelle Nummer zu finden. „Bei uns geht es um ernste Beziehungen, alleine schon durch den Aspekt, dass man nur alle 24 Stunden eine Person vorgeschlagen bekommt.“ Sein ambitionierter Plan: „Wir wollen in Deutschland die Nummer 1 der Dating-Apps werden.“

„Hier geht es nicht um Hook-Ups.“

Jean Meyer, „Once“-Chef

Geld verdient Meyer mit seiner App über in App-Käufe. Man kann „Crowns“ kaufen, mit denen man ähnlich wie bei Tinder Zusatzfunktionen freischalten kann: Etwa, wenn man verpasst hat, einer Person innerhalb von 24 Stunden zu schreiben, oder wenn man wissen möchte, ob und wann das Gegenüber die gesendete Nachricht gelesen hat.

Nutzer*innen können die Matchmaker auch umgehen, wenn sie dafür „Crowns“ einlösen. Dann können sie sich eine Auswahl von zehn passenden Profilen anzeigen lassen. Daraus können sie eines für den nächsten Match auswählen. Das Gegenüber erfährt nicht, dass es als Match erkauft wurde, sagt Meyer.

Jean Meyer selbst hat „Once“ zwar auf dem Smartphone, braucht die App aber nicht. Er ist seit 15 Jahren mit seiner Freundin zusammen.


Update, Dienstag, 17. Mai:

In Deutschland hat „Once“ die Wunschpartner-Filterfunktion „Ethnie“ im jüngsten Update aus der App entfernt. Auf Nachfrage von ze.tt sagte ein Sprecher, dass sie in manchen Ländern aktiv sei und in anderen nicht. Diese Entscheidung basiere auf Nutzerfeedback. Sobald wir eine Erklärung erhalten, wie „Once“ diese Entscheidung trifft, aktualisieren wir den Artikel.