Die drei häufigsten Fälle von Bürosexismus

Ob beim morgendlichen Kaffeekochen oder in der Besprechung: Für viele Frauen gehört Sexismus am Arbeitsplatz zum Alltag. Drei typische Szenarien und drei Lösungsansätze.

Jede*r im Büro kann mal Kaffee kochen. © photocase.de / Cosendolas

Erstes Szenario: Kommentare über die attraktive Kollegin

Der Klassiker unter den sexistischen Erlebnissen im Büroalltag: Männer mustern erst mal das Aussehen der Kolleginnen. Eine befreundete Elektrotechnikerin erzählt mir von einem Zwischenfall auf einer Konferenz. Ein Ingenieur begrüßte sie mit den Worten, er freue sich, dass die Veranstaltung durch die Teilnahme einer jungen, attraktiven Frau aufgewertet werde.

Was hier als Kompliment oder Scherz gemeint ist, ist in Wahrheit das genaue Gegenteil. Mit diesem Kommentar steckt der Kollege den Rahmen für die gesamte Veranstaltung ab. Er vermittelt der jungen Ingenieurin und allen anderen Frauen im Raum, dass sie zuerst nach ihrem Aussehen bewertet werden. Ihre Kompetenz spielt keine Rolle.

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Meine Freundin hat für solche Fälle immer einen Spruch parat. „Ich bin aber auch wegen meines technischen Wissens hier,“ antwortete sie an jenem Tag und brachte den Kollegen ganz schön in Verlegenheit. Im zweiten Schritt lohnt es sich dann aber doch ein klärendes Gespräch zu führen – auch auf die Gefahr hin, dass sich das Gegenüber auf den Schlips getreten fühlt. Eine freundliche aber bestimmte Nachfrage, ob der Kollege den männlichen Mitarbeitern ähnliche Komplimente mache, reicht oft schon aus.

Darüber hinaus hilft es ungemein, sich im Kampf gegen Sexismus im Alltag zu allererst mit den anderen Frauen im Büro zu verbünden. Feminist fight club nennt Jessica Bennett das in ihrem gleichnamigen Buch und beschreibt, wie sie sich jeden Monat mit Frauen aus dem New Yorker Bürodschungel trifft, um sich über das Arbeitsleben auszutauschen und Kraft zu tanken.

Zweites Szenario: Die Frauen kochen den Kaffee

Im Büro sind es oft die Frauen, die daran denken, den Geschirrspüler auszuräumen, die Geburtstagsgeschenke zu besorgen oder Kaffee und Kekse bereitzustellen. Davon kann selbst die Geschäftsführerin von Facebook Sheryl Sandberg ein Lied singen. In ihrer Kolumne für die New York Times beschreibt sie, dass von Frauen am Arbeitsplatz alle möglichen Hilfstätigkeiten erwartet werden. Sandberg warnt: „Diese Aktivitäten nehmen nicht nur wertvolle Zeit in Anspruch, sondern führen auch dazu, dass Frauen wichtige Chancen verpassen.“ Denn wer in der Besprechung damit beschäftigt ist, für die Verpflegung zu sorgen oder Protokoll zu führen, kann sich seltener mit eigenen Ideen und Fachwissen einbringen.

Bei Streitigkeiten um die Hausarbeit im Büro gilt, wie auch in der WG: Hier hilft nur, das Problem ohne Schuldzuweisung anzusprechen und, wenn es absolut sein muss, klare Regeln aufzustellen. Wer im direkten Gespräch mit einem Kollegen die eigene Perspektive darlegt, verhindert, dass dieser gleich defensiv wird: „Ich habe das Gefühl, dass ich im Büro die ersten fünfzehn Minuten des Tages mit der Spülmaschine verbringe. Können wir das in Zukunft anders machen?“

Drittes Szenario: Kommt noch ein richtiger Arzt?

Die Managerin eines Softwarekonzerns berichtet, dass männliche Kollegen sie auf Konferenzen immer wieder entweder als Ehefrau des Chefs oder als Kellnerin ansprechen. Es mache sie immer noch sprachlos, wenn sie dann jemand auffordert, schnell den Zucker nachzufüllen.

Auch außerhalb der technischen Branchen werden Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen seltener als Fachkräfte wahrgenommen. Eine Assistenzärztin aus einem Berliner Krankenhaus erzählt, dass Patienten sie oft für die Krankenschwester halten. Manche fragen sogar, ob noch ein richtiger Arzt komme. Da helfe ihrer Erfahrung nach nur eine deutliche Körpersprache und klare Worte: „In solchen Fällen stelle ich mich laut und deutlich als zuständige Ärztin vor und trete auch bewusst dominant auf, also durch meine Körpersprache und eine ruhige und tiefere Sprechweise,“ sagt sie und lacht. Manchmal wolle sie den Menschen aber auch vor Augen führen, wie lächerlich ihre eigenen Vorurteile sind. Dann antworte sie einfach: „Sorry, der Arzt hat heute keinen Rauschebart.“