Die drei wichtigsten Fragen zum US-Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis

Nachdem er die erschütternden Bilder vom jüngsten Giftgas-Angriff in Syrien gesehen hatte, traf US-Präsident Donald Trump eine Entscheidung: Er ließ über 50 Tomahawk-Raketen abfeuern.

US-Kriegsschiff feuert Missile ab

Abschuss einer der Raketen von der USS Porter. © Getty Images

Bisher sah es so aus, als ob die US-Regierung nicht aktiv in den Krieg in Syrien eingreifen würde. Das hat sich jetzt geändert.

Was ist passiert?

Insgesamt 59 Raketen wurden laut der Welt von den Kriegsschiffen USS Ross und USS Porter aus abgefeuert. Ziel des Angriffs war der Luftwaffenstützpunkt al-Schairat, der derzeit unter Kontrolle der Regierungstruppen Baschar al-Assads steht. Fünf Menschen sollen bei dem Angriff ihr Leben verloren haben. Der Stützpunkt wurde komplett zerstört.

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Warum dieser Angriff so plötzlich erfolgte, kann im Moment niemand wirklich nachvollziehen. Trump befand sich während des Angriffs, wie so häufig, im Mar-a-Lago Ressort, wo er sich mit dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping traf. Er hielt es offenbar nicht für nötig, umgehend eine Pressekonferenz zur Lage in Syrien und dem Intervenieren der USA einzuberufen.

Trump erklärte erst in einer Pressekonferenz am nächsten Morgen, dass der Angriff die Antwort auf die grausamen Giftgasangriffe gewesen sei. Diese seien – seiner Überzeugung nach – vom Assad-Regime verübt worden, obwohl dies bisher nicht offiziell bestätigt werden konnte. Er betonte außerdem die Grausamkeit der Angriffe und dass unter den achtzig Opfern auch unschuldige Kinder und Babys waren. Deshalb habe er sich zu einer militärischen Intervention genötigt gesehen.

[Außerdem bei ze.tt: Kinder werden mit Giftgas getötet – und niemand will es gewesen sein]

Es sei die Aufgabe der USA, die Verbreitung und Nutzung solcher chemischen Waffen zu verhindern. Dass sie in Syrien trotzdem zum Einsatz kamen, sei ein Verstoß gegen Vereinbarungen des UN-Sicherheitsrates und führe zur Destabilisierung der Region, sowie der Ausweitung der Flüchtlingskrise. Dies wiederum sei eine direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA und seiner Alliierten. Er rief daher alle – wie er es ausdrückte – zivilisierten Nationen auf, sich dem Kampf gegen Assad und den Terrorismus anzuschließen.

Warum war der Stützpunkt das Ziel?

Der Giftgasangriff war laut Trump vom Luftwaffenstützpunkt al-Schairat gestartet worden. Dieser liegt nahe der Stadt Homs, die am Anfang des Bürgerkrieges einer der wichtigsten Rückzugsorte der Rebellen und Assad-Gegner*innen war. Seit September 2016 ist die Stadt jedoch offiziell von den Regierungstruppen eingenommen.

https://twitter.com/jbillinson/status/850171205080535042

2013 hatte Trump den Ex-Präsidenten Obama noch aufgefordert, auf keinen Fall in den Syrien-Krieg einzugreifen. Tatsächlich war dessen Zögern von anderen vor allem als Schwäche ausgelegt worden. Vor allem seine Rote-Linie-Rethorik, die sich schließlich doch als Bluff herausstellte, wurde ihm zum Verhängnis.

Warum Trump sich jetzt dazu entschied, selbst einen Angriff zu genehmigen, ist daher mehr als unklar. Die syrische Regierung verurteilte das US-amerikanische Eingreifen bereits auf schärfste und bezeichnete den Angriff als Aggression gegen Syrien.

Auch der United States Congress scheint eher verwirrt und geschockt über die Entscheidung des Präsidenten zu sein:

Was macht Russland jetzt?

Für viele ist im Moment die Frage am drängendsten, wie Russland sich von nun an verhalten wird. Putins Streitkräfte unterstützen seit September 2015 die Regierungstruppen Baschar al-Assads, während die westlichen Nationen indirekt die Rebellen versorgten und auf ein Ende des Regimes hofften.

Auch einige russische Soldat*innen halten sich hin und wieder auf dem Luftwaffenstützpunkt auf. Sie sollen jedoch vom US-Militär informiert worden sein, um sich vor dem Angriff in Sicherheit zu bringen.

Zuletzt hatten die USA und Russland sich immerhin darauf geeinigt, gemeinsam den Terrorismus zu bekämpfen. Diese Zusammenarbeit sei jetzt jedoch erst einmal vom Tisch, berichtet der Telegraph. Konstantin Kosachev, der Vorsitzende des Kommitees für Außenpolitik in der Duma, bezog klar Stellung zur US-amerikanischen Intervention: „Russische Raketen treffen Terroristen, während US-Raketen die syrischen Regierungsstreitkräfte angreifen, die die Speerspitze des Kampfes gegen den Terrorismus bilden.“ Unter solchen Bedingungen sei eine Zusammenarbeit schlichtweg nicht möglich.

Der Krieg in Syrien ist längst zu einem Stellvertreterkrieg geworden, bei dem unzählige Nationen involviert sind: Russland, die Türkei, die USA, Israel, der Iran, verschiedene europäische Koalitionen und Terrorgruppen von der Hisbollah bis zum IS. Aus diesem Grund ist kaum absehbar, wie das aktive Eingreifen der USA sich auf den Konflikt und das ohnehin fragile Sicherheitsgefüge der Welt auswirken wird.

Ob die US-Amerikaner*innen weitere Raketenstarts oder gar einen Einmarsch in Syrien geplant haben, ist bisher nicht bestätigt.