Halb Berlin fragt sich: Wem gehören diese Elefanten?

Elefanten grasen auf einer Wiese in Berlin-Lichtenberg. Fast täglich gehen sie dort vormittags spazieren. In einer Facebook-Gruppe wird lebhaft über das Thema diskutiert. Woher kommen die Tiere und wem gehören sie?

© Facebook | Ivy Green

Diese Elefanten grasen seit einigen Wochen immer vormittags auf einer Wiese in Berlin-Lichtenberg. © Facebook | Ivy Green

„Hab‘ ich heute auch gesehen. Ich dachte, ich halluziniere“, schreibt eine Userin der Facebook-Gruppe Nett-Werk Berlin, die in Lichtenberg von einem freilaufenden Elefanten überrascht worden ist.

Nachvollziehbar, es kommt ja auch nicht jeden Tag vor, dass man auf der Straße mal eben einem ausgewachsenen Elefanten begegnet. Sie kommentierte unter ein Foto, das diesen auf einem Gehweg zeigt.

© Screenshot | Facebook
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Umgehend fragte eine Userin: „Ausgebrochen?“ Eine weitere schrieb „traurige Welt“, wieder eine andere spricht zynisch von „Freiheit“ auf den Straßen Berlins. Die User fragten sich in den vielen Kommentaren, woher die Elefanten wohl stammen, die viele von ihnen schon unabhängig gesehen haben – und zwar „seit mehreren Wochen immer wieder“. Wir haben uns umgehört. Die Tiere sind Zirkuselefanten des Circus Busch.

Zirkuselefanten auf Freigang

„Das ist ganz normal bei uns. Wir gehen jeden Tag mit den Elefanten auf die Wiese“, sagt Zirkusdirektor Hardi Scholl auf Anfrage. Er erklärt, dass auch schon Filmaufnahmen mit den Tieren gemacht wurden. Die Veterinäraufsicht des Ordnungsamt Lichtenberg wisse Bescheid, sonst sei keine weitere Genehmigung notwendig.

In der Facebook-Gruppe malen sich die User indes aus, was passieren würde, wenn einer der Elefanten etwa ein Kind angreifen würde. Würde er dann zum Abschuss freigegeben? Kommt der Zirkus seiner Aufsichtspflicht nicht ausreichend nach?

© Screenshot | Facebook
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„Die Elefanten sind gewöhnt, auf Kinder zu treffen. Die sind ungefährlicher als Hunde“, sagt Scholl über die indischen Elefanten.

Beschwerde beim Ordnungsamt

Wir waren beim Zirkus an der Straßenbahnstation Landsberger Allee/Arendsweg vor Ort und haben uns mit Anwohnern unterhalten. Eine ältere Dame erzählt, das sei ein ganz gewohntes Bild. Von ihrem Balkon aus sieht sie die Tiere beinahe täglich. „Da ist tatsächlich immer ein Dompteur dabei, auch wenn man ihn nicht immer gleich sieht“, sagt sie.

Gefährlich komme auch ihr das nicht vor. Im Gegenteil: Es sei doch schön, dass sie sich auch einmal frei bewegen könnten. Der Zirkusdirektor bestätigt: „Wir lassen die Elefanten nie alleine grasen.“

Das Veterinäramt Lichtenberg teilt mit, es habe die Haltungsbedingungen überprüft. „Ich würde doch keinem Zirkus verbieten, ihre Elefanten in der Freiheit grasen zu lassen“, sagt Tierärztin Buggenhagen.

Aber: Die „Freiheit“ dieser Elefanten ist nicht von Dauer. Am Abend kommen die Tiere wieder in ihr Gehege, zum Transport in einen Zwinger. „Die armen Elefanten. Die sollte man eher in freier Wildbahn beobachten. Im Sri Lanka Urlaub zum Beispiel“, schreibt eine Userin auf Facebook dazu. Ein weiterer User schreibt: „Verbieten, neue Tiere anzuschaffen und dann löst sich das Problem von ganz alleine.“ Beim Ordnungsamt Lichtenberg liegt bereits eine ausführliche Beschwerde vor.

Tatsächlich ist es in Deutschland schon in einigen Städten verboten, Gelände an Institutionen zu vermieten, die Wildtiere mitführen. In Berlin erteilt bislang nur ein Stadtteil Zirkussen eine Absage: Steglitz-Zehlendorf. Ab 2017 darf dort also kein Elefant mehr mitgebracht werden – ob er dann kurzzeitig „frei“ ist, oder nicht.