Wie Afghaninnen mit der Safran-Ernte den Opium-Anbau bekämpfen

In der Provinz Herat in Afghanistan erfüllt eine einzige Pflanze ein Frauenkollektiv mit Stolz: der Safran-Krokus. 

Eine Pflückerin in Shakiban. Foto: Gernot Würtenberger

Es ist vier Uhr in der früh, auf einem Feld in Shakiban, bei der Provinzhaupstadt Herat im Westen Afghanistans. Am Boden hocken Frauen und zupfen lilafarbene Pflänzchen aus der Erde. Auf genau diesen Feldern wuchs jahrelang Schlafmohn, der zu Opium weiterverarbeitet wird. Heute kultiviert ein afghanisches Frauenkollektiv Safran-Krokusse auf dieser Fläche.

Wie kam der Safran nach Afghanistan?

Der weltweite Marktführer im Safrananbau ist bis heute der Iran, ein Nachbarland Afghanistans. Während der militärischen Okkupation und Invasion der Sowjetunion in Afghanistan zwischen 1979 und 1989 flohen Millionen von Afghan*innen in den Iran. Viele von ihnen erlernten dort die Kultivierung des Safrans bei iranischen Bauern und Bäuerinnen. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee kehrten viele Afghan*innen zurück in ihre Heimat und mit ihnen: Die Kunst des Safrananbaus.

Foto: Gernot Würtenberger

Nachdem 2001 die USA in Afghanistan einmarschierte und die Taliban fielen, kamen einige internationale Wohltätigkeitsorganisationen nach Afghanistan. Viele hatten das Ziel, Kleinbauern und -Bäuerinnen dabei zu unterstützen, Safrananbau zu fördern, um den illegalen Schlafmohnanbau zu verdrängen.

Der Anbau von Schlafmohn und die Weiterverarbeitung zu Opium in Afghanistan haben eine lange Geschichte. Insbesondere für die Taliban stellte der Anbau eine Zeit lang eine wichtige Geldquelle dar. Erst 2015 stieg die Opiumernte in Afghanistan nach UN-Bericht wieder um zehn Prozent.

Frauenkollektiv in Herat

In Shakiban war die Verdrängung des Opiumanbaus durch die Förderung der Safrankultivierung erfolgreich: Dort gründete das afghanische Institut für ländliche Weiterentwicklung 2008 die Vereinigung zur Kultivierung von Safran, der traditionell von einem Rat, der Shura gestemmt wird. Damals gliederten sich fünf Frauen in die Gemeinschaft ein. Auch sie wollten ein Mitspracherecht.

Nach einiger Zeit trennten sich die Frauen von der männlich besetzten Shura und formierten eine autonome Gruppe: Der erste Frauenrat, der von der afghanischen Regierung als unabhängige Vereinigung offiziell anerkannt ist. Aus der Frauengemeinschaft entstand ein Frauenzentrum, in dem Frauen unmittelbaren Zugang zu Bildung, Information und Austausch bekommen.

Doch am wichtigsten war die selbstständige und unabhängige Einnahmequelle durch den Vertrieb von Agrarprodukten, unter anderem für Safran, welche die Frauen heute im eigenen Shop und auf dem Markt verkaufen. Damit finanzieren sie Workshops, Konferenzen und den Ausbau des Zentrums mit Internetcafé, Teegarten und Kindergarten.

Safran: Eine wichtige Einnahmequelle

Safran gilt als das teuerste Gewürz der Welt. 100 Gramm hochwertiger Safran kosten in Deutschland bis 3.000 Euro. Das hat seine Berechtigung: Der Anbau und die Ernte der Pflanze erfordert eine Menge Aufwand, Zeit und Muße. Die Safranpflanze blüht nur einmal im Jahr zwei Wochen lang.

Foto: Gernot Würtenberger

In dieser Zeit (in Afghanistan im November) beginnt das Frauenkollektiv früh um vier Uhr mit der Ernte, damit die Sonneneinstrahlung die Safranfäden nicht beschädigen. Noch am selben Tag müssen die Bäuerinnen aus jeder einzelnen Blüte die roten Fäden pflücken, damit sie getrocknet werden können.

Eine Tagesernte von 80 Gramm pro Pflückerin ist das Maximum. Um insgesamt ein Kilogramm Safran zu gewinnen, müssen 150.000 bis 200.000 Blüten gepflückt werden. Doch die Frauen machen die Arbeit gerne.

Berliner Startup vertreibt Safran des Frauenkollektivs

Das erfuhren auch Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger bei ihrer Reise nach Afghanistan Anfang 2015. Salem hat afghanische Wurzeln und deshalb Kontakte in dem Land. Heute betreiben die beiden Männer ein Startup, welches diesen hochwertigen Safran aus Shakiban in Deutschland vertreibt und Teile des Gewinns an Projekte in Afghanistan spenden.

„Der Safran macht die Frauen sehr stolz“, erzählen die Gründer. Das Ziel der beiden ist es, die sozialen Strukturen in Herat zu stärken und den Menschen eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten. Wenn sich neue Absatzmärkte eröffnen, kann die Armut bekämpft werden. Zudem möchten sie ihre Kund*innen dazu bewegen, mithilfe des Produktes Safran mehr über Afghanistan abseits von seinem Kriesenimage zu lernen und ihr Interesse zu wecken.

Weiterhin wollen sie die Frauen dabei unterstützen, den Safran biologisch zertifizieren zu lassen. „Die Frauen in Shakiban bauen den Safran bereits nach alten Methoden und Traditionen ohne Einsatz von Pestiziden an. Aber wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage in Afghanistan ist es den Bäuerinnen nicht möglich, ein internationales Bio-Zertifikat zu bekommen.“

Die Stempel der Safranblüte, die Safranfäden, werden traditionell für Risotto, Paella, Biryani oder auch beim Backen verwendet. Das Gewürz verleiht Gerichten einen besonderen Geschmack und eine gelbliche Färbung.

Neugierig geworden? Hier ein Rezept zum Ausprobieren:

Veganes Biryani

Zutaten (für vier Personen):

  • 400 g Basmatireis
  • 0,2 g Safran
  • 10 Cashewnüsse
  • 1 große Karotte, klein geschnitten
  • 6 EL Butter oder Margarine
  • 2 Zimtstangen
  • 5 Kardamomkapseln
  • 5 Nelken
  • 3 Lorbeerblätter
  • 1 EL Rosinen
  • 125 g Erbsen, gekocht
  • 4 EL Mandelstifte
  • 1 EL Zucker
  • Salz

Rezept:

Reis in Salzwasser aufkochen und bei niedriger Hitze quellen lassen. Die Gewürze (Safran und Zucker ausgeschlossen) andünsten und parallel das Gemüse anbraten, bis es bissfest ist. Safran in eine Schüssel geben und mit 3 Esslöffeln kochendem Wasser übergießen. Reis, Rosinen, Karotten und Erbsen zu den Gewürzen geben und etwa 3 Minuten unter Rühren anbraten. Anschließend Safran, Mandeln, Cashewnüsse, Salz und Zucker dazugeben. Gut verrühren und noch etwas garen lassen, bei Bedarf noch etwas Wasser dazugeben. Guten Appetit!