Buschig, Stoppelig, Glatt – Die Geschichte der weiblichen Intimfrisur

Ganz glatt, stoppelig oder eher naturbelassen? Die Welt der weiblichen Schamfrisuren ist mannigfaltig. Ob und wie da unten frisiert wird, hat eine lange Geschichte.

© Caroline Selmes/Eden Books, Collage: ze.tt

Von Links: Der Charlie Chaplin, das Schampus-Glas, nichts und der Irokese. © Caroline Selmes/Eden Books, Collage: ze.tt

Im Gegensatz zu unseren engsten Verwandten, den Schimpansen und Gorillas, haben wir Menschen den Großteil unserer Körperbehaarung per Evolutionsentwicklung abgeworfen. Wir lernten, uns anderweitig vor Kälte und Verletzungen zu schützen. Dichte Behaarung wurde mit der Entwicklung zum Homo Sapiens immer unnotwendiger. Übrig geblieben sind das Haupt-, Achsel- und Genitalhaar. Stellen, die offensichtlich doch noch ein wenig mehr Schutz brauchen.

© Caroline Selmes/Eden Books
Das Martini-Glas. | © Caroline Selmes/Eden Books

So richtig passte uns dieser Plan der Natur dann aber doch nicht. Schon seit Jahrtausenden kämpfen wir gegen den genitalen Wildwuchs an. Während Männer erst vergleichsweise spät die Untenrum-Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen begannen, wussten schon Frauen früher Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten, wie sie mit dem südlichen Körperhaar umgehen.

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4.000 bis 3.000 v. Chr. nutzten sie geschliffene Steine und Muscheln in Kombination mit Harzen, Eselsfett oder Fledermausblut, um untenrum nackter zu sein. Grabmalereien aus dieser Zeit zeigen Frauen, die außer viel Schmuck gar nichts trugen; auch keinen Busch. Auf ägyptischen Hieroglyphen sind Frauen mit Rasiermesser und kleinem Schamhaar-Dreieck zu sehen. Auch altgriechische Bildhauerkunst zeigt griechische Göttinnen und Fußvolk-Frauen fast immer komplett enthaart.

Die Intimhaarentfernung der Römerinnen war Teil ihrer Bade- und Körperkultur. Durch römische Eroberungen außerhalb des Schambereichs wucherte sich der Trend zum Trimmen auch nach Nordeuropa, -afrika und den Orient. Neben gängiger Rasurmethoden mit Bronzemesser, Zucker- oder Bienenwachs war es üblich, unerwünschte Haare mit groben Handschuhen oder schleifpapierähnlichen Scheiben abzureiben. Frauen in islamischen Hammams entfernten Haare mit Halawa, einer warmen Creme aus Zucker und Zitronensaft, oder sie wurden mit dünnen Fäden aus der Haut gezwirbelt.

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© Caroline Selmes/Eden Books
© Caroline Selmes/Eden Books

Damals wurde der Intimhaarschnitt noch überwiegend aus hygienischen Gründen praktiziert, damit sich keine Parasiten oder anderes Ungeziefer wie Läuse oder Milben festsetzen. Starke Behaarung galt als unzivilisiert. In den Ländern des Orients, wo trockenes Klima und oftmals auch Wasserknappheit herrschten, war minimale Körperbehaarung zudem auch praktisch.

Nach der Römerzeit bis zum frühen Mittelalter musste das Badewesen und die damit verbundene Schamhaarentfernung in Europa pausieren. Zumindest offiziell. Sämtliche Auseinandersetzungen mit dem eigenen Körper wurden von der Kirche nicht nur abgelehnt und tabuisiert, sondern auch verfolgt. Ob und wie sich Damen dieser Zeit tatsächlich untenrum behaarten, ist nicht hinreichend überliefert. Erst durch den Aufstieg des Bürgertums und die Rückkehr der Kreuzritter im 12. und 13. Jahrhundert wurden die Badekultur in Europa und somit eine haarlose Scham wieder trendy. Solange bis die Bäder aufgrund von Kriegen und Seuchen wieder schließen mussten, da die Ansteckungsgefahr zu hoch war.

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Dann kamen die Hexen. Ab dem 15. und 16. Jahrhundert galten Narben oder Leberflecke als böse Male, Luzifer höchstpersönlich hätte sie auf die Frauenkörper geteufelt. Frauen, die verdächtigt wurden, verwunschen zu sein, wurden bei Untersuchungen am ganzen Körper rasiert. Diese sogenannte Nadelprobe ging naturgemäß fast immer negativ aus, weil wohl niemand lupenreine Haut besitzt. Bei einer anderen Hexenprobe wurde den Frauen sämtliche Körperhaare entfernt, weil ihnen dadurch – so die Annahme – Zauberkraft entzogen wurde.

Intimrasur ist mal angesagt, mal wieder nicht, je nach Zeitalter, Epoche und Kultur. Im Frankreich des 18. Jahrhunderts mussten Schamhaare weg, bevorzugt wurde jugendliches, gar kindliches Aussehen. Zur Zeit des Nationalsozialismus‘ hatte die „deutsche Frau“ dem Ideal entsprechend volle Schambehaarung zu tragen. Und im Islam war ein haarloser Körper vor der Hochzeit ein Symbol der Unbeflecktheit und Ergebenheit.

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© Caroline Selmes/Eden Books

Haare hin oder her. Bis ins 19. Jahrhundert war die Rasur keine angenehme Sache. Sie war lästig, schmerzhaft und manchmal auch gesundheitsgefährdend. Dann wurde Elektrizität entdeckt und Rasur ein großes Stück einfacher und schmerzfreier. Die rasierte Scham wurde Mode. In Ländern mit ausreichender sanitärer Grundversorgung war Sauberkeit darüber hinaus bald kein Grund mehr für eine Rasur.

Zurechtgestutzte Härchen galten nach wie vor als reiner als gänzliche Glätte, die nicht regelmäßig gewaschen wurde. Der erste Rasierer mit Wegwerfklingen von Gillette speziell nur für Frauen aus dem Jahr 1915 und die Erfindung des Bikinis im Jahre 1946 taten ihr übriges. Die Rasier-Revolution konnte beginnen.

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Mit Elektrolyse, Heißwachs, Laser, Elektrorasierern sind der südlichen Frisur quasi keine Grenzen mehr gesetzt. Ob und wie seither rasiert wird, sei laut Elmar Brähler, Psychologieprofessor an der Universität Leipzig, eine Frage der individuellen Attraktivität und der gesellschaftlichen Normativität.

Bikinis und Badeanzüge wurden kürzer, Bilder in den Medien nackter.„Speziell für den Bereich der Intimrasuren bei Frauen, lässt sich sagen, dass es die ’neue‘ Sichtbarkeit der äußeren weiblichen Genitalien ist, die dazu führt, dass sich auch hier Schönheitsnormen herausbilden: Erstmals entwickelt sich eine allgemeingültige – für weite Schichten der Bevölkerung – verbindliche Intimästhetik. Eine bis dato primär zur Privatsphäre zählende Körperregion – die Schamregion – unterliegt fortan einem Gestaltungsimperativ.“

Was untenrum alles möglich ist, zeigt uns Caroline Selmes in ihrem Buch Pussycuts. Vom Charlie Chaplin bis hin zum Blitz, mit ein wenig Geschick lassen sich richtig kreative Dinge mit der Naturfrise anstellen. Wir haben uns an einer Typologie versucht.

Die Glatte

Die Glatte
© Caroline Selmes/Eden Books

Keine Zeit und leichte Pflege? Zack, zack weg damit! Die Glatte wartet untenrum mit blanker Haut auf und will es dir so angenehm wie möglich machen; und sich selbst auch. Sie hasst es: Härchen die über den Sliprand lugen oder beim Streicheln an den Fingerkuppen kitzeln. Hand und Zunge der/des Angebeteten sollen wie ein Stück Seife auf dem Wannenrand dahingleiten können. Damit das funktioniert, muss sie öfter waxen, schneiden, rasieren. Gänzliche Glätte spricht für Pragmatismus, aber auch für permanente Einsatzbereitschaft à la: too much hair, no affair.

 

Die Landebahn

Die Landebahn
© Caroline Selmes/Eden Books

Lady? Hier geht’s lang! Frauen mit geradem Strich, wissen genau, was sie wollen und zeigen dir das auch. Das zurechtgestutzte Rechteck, mal eine dünne Linie, mal ein breiterer Balken, ist nicht mal eben so weggewaxt. Die Landebahn-Lady ist ein Kopfmensch. Alles, was sie tut, ist wohlüberlegt: Ganz glatt? Nein, Haare sind für sie Ausdruck einer erwachsenen Frau. Ein wildernder Busch? Bitte, ein wenig Zivilisation sollte schon sein. Deshalb also ein Strich, der ihren Venushügel für dich in Szene setzt.

 

Die BUSCHikose

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© Caroline Selmes/Eden Books

Haaareee? Sind Ausdruck von Weiblichkeit, egal wo, sie gehören zu mir! Auch wenn du dich beim Sex mitunter wie beim Test für Zahnseide fühlst, steht die Buschikose zu ihrem Nicht-Schnitt. Sie denkt an ihre Gesundheit: Haare schützen schließlich auch. Deswegen hat sie kein Problem damit, sich bei dir selbst gern durch urig Gewachsenes zu stöbern. Es könnte zwar passieren, dass sie dich aus dem Bett schmeißt, wenn du ihr während des Liebesaktes nicht mindestens de Beauvoir zitieren kannst, dafür findest du aber eine Frau in ihr, die durch und durch natürlich ist.

 

Die Künstlerin

© Caroline Selmes/Eden Books
© Caroline Selmes/Eden Books

Ein Schnörkelchen hier, ein Kreis da. Unter dem Slip der Künstlerin versteckt sich Selbstfindungs-Scharmhaar. Ihre Vagina-Frisur ist kreativ, verspielt, so wie ihre Trägerin. „Flamme“, „Blitz“ und „Pfeil, sie nimmt sich Zeit und probiert alles mal aus. Die Künstlerin mag es, ihr gegenüber zu überraschen und hat keine Scheu aus Sex viel mehr zu machen, als Hormonauf und wieder -abbau. Gern beantwortet sie dir all deine Fragen, auch zur Rasur. „Wie geht nochmal das Blümchen?“

 

Die Stoppelige

© Caroline Selmes/Eden Books
© Caroline Selmes/Eden Books

Stoppeln sind der Dreitagebart unter den Intimfrisuren. Ihre Trägerin lebt in den Tag hinein – wer weiß schon, wer da kommt? Müßiggang und Leichtigkeit sind ihr Motto: Meistens ist die Stoppelige auf dem Sprung und wenn doch mal Zeit bleibt, rasiert sie sich vor der nächsten Only-Girls-Party; oder aber auch nicht. Huch, doch eine*n abgeschleppt? Naja egal, da muss er/sie jetzt durch. In der Nacht kannst du dich bei ihr über viel Spontanität freuen, am Tag darauf eher über Pickel am Kinn.