Vom Party-Studenten zum Umweltaktivisten: Kalifornier reiste mit Hilfe anderer von Panama in die USA

Rob Greenfield reiste 37 Tage durch Zentral- und Nordamerika – ohne Geld, ohne Handy, ohne genau Route. Sein einziges Ziel war es, zu zeigen, dass die Menschen gut sind. Die Geschichte eines jungen Mannes, der sich durch andere vom Party-Studenten zum Umweltaktivisten entwickelte.

© Rob Grenfield

Rob Greenfield verließ sich auf die Hilfsbereitschaft anderer und reiste ohne Gepäck und Geld. © Rob Grenfield

Die Geschichte von Rob Greenfield, einem 29-jährigen Kalifornier aus San Diego, erinnert ein bisschen an das Grimmsche Märchen „Hans im Glück“. Ähnlich wie Hans, und an dieser Stelle nehme ich das Ende schon vorweg, kommt Rob, mit leeren Händen nach Hause und ist glücklich.

„Hans im Glück“ lehrt uns zweierlei: Für dein Glück ist es nicht wichtig, was oder wie viel du besitzt. Es zeigt aber auch: Menschen sind gierig und hinterhältig. Hans wird auf seiner Reise durch die Habsucht der Menschen, auf die er trifft, um einen Goldklumpen, ein Pferd, eine Kuh, ein Schwein und eine Gans gebracht. Er ist allerdings so naiv, dass er die Betrügereien nicht als solche, sondern als Glück empfindet.

Rob Greenfield ist nicht naiv, aber er lebte viele Jahre „in Saus und Braus“, wie er sagt. Der 29-jährige Umweltaktivist und Autor stammt ursprünglich aus einer Kleinstadt in Wisconsin. Hier studierte er Biologie, machte seinen Bachelor of Science und wollte viele Jahre einfach nur Geld verdienen und eine hübsche Frau haben, erzählt er mir. Sein Eindruck von der Welt und wie er in ihr leben möchte, ändert sich nach seinen ersten längeren Reisen nach Asien und Europa 2010. Zurück in den Staaten zieht es ihn nach San Diego in Kalifornien, „die Leute hier sind weltoffener, deswegen kam ich her“, sagt er.

Er fängt an sich für Umweltschutz und nachhaltige Lebensmittelverwendung einzusetzen und gründet 2011 „The Greenfield Group“, eine NGO, die Unternehmen dabei unterstützt, ressourcenfreundlich und nachhaltig zu agieren. Er verkauft sein Auto und zieht in eine kleine Hütte.

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Robs Entwicklung vom betrunkenen Party-Studenten zum Umweltaktivisten. © Rob Grenfield

„Ich weiß, dass eine Menge schlimmer Dinge passieren“, sagt er. „Aber ich denke, dass eigentlich mehr gute Sachen passieren, die mediale Berichterstattung sich allerdings auf Gewalt fokussiert.“ Um herauszufinden, ob er Recht hat, wollte er sich selbst in eine Situation bringen, in der er ohne Geld überleben musste und auf die Hilfe anderer angewiesen war. Deshalb flog er 2014 von San Diego nach Panama-Stadt. Das Einzige, was er bezahlte, waren 160 US-Dollar für sein Ticket. Ohne Geld und Gepäck hatte er sich vorgenommen, auf dem Landweg zurück in die USA zu reisen. Also lebte er die nächsten 37 Tage vom Wohlwollen der Menschen, die er traf.

Robs Reise wird jetzt bekannt, weil er erst vor wenigen Tagen einen Film auf Facebook postete, der seinen ganzen „No-Budget“-Trip zusammenfasst. Auf seiner Tour ließ er sich von seinen Begleiter*innen filmen und fotografieren und sich die Aufnahmen hinterher schicken. „Weil ich solange gebraucht habe, um jemanden zu finden, der mir alles zusammenschneidet, zeige ich das Video erst jetzt“, sagt er.

Sein Panama-USA-Trip ist nicht nur der erste „No-Budget“-Trip, den er unternimmt, sondern auch ausschlaggebend für eine Persönlichkeitsänderung, die ihm vollends vom vormaligen „Junkfood-Student“ zum „Making-a-Difference-Dude“ macht, wie er es selbst beschreibt.

6170 Kilometer von Panama in die USA ohne Gepäck

Rob, kurz vor seinem Flug nach Panama. Das Einzige, was er mit sich trug, ist das, was er anhat. © Rob Grenfield

Nur mit Sandalen, Shorts, einem T-Shirt, seiner Jacke, einem Hut und seinem Pass machte sich Rob Anfang 2014 auf, die 6170 Kilometer von Panama-Stadt nach San Diego zurückzureisen. Auf seinem Trip durchquerte er insgesamt sieben Länder: Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala, Mexiko und die USA zurück bis nach Kalifornien.

Unterwegs lernte er zum Beispiel Dimas Diaz beim Couchsurfing kennen. Er schlief ein paar Tage bei ihm, Dimas zeigte ihm Panama-Stadt, seine Heimat und lud ihn in seine Lieblings-Bar ein. Rob arbeitete auch eine Woche lang auf der Organic-Farm von Elena Ross in Guatemala, die er von einer früheren Reise durch Indonesien kennt. Bei ihr lernte er, wie man fermentiert. Er kochte Sauerkraut, braute Ingwerbier und backte Sauerteigbrot. Als Ausgleich für seine Arbeit durfte er auf der Farm essen und schlafen.

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„Ich habe gelernt: Umso einfacher ich lebe, desto freier kann ich leben“, sagt er. „Wenn ich anderen gegenüber hilfsbereit und nett auftrete, sind sie es auch zu mir.“

„Es ist nie gut, in eine große Stadt zu trampen“

Trotzdem gab es Situationen auf seiner Reise, in denen Rob kurz stutzig wurde, ob er sich wirklich auf das Wohlwollen fremder Menschen verlassen kann: Nachdem er im Nicaraguasee schwimmen war und aus dem Wasser stieg, um sich wieder anzuziehen, war sein T-Shirt verschwunden. Er glaubte, der Wind hätte es weggeblasen und wollte oberkörperfrei zurück zu der Farm laufen, auf der er zu der Zeit arbeitete. Auf dem Heimweg sei ihm ein Mann entgegengekommen, der sein T-Shirt bei einem Betrunkenen gefunden hatte. Der hätte es als Kopfkissen benutzt.

„Das war strange, aber irgendwie auch lustig“, sagt Rob. „In einer anderen Situation hatte ich aber wirklich etwas Schiss“: Er war per Anhalter nach Guadalajara gefahren, Mexikos zweitgrößter Stadt. „Es ist nie gut, in eine große Stadt zu trampen, man kommt aus Städten nur schwer wieder per Anhalter heraus“, erzählt er mir.

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Rob beim Trampen durch Mexiko. © Rob Grenfield

Er erreichte Guadalajara als es bereits dunkel wurde. „Ich hatte Angst, dort auf der Straße zu übernachten“, sagt er, „Guadalajara gilt als gefährlich.“ „Also glaubst du doch nicht nur an das Gute im Menschen?“, frage ich ihn. „Doch, aber es gibt einfach Gegenden, wo die Menschen aus Not einen scheinbar reichen Ami ausrauben, auch wenn der vielleicht gar nichts bei sich hat.“

Er lief zu einem Fernbus-Stop und traf dort Ofelia Michel Covarrubias. Die Busfahrerin hatte Mitleid mit ihm und nahm ihn nicht nur kostenlos im Reisebus gen Norden mit, sondern kaufte ihm auch ein Sandwich und etwas zu trinken. Ich bin skeptisch. Nutzt er nicht die Gutmütigkeit anderer Menschen aus, wenn er selbst ohne Geld, obwohl er welches hätte, unterwegs ist und sich darauf verlässt, dass andere ihm helfen?

Die Menschen sehnen sich nach jemanden, der ihnen zuhört

Er verneint das: „Nein, wir müssen über den Tellerrand hinaussehen und mehr geben, als wir bekommen“, sagt er. Für viele, die er getroffen hätte, sei er eine Inspiration gewesen. Sie hätten dadurch gelernt, dass sie etwas geben könnten, ohne etwas dafür zu verlangen.

Klar, Rob profitierte von der Gutmütigkeit der Fremden, die er traf, ist sich aber sicher, dass es kein Ausnutzen sei, jemanden um Rat oder Hilfe zu fragen. Im Gegenteil: „Der Grund dafür, dass mir so viele Menschen geholfen haben, ist, dass sie dafür etwas Immaterielles zurückbekommen haben.“ Ich will wissen was, „Gesellschaft“, sagt er.

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Viele Menschen, die er traf, hätten sich danach gesehnt, jemanden bei sich zu haben, dem sie einfach so Dinge erzählen konnten. Der ihnen zuhört und von sich selbst auch Geschichten erzählt. Rob selbst habe auf seinem Trip von Panama nach Hause vor allem eines gelernt: Hilfe anzunehmen.

Die Lebensphilosophie des 29-jährigen Amerikaners – „Die Menschen sind gut“ – scheint tatsächlich aufzugehen. Nicht nur, weil Rob sie von anderen erwartet, sondern weil er sie selbst vorlebt.

Mittlerweile hat er seine eigene TV-Show „Free Ride“, für die er 2015 zusammen mit einem Kameramann ebenfalls für 72 Tage ohne Geld von Brasilien nach Panama reiste. Er schrieb das Buch „Dude Making a Difference“, indem er zum Beispiel davon berichtet, wie er auf einem Fahhrad aus Bambus durch Amerika fuhr, nur Wasser aus natürlichen Ressourcen trank und sich von Lebensmitteln ernährte, die Supermärkte entsorgt hatten.

All my 111 Possessions
Alle 111 Dinge, die Rob noch besitzt. © Rob Grenfield

Heute spielen der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung und der Schutz natürlicher Ressourcen für Rob die Hauptrolle in seinem Leben. Mit seinen Projekten „The Food Waste Fiasco“ und „Donate not Dump“ will er „die Menschen wachrütteln, mehr darüber nachzudenken, was sie essen und vor allem, was sie wegwerfen“, sagt er. Die Einnahmen aus den Verkäufen seines Buches und der Vermarktung seiner TV-Show investiert er komplett in Projekte seiner NGOs und Aktionen anderer gemeinnütziger Organisationen.

Im Januar 2016 verkaufte er seine Hütte und baute aus dem 10.000 Dollar-Erlös zehn neue kleine Häuser für Obdachlose in San Diego. Er selbst hat keinen festen Wohnsitz mehr und lediglich 111 Gegenstände, die er besitzt.

Der Wandel vom betrunkenen Party-Studenten zum verantwortungsvollen Umweltaktivisten scheint Rob vollends auszufüllen, er wirkt glücklich – auf seinen Bildern, am Telefon und via Skype. Auf meine Frage, wie er auf Geld, Wohnung und so viele Dinge verzichten könne, gibt er eine simple Antwort: „Die Menschen denken zum Beispiel: ‚Oh, ich bin verliebt, also muss ich einen Ring kaufen!‘ Aber hey, sei einfach verliebt, wozu brauchst du da einen Ring?“

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