Die Romantik ist tot – und der Valentinstag ist der Beweis dafür

Der Valentinstag wird mit viel Schokolade und unnötigen Geschenken als Tag der Liebe gefeiert. Dabei ist er eher Beweis dafür, dass das klassische Verständnis von Romantik überholt ist.

Das war's mit der Romantik. Foto: Sally2001/Photocase.de

Wer dieser Tage ein Frauenmagazin aufschlägt, kann ihn nicht ignorieren. Er ist überall: der Valentinstag. Dabei geht es vor allem um Verhaltensregeln, wie dieser Tag zu gestalten sei und natürlich um Geschenke. Die großen Fragen an St. Valentin: Welche einzigartigen Sprüche kann man dem*der Liebsten auf das Kopfkissen legen, wo gibt es herzförmige Pizzableche zu kaufen und welche neue Unterwäsche würde ihn wohl besonders anmachen? Ja, am Valentinstag sind auch die klassischen Genderrollen wieder so rosa/blau wie sonst vor allem in der Kinderabteilung.

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Dabei vollziehen viele dieser Magazine und Konsumtipps im Vorlauf zum Valentinstag eine erstaunliche Kehrtwendung. Ging es in den einschlägigen Magazinen in der letzten Ausgabe noch darum, uns zu vergewissern, dass man auch als Single ein vollwertiges und zufriedenes Mitglied der Gesellschaft sein kann, wird jetzt wieder die Zweierbeziehung als eigentlich erstrebenswerte Lebensform gefeiert.

Wenigstens kriegen aber auch Singles dabei etwas zu tun. Denn wer single ist, kann sich als Alternative zum Candlelight-Dinner bei Facebook zu Glückliche-Pärchen-im-Park-mit-Steinen-bewerfen-Veranstaltungen anmelden, eine neue Dating-App runterladen oder die mittlerweile schon zum Klassiker avancierte einsame Eiscremepackung zu Hause verspeisen.

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Diese Kommerzialisierung von allem und jedem ist kritikwürdig, aber die Kritik daran ist auch wohlfeil. Denn Kommerz hat uns, wie wir wissen, ja sowieso im Griff und spätestens an Tagen wie Valentinstag oder Muttertag fällt uns auch wieder ein, wie perfide es dabei zugeht.

Valentinstag und Kommerz

Und doch sollte man den Valentinstag nicht einfach als x-beliebige Kommerzsause abtun. Was hier gefeiert werden soll, geht schließlich auch im Kern darum, wie wir Gesellschaft wahrnehmen und organisieren wollen. Und wen wir dabei ausschließen.

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Beim Valentinstag wird nämlich etwas gefeiert, was sich für viele Menschen wie eine ziemliche Mogelpackung anfühlen kann: die romantische heterosexuelle Zweierbeziehung als einzig wahre Ware. Diese Art des Miteinanders und der Liebe wird absolut gesetzt. Die Candlelight-Dinner zum Sparpreis und die Kuscheltier-Armadas sprechen eine eindeutige Sprache. Als Pärchen ist man wer und man ist vor allem nicht allein. Immer wer da zum Knuddeln. Überall Herzchen und was heißt das anderes als: Hier gibt’s die Liebe in Reinkultur.

Romantische Mogelpackung

Damit werden nicht nur alle anderen Lebens- und Liebesformen ausgeschlossen, sondern auch Menschen, die sich in einer Beziehung vielleicht nicht ganz so erfüllt fühlen, zuckersüß bemitleidet. Wie es die britische Autorin Laurie Penny mal beschrieben hat, lässt sich nämlich trotz aller Herzchen und Schokokekse nicht verbergen, dass hier vor allem ein ganz bestimmtes Modell der Gesellschaftsorganisation zementiert wird: „Es geht darum, Menschen zu isolierten, effizienten und sich selber reproduzierenden Einheiten zu machen und zugleich dafür zu sorgen, dass sie sich schlecht fühlen, wenn das nicht klappt oder sie dabei nicht glücklich werden.“

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Und so ist es beim Valentinstag, wie mit allen anderen kommerziellen Versprechen: Das Glück wird zwar zugesagt, aber nicht direkt mitgeliefert. In einer Zeit in der jede dritte Ehe geschieden wird, in der es über 40 Prozent Single-Haushalte gibt und in der zunehmend mehr Menschen äußern, mit diesen klassischen Mann/Frau-Beziehungen nichts zu tun zu haben, wird klar, dass das Glück vielleicht auch ganz woanders liegen kann. Und das auch das, was wir langläufig als romantisch, leidenschaftlich und als Liebe wahrnehmen, so viele Formen annehmen kann, dass wir uns eigentlich alle glücklich schätzen könnten.

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