Die Schwimmerin, die über ihre Periode spricht, zeigt, wie sehr wir uns nach Normalität sehnen

Seit ein paar Tagen ist Fu Yuanhui eine Berühmtheit. Nicht, weil sie Bronze über 100 Meter Rücken gewonnen hat, nicht, weil sie erst 20 Jahre alt ist und für China an den Olympischen Spielen teilnimmt. Sondern, weil sie ausspricht, was normal ist. Weil sie normal ist.

© CHRISTOPHE SIMON/AFP/Getty Images

Fu Yuanhui ist ein Vorbild, weil sie normal ist. © CHRISTOPHE SIMON/AFP/Getty Images

Wenn sie ins Ziel kommt, lächelt sie. Wenn sie auf dem Treppchen steht, freut sie sich wie ein kleines Kind, das gerade seine Schultüte bekommen hat. Fu Yuanhui ist authentisch und es ist schlimm, dass wir uns danach sehnen, jemand so authentisch auftreten zu sehen.

Nach dem 4×100 Staffel-Schwimmen der Frauen bei den Olympischen Spielen in Rio, bei dem das chinesische Team mit Rang 4 knapp das Treppchen verpasste, hatte Fu eine simple Erklärung für ihre eigene Leistung: „Ich habe gestern Nacht meine Periode bekommen. Ich fühle mich sehr schwach und müde. Aber das ist keine Entschuldigung, ich bin einfach nicht schnell genug geschwommen“, sagte sie einer chinesischen Reporterin.

Und viele so: wow! Eine Frau aus China sagt im Fernsehen bei der prestigeträchtigsten Sportveranstaltung in der Geschichte der Menschheit, dass sie vielleicht etwas schwächelte, weil sie ihre Tage hatte. Wir schreiben das Jahr 2016 und freuen uns darüber, dass eine Frau quasi sagt, dass sie eine Frau ist.

Hierzu zwei Gedanken: Erstens, es ist traurig, dass es in unserer hochmodernen Welt so viel Aufsehen erregt, wenn eine junge Frau über etwas so Selbstverständliches spricht: die Vorgänge im weiblichen Körper. Zweitens, ich bin froh, dass sie es getan hat. Und zwar einfach so, und ohne darüber nachzudenken, welche Vorbildfunktion das vielleicht haben könnte, welche feministische Aussage das eventuell sein könnte. Einfach so, weil es so ist. Weil es natürlich ist.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die britische Tennisspielerin Heather Watson Aufsehen mit einem ähnlichen Kommentar erregt. Nach ihrer Niederlage in der ersten Runde bei den Australian Open sagte sie zu einem BBC-Reporter: „Es war eben einer dieser Tage bei mir, diese Frauen-Sache.“ Ein Raunen ging durch die Sportwelt und viele Sportlerinnen waren froh, dass endlich mal eine mit dem Tabu „Menstruation+Sport“ gebrochen hatte.

[Außerdem auf ze.tt: Olympia-Athlet*innen verdienen Respekt, nicht Sexismus]

Dieses Raunen sollte es nicht mehr geben, denn es ist okay, einmal im Monat mehrere Tage zu bluten. Es ist nicht sehr schön, gehört aber nunmal zur Hälfte der Menschheit ab der Pubertät bis zur Menopause dazu. Es ist normal! Und es ist normal, dass menstruieren mal mit Krämpfen, mal mit Bauch-, Rücken-, Kopfschmerzen einhergeht. Deshalb sollten wir, alle Frauen, nicht nur Top-Athletinnen, genauso darüber reden, wie über Migräne. Nur, weil es sich weiter südlich im Körper abspielt, ist es nicht eklig.

Eklig ist, davon auszugehen, dass es ist eklig ist. Frauen können nichts dafür, dass sie bluten, es gehört zu ihrem Körper dazu. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Kinder bekommen zu können. Aber auch keines von Stärke. Es ist eben einfach so. Und weil es eben einfach so ist, hat es Fu eben einfach so gesagt. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen.