Die Welt ist böse und ungerecht – zum Glück bringt Nintendo eine neue Konsole raus

Nintendo setzt seit Jahren auf altbekannte Helden und Marken. Aber genau diese Nummer-sicher-Strategie macht den japanischen Spielehersteller so großartig – und die neue Konsole Switch zum Must-have für Nostalgiker*innen.

Die Gesellschaft driftet nach rechts, Populismus vergiftet die Politik und dann verliebt sich auf Parship alle elf Minuten ein Single auch noch in jemand anderes – die Welt ist düster und ungerecht.

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Dem Kapitalismus sei (ausnahmsweise) Dank. Es gibt in der Unterhaltungsbranche ein paar Bastionen der Beständigkeit, die kurze Lichtstrahlen in unser Leben schicken. Eine davon ist Nintendo. Zumindest kurzfristig gelingt es dem japanischen Spieleunternehmen immer wieder, uns mit neuen Konsolen und Games all den Mist in der Welt vergessen zu lassen. Die Strategie dabei scheint eine übervorsichtige zu sein: Lieber nichts Neues erschaffen – besser auf Etabliertes setzen. So auch wieder bei der Switch, die Nintendo am 3. März weltweit in den Handel bringt.

Während Sony und Microsoft ihre Plattformen technisch pimpen und möglichst vielen Entwickler*innen öffnen, wirkt Nintendo zuweilen verschlafen. Zum Beispiel entschied Chefdesigner Shigeru Miyamoto Ende der Neunziger, sich nicht mit diesem Onlinegaming auseinanderzusetzen, denn: „Es ist ein Trend. Ich versuche alle Trends zu umgehen.“

Auch zum Start von Switch setzt Nintendo wieder arg eigenbrötlerisch auf Selbstproduziertes und Bekanntes – allen voran „Zelda: Breath of the Wild“ und „Mario Kart 8 Deluxe“. Das Kalkül: Nintendo will mit der drölfsten Neuauflage von Mario, Zelda und Co. keine besonders überraschenden oder technisch überragenden Games verkaufen – Nintendos eigentliches Produkt sind gute Erinnerungen an eine sorgenlose Kindheit.

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Und was soll ich sagen: Die Strategie geht auf. Selbst oder gerade bei jemandem wie mir, der mit Nintendo aufgewachsen ist und beim Älterwerden den Spaß am Spiel verloren hat, zündet Nintendos neue Switch – aber so richtig. Gestern stellte „Big N“ auf einer Pressekonferenz die Switch, den sogenannten „Joy-Con“-Controller und die ersten Spiele vor und ich will das alles jetzt sofort haben!

Wenn das Teil für circa 300 US-Dollar in den Handel kommt, möchte ich einer der ersten sein, der zum „Joy-Con“-Controller greift und „Zelda“ spielt, zu dem gestern ein abgefahren guter Trailer erschienen ist.

Ich möchte das Spiel nicht zocken, um möglichst innovativ und überraschend unterhalten zu werden. Im Gegenteil: Ich möchte, dass alles so ist wie damals. Ich möchte die Erinnerungen heraufbeschwören an Tage und Nächte, in denen ich mit meiner Schwester gebannt vorm Fernseher hing; wir stapfen durch die Spielwelt von Hyrule, ergattern endlich das legendäre Masterschwert, reiten auf Epona nach Kakariko, ärgern Hühner, schließlich stellen wir uns dem fiesen Ganondorf – gute Zeiten! Ich will mir Nintendo Switch zulegen, um wieder Teenie zu sein.

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Da ist es auch egal, dass die Switch technisch mal wieder hinter allen anderen Plattformen her hinkt: Während die Playstation 4 und Xbox One in Varianten mit 500 Gigabyte und einem Terrabyte Speicherplatz erhältlich sind, kommt Nintendo Switch mit gerade mal 32 Gigabyte Speicherplatz daher (darauf findet nicht mal die zweite Staffel von „Planet Earth“ in HD Platz).

Und wo die aktuelle Konsolengeneration mit 4K-Optik aufwartet, liefert Nintendo HD-Qualität. Blu-Ray oder DVD-Support? Fehlanzeige. Solange ich aber mit Mario durch bunte Welten hüpfen kann, wie dann bald in „Super Mario Odyssey“, ist mir die Technik wiederum reichlich wumpe.

Einen innovativen Clou hat sich Nintendo dann doch für Switch einfallen lassen: Sie kann sich wie ein Transformer von der Heimkonsole zum mobilen Handheld wandeln. Dafür steckt man zwei Joy-Cons an einen 6,2-Zoll-Minibildschirm und schaltet den Fernseher aus. Der Akku hält für circa drei Stunden mobiles Spielen. Damit wird Nintendos neue Konsole vollends retro: indem sie uns auch noch an gute alten Game-Boy-Zeiten erinnert.

Hach, Nintendo.