Die WHO will weniger Filme mit Zigaretten sehen

Um die Zahl der Tabaktoten zu verringern, kämpft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen die Darstellung von Zigaretten in den Medien. Jetzt sollen die Länder-Regierungen stärker Filme einschränken, in denen geraucht wird.

© picture alliance

Daniel Day-Lewis rauchte in "There Will Be Blood" – und erhielt einen Oscar. © picture alliance

Rauchen ist gesund, hieß es in den 50ern. Für mehr Entspannung und Frische sowie gegen Husten und Fettleibigkeit rieten die Ärzte zur regelmäßigen Kippe.

Heute wissen wir zwar, dass diese Reklame gefährlicher Mumpitz war. Dennoch bleibt Tabak ein Serienkiller. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kostet der Kippenkonsum pro Jahr annähernd sechs Millionen Menschen das Leben, in Deutschland sind es laut Bundesministerium für Gesundheit jährlich 110.000 Menschen. Zu Recht bezeichnet die WHO Tabak als eine der „größten Gesundheitskatastrophen der Menschheitsgeschichte“.

Im Kampf gegen die Zigarettentoten hat die WHO bereits erhebliche Restriktionen angeschoben. 2003 einigten sich ihre Mitgliedsstaaten auf ein weitgehendes Verbot für Tabakwerbung, in Deutschland gilt es seit 2007. Für Kippen darf seit dem nur noch im Kino und auf Plakaten geworben werden. Die Konzerne haben sich darüber hinaus einer Selbstverpflichtung unterworfen: Unter anderem weisen sie sichtbar darauf hin, dass ihre Produkte schädlich sind, verzichten auf Prominente in ihrer Werbung sowie auf Reklame, die auf Kinder und Jugendliche positiv wirken könnte.

WHO will rigorosere Filmprüfung

Die WHO vermutet in ihrer neuen Studie „Smoke-free movies: From Evidence to Action“, dass es die Tabak-Industrie auf die Filmbranche abgesehen habe. „Rauchen im Film kann eine starke Form von Werbung für Tabak-Produkte sein“, sagt Dr. Douglas Bettcher von der WHO. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Rauchen im Film insbesondere für Kinder und Jugendliche gefährlich sei: 37 Prozent aller Jugendlichen in den USA wären durch Filme zum Rauchen gekommen. Studien aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien hätten ähnliche Ergebnisse gezeigt.

Bisher wird in Filmen sehr fleißig geraucht. In 44 Prozent der Hollywood-Filme aus dem Jahr 2014 würden die Figuren zur Kippe greifen, stellt die WHO fest, sowie in 36 Prozent für junge Leute freigegebenen Filmen. In europäischen Filmen sei die Zigarette ein noch häufigeres Requisit.

Daher fordert die Organisation jetzt:

  • Filme mit Fluppe dürften nicht mehr für Kinder und Jugendliche freigegeben werden;
  • es müsse Warnspots vor den Filmen geben;
  • es dürfen keine Zigaretten-Marken in Filmen mehr auftauchen;
  • zudem müsse in den Credits ein Disclaimer auftauchen, in dem die Filmemacher transparent machen, ob für den Zigarettenkonsum im Film Gegenleistungen von den Tabak-Konzernen geflossen sind.

Die WHO geht davon aus, dass durch diese Maßnahmen eine Million Kinder und Jugendliche jährlich weniger an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben würden.

Wie findet ihr die Forderungen der WHO?