Die Zahl der Toten durch Terror in Europa steigt nicht – sie sinkt

Gefühlt sterben in Europa so viele Menschen durch Terroranschläge wie nie zuvor. Daten zeigen jedoch: Das stimmt gar nicht. Die Art der Attentate hat sich aber geändert.

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Blumen zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von Nizza. © VALERY HACHE/AFP/Getty Images

Im März sprengen sich zwei Terroristen am Brüsseler Flughafen in Luft und reißen dabei 36 Menschen mit in den Tod. Einige Monate später fährt ein Tunesier in Nizza 80 Menschen in den Tod. Dann töten zwei Männer, die Daesh anhimmeln, einen Priester in Rouen (Frankreich). All diese Anschläge hatten einen ideologischen Hintergrund und sollen systematisch Angst und Schrecken verbreiten – sie gelten deshalb als Terroranschläge. Bei der Tat eines 18-Jährigen, der in München neun Menschen tötete, handelte es sich dagegen um einen Amoklauf, mit dem der Schütze keine langfristige Ziele verfolgte. Den Unterschied zwischen Amoklauf und Terror hat ze.tt hier näher erklärt.

Die Häufung vom Monatlichen ins Wöchentliche vermittelt das Gefühl, dass in Europa noch nie so viele Menschen durch Terroranschläge ums Leben kamen wie jetzt. Zahlen der Global Terrorism Database, die der Guardian aufbereitet hat, zeigen jedoch, dass dies gar nicht so ist – zumindest langfristig gesehen.

In den 80er- und 90er-Jahren starben mehr Menschen durch Terrorangriffe. Dies hatte allerdings vor allem mit lokalen Konflikten zu tun, wie denen der IRA in Irland oder der ETA in Baskenland.

© Screenshot Guardian

Was hat sich im Vergleich zu damals geändert? Die Zahl der Anschläge hat sich tatsächlich gehäuft, doch sterben weniger Menschen dabei. Und die Attacken sind unberechenbarer geworden und über ganz Europa verteilt. Die IRA wollte lediglich Großbritannien treffen, Daesh und seine Sympathisanten den ganzen Westen.

[Außerdem bei ze.tt: Was ist der Unterschied zwischen Terror und Amok?]

Umstritten ist jedoch, was überhaupt als Terrorismus gilt. Für den Begriff gibt es dem Guardian zufolge mehr als 200 Definitionen. Die Zahlen der Global Terrorism Database speisen sich aus öffentlichen Quellen, welche Wissenschaftler der Universität von Maryland zusammentragen. Diese Quellen umfassen aber beispielsweise für 80er- und 90er-Jahre keine Toten, die durch das britische Militär getötet wurden – eine Entscheidung, die manche kritisieren.