Diese elf Grafiken zeigen uns, wie kurz das Leben wirklich ist

© Tim Urban/Wait But Why

Tim Urban wird in seinem Leben nur noch 60 Mal im Ozean schwimmen.© Tim Urban/Wait But Why

Unser Leben ist oft so vollgestopft mit Arbeit und Verpflichtungen, dass wir ganz vergessen, wie kurz es doch eigentlich ist. Wir wissen zwar, dass die wirklich wichtigen Dinge im Alltag oft viel zu kurz kommen, unternehmen aber nur selten etwas dagegen. Wir sollten uns daher bewusst Zeit für Menschen und Dinge nehmen, die uns am Herzen liegen.

Die Grafiken von Tim Urban von „Wait But Why“ können hier wie ein Weckruf sein. Denn sie rütteln auf und zeigen auf eindrucksvolle und teils sehr persönliche Weise, wie schnell ein Leben vorbei sein kann und wie viel Zeit unseres Leben wir bereits „verschwendet“ haben.

Denn Tim Urban hat die Lebensspanne eines Menschen in mehreren einfachen aber wirkungsvollen Bildern dargestellt.

Er geht dabei davon aus, dass wir im Durchschnitt 90 Jahre alt werden. Urban selbst ist 34 und kerngesund — aber auch, wenn er damit den Großteil seines Lebens noch vor sich hat, ist es erschreckend, wie selten er einigen seiner Lieblingsbeschäftigungen noch wird nachgehen können. Oder bei wie wenig wichtigen Ereignissen er noch dabei sein wird.

Aber seht selbst. Wir fangen langsam an.

So sieht das Leben eines Menschen aus, wenn man jedes einzelne der durchschnittlich 90 Lebensjahre als Raute darstellt. Das ist ja gar nicht so viel!

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Und so sieht es aus, wenn man jeden einzelnen Monat des Lebens als Kreis darstellt. In jede Reihe passen 36 Kreise, also drei Jahre. Auch wenn das deutlich mehr Kreise als Rauten sind, bleibt das menschliche Leben doch noch überschaubar.

© Tim Urban/Wait But Why
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Und leider trifft das selbst dann noch zu, wenn die Lebenserwartung nicht in Jahren oder Monaten dargestellt wird, sondern die Wochen gezählt werden.

© Tim Urban/Wait But Why
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Doch bei den Wochen ist noch nicht Schluss: Tim Urban stellte sogar jeden einzelnen Tag in einem 90 Jahre dauernden Leben grafisch dar.

© Tim Urban/Wait But Why
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Laut Urban ist das Erschreckenste daran, dass es selbst bei einem 90-jährigen Menschen kein Problem ist, jeden einzelnen Tag seines Lebens als Symbol auf eine einzige Seite Papier zu bringen.

Während die vorangehenden Grafiken noch recht allgemein gehalten waren und auf jeden Menschen zutreffen, geht Urban nun noch einen Schritt weiter: Er hat sich überlegt, was ihm selbst in seinem Leben wichtig ist, was er gerne macht und was er schon erlebt hat, und auch das grafisch aubereitet — rückblickend und vorausschauend.

Tim Urban ist 34 Jahre alt. Falls er 90 werden sollte, bleiben ihm nicht einmal mehr 60 Winter …

© Tim Urban/Wait But Why
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… und weniger als 60 Super Bowls, die er sich ansehen kann. Das klappt übrigens auch mit der Anzahl der DFB-Pokalfinalspiele, die er und ihr noch erleben könnt.

© Tim Urban/Wait But Why

Tim Urban wird außerdem nur noch knapp 60 Mal im Ozean schwimmen. Denn da das Wasser dort, wo er schwimmt, eisig kalt ist, macht er das nur einmal im Jahr.

© Tim Urban/Wait But Why
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Da er pro Jahr im Schnitt fünf Bücher liest, wird er in seinem Leben nur noch rund 300 weitere Bücher lesen können. Das ist ganz schön wenig, wenn man bedenkt, welche Auswahl die Weltliteratur bietet.

© Tim Urban/Wait But Why
© Tim Urban/Wait But Why

Außerdem dürfte Urban nur noch neun US-Präsidenten erleben.

© Tim Urban/Wait But Why
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Dieser Schätzung liegt die Anahme zugrunde, dass Tim Urban zwar noch 15 US-Wahlen erleben wird, es dabei aber nicht jedes Mal zu einem Wechsel im Amt kommen wird. Theoretisch könnte es zwar alle vier Jahre einen neuen US-Präsidenten geben, in den letzten 34 Jahren wurden aber einige Amtsinhaber für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, so dass man hier nur auf fünf verschiedene US-Präsidenten kommt. Geht man davon aus, dass es sich in Zukunft ähnlich verhalten wird, kommt man bei den 15 noch anstehenden Präsidentschaftswahlen auf neun neue US-Präsidenten.

Wenigstens beim Essen sieht es gut aus: Mehr als 700 Pizzen und jede Menge Wan Tans warten in den verbleibenden Lebensjahren noch auf Tim Urban.

© Tim Urban/Wait But Why

Bei einer Pizza pro Monat ergeben sich für den Rest seines Lebens noch 700 weitere Tage, an denen Urban sich eine Pizza schmecken lassen kann. Noch besser sieht es bei chinesischem Essen aus: Urban isst etwa zweimal pro Monat beim Chinesen und bestellt dabei jedes Mal mindestens sechs Wan Tans…

Aber all das ist recht banal verglichen mit dem letzten Gedanken, den sich Urban gemacht hat. Denn die bisher vorgestellten Dinge passieren regelmäßig über das gesamte Leben hinweg. Wenn er also ein Drittel seines Lebens schon hinter sich hat, trifft das auch auf ein Drittel der Winter, Präsidentschaftswahlen oder Super Bowls zu, die er erleben wird.

Aber wie ist das mit der Zeit, die man mit den Menschen verbringt, die man liebt?

Die traurige Wahrheit: Im Leben von Tim Urban wird es nur noch rund 300 Tage geben, an denen er seine Eltern sieht.

© Tim Urban/Wait But Why
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Ja, die meisten Symbole in dieser Liste sind durchgestrichen: Das sind die Tage, die Urban in seinem gesamten Leben bereits mit seinen Eltern verbracht hat. Für die restlichen rund 60 Jahre seines Lebens bleibt der traurige Rest in den letzten fünf Zeilen der Grafik.

Urbans Rechnung: Seine Eltern sind jetzt in ihren Sechzigern. Wenn er Glück hat, werden sowohl seine Mutter als auch sein Vater 90 Jahre alt. Bis er 18 wurde, hat Urban seine Eltern an 90 Prozent aller Tage gesehen. Danach zog er aus und sah sie noch rund fünf Mal pro Jahr für zwei Tage — macht 10 Tage pro Jahr. Falls das auch in Zukunft so bleibt, hat er noch rund 300 Tage mit seinen Eltern.

Ähnlich dürfte es bei jedem von uns auch sein, wenn wir an die Zeit mit unseren Eltern, Geschwistern oder alten Schulfreunden denken: Der größte Teil der gemeinsamen Zeit liegt bereits hinter uns.

Daher ist es umso wichtiger, auch im hektischen Alltag Prioritäten zu setzen und sich bewusst Zeit für die geliebten Menschen zu nehmen. Denn wenn euch nur noch 10 Prozent der Zeit mit einem Menschen bleibt, wird auf einmal klar, wie kostbar diese „Restzeit“ ist.

Macht also das Beste aus ihr.

Von Carolin Ludwig auf Business Insider Deutschland.


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