Diese 15 Sprüche möchte ich als Mann nie wieder hören

Scheiße, nein. Nicht alle Männer finden Fußball total geil.

Vergesst doch endlich eure stereotypen Klischees über Männer! © Christophe Papke/Photocase

Wenn sich Frauen nicht in ein althergebrachtes Geschlechterbild pressen lassen, werden ihnen oft genug dumme Sprüche gedrückt.

Konsequent im Job? – „Sei nicht so bossy!“
Ü30 und keine Kinder? – „Oh, deine biologische Uhr tickt!“
Keinen Bock auf Catcalling? – „Das sollte doch nur ein Kompliment sein!“

Mit solchen Sätzen werden Frauen regelmäßig daran erinnert, doch bitte so zu sein, wie Frau nun mal sein soll vor drölfhundert Jahren am wenigsten Probleme zu erwarten hatte: als braves Mädchen, als liebende Mutter oder als freundliche Kollegin, die sich gefälligst geschmeichelt fühlt, wenn man ihr sagt, dass Körperteil x in Outfit y besonders boom chicka wah-wah aussieht.

Was für ein Rotz.

Ähnliches allerdings müssen sich zuweilen auch Männer gefallen lassen, die keinem methusalem’schen Rollenklischee entsprechen. Mag sein, dass in der Vorvorvorväterzeit die Feuersteins größere Überlebenschancen hatten, wenn der kräftige Fred mit dem hungrigen Säbelzahntiger rang, während Wilma Beeren pflückte. In Zeiten von Smartphones, Bestellservice und TK-Früchten sollte es doch aber endlich okay sein, wenn Mann ist, wie er sein will – ob Macker, Milchbubi oder alles andere.

Das ist bedauerlicherweise noch nicht zu allen durchgedrungen, Mann muss sich immer noch Klischeesprüche und -fragen anhören. Derartige Dummdreistigkeit liefern – das muss hier explizit erwähnt sein – nicht nur Geschlechtsgenossen, die an den althergebrachten Männerbildern festhalten. Auch Frauen beschwören gelegentlich mit gewissen Fragen und Kommentaren ein Klischeebild des Mannes herauf, das heute so kaum mehr existiert.

Ein für allemal: Diese gestrigen Sprüche möchte ich als Mann nie wieder hören:

1. „Wie, du magst kein Fußball?“

Korrigiere: Ich hasse Fußball! Und das liegt nicht daran, dass ich im zweitklassigen Bielefeld aufgewachsen bin. Meine Abneigung kommt nicht mal daher, dass sich homosexuelle Spieler nicht outen können, dass der globale Süden durch ballsportartinduzierte Großevents ausgenommen wird, oder dass zu EMs und WMs ein ekliger Party-Patriotismus zelebriert wird. Es ist viel banaler: Ich finde den Sport einfach langweilig – Männer oder Frauen, die einem Ball hinterherlaufen, ist so ziemlich die ödeste Unterhaltung, die ich kenne. Also ja, statt mich Seite an Seite mit meinen Jungs 90 Minuten im Stadion schweißnass zu grölen, gucke ich lieber mit meiner Freundin einen kitschigen Indiefilm. Manchmal Sehr, sehr häufig verdrücke ich dabei sogar ein Tränchen. Get over it.

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2. „Die Hose ist aber ziemlich eng. Bist du schwul?“

Deine Hose sitzt dafür ziemlich baggy. Bist du so einer, der mit 30 noch bei Mutti wohnt, weil ihm mit seinem kongenialen Battle-Rap einfach nicht der Durchbruch gelingen will? Am Wochenende treibst du dich vermutlich auf Abipartys rum, um junge Frauen aufzureißen, weil Frauen in deinem Alter kein Interesse haben … Ach, DAS ist dir jetzt aber zu vorurteilsbehaftet? Checkste selber, ne? Und selbst wenn Battle-Rap dein Ein und Alles sein sollte: Für deinen weiteren Lebensweg wünsche ich dir alles erdenklich Gute und stets eine Handbreit frische Luft in deinen Baggypants.

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3. „In eurer Beziehung hat deine Freundin auf jeden Fall die Hosen an, oder?“

Über diese Frage bin ich nicht mal mehr wütend, ich empfinde Mitleid: Wie armselig muss die Beziehung der Person sein, die so eine Frage stellt? Ich stelle mir dazu ein durchstrukturiertes Paar vor, das eine klare Aufgabenteilung lebt. Er, der Verdiener, der Hosenträger, verwaltet alle Finanzen. Gelegentlich überweist er seiner Partnerin ein Taschengeld, von dem sie den Kühlschrank füllt und vielleicht noch „etwas Schönes“ für sich shoppt. Vielleicht einen Rock oder ein Kleid, jedenfalls keine Hose. Er bestimmt über die Wochenend- und Urlaubsplanung, immerhin hat er ja auch schwer geschuftet und das Geld angeschafft. In dieser Vorstellung fallen häufig Sätze wie „Schatz, misch dich da nicht ein!“ oder „Das überlässt du mal schön mir“. Diese Art der Zweisamkeit ist ein elendes Mordor, beide sollten schnellstmöglich ihre Ringe ins Feuer werfen. Gute Beziehungen sind hosenfreie Zonen.

4. „Ein echter Mann braucht einen Bart.“

Fresse! Männer brauchen genauso sehr einen Bart, wie sich Frauen überall am Körper glattrasieren müssen. Gar nicht.

5. „Du hast aber eine scharfe Freundin!“

Na, das will ich doch hoffen, dass du sie scharf findest. Aber, sag mal, passt sie auch zu meiner neuen geilen Ed-Hardy-Jacke oder soll ich mir lieber eine andere holen? Freundin, meine ich. Die geile Jacke habe ich inzwischen so lieb gewonnen… Will sagen: Was du als Kompliment verstehst, ist oberflächlicher Bullshit. Geh du mal dahin, wo du mit Statussymbolen prahlen und über Dinge wie Verstand und Charakter Witze reißen kannst – und lass mich in Ruhe.

6. „Wenn man deinen besten Freund und dich so sieht, könnte man denken, ihr wärt ein Paar.“

Da bringst du mich auf eine Idee! Ohnehin wäre es praktisch, mit ihm zusammenzuwohnen – er hat die gleiche Kleidergröße. Wir könnten so viel Geld für Skinny Jeans sparen! Ich rufe ihn gleich mal an, danke für den Tipp.

7. „Hoffentlich machst du ’nen Sohn, damit dein Familienname fortgeführt wird.“

Ich will mir zwar noch ein bisschen Zeit bis zur Nachfolger-Zeugung lassen, aber keine Bange: Ich tue alles, um den Stammbaum fortzuführen. Schon jetzt esse ich ausschließlich rotes Fleisch und rammele im Knien und Stehen Kissen, Litfasssäulen und Arbeitskolleginnen an, um im Ernstfall bestmöglich doggy-style performen zu können (ich las auf einer Seite, zu der mir die URL dooferweise entfallen ist, dass man so am besten einen Jungen zeugen könne). Sobald die künftige Mutter dann den Stammeserben in sich trägt, werde ich jeden Abend mindestens eine Stunde über ihrem Bauch lehnen und laut meinen Nachnamen wiederholen, damit sich Sohnemann an den Klang gewöhnt und später keinen anderen Namen annehmen will. Die Familie ist gerettet!

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8. „Kommst du damit klar, dass deine Freundin erfolgreicher ist/mehr Geld verdient als du?“

Früher ist es mir tatsächlich sehr, sehr schwer gefallen, meinen Partnerinnen ihren Erfolg zu gönnen und ich war von Neid und Selbstzweifeln zerfressen. Inzwischen gebe ich hin und wieder auch mal nach und bestelle im Restaurant die Erwachsenenportion Lasagne auf ihre Kosten. Wenn es sie doch glücklich macht…

9. „Du könntest aber auch mal wieder pumpen gehen!“

Und das erste, was ich mit meinen Männermuckis machen würde: dir meine neugewonnene Kraft am eigenen Leib demonstrieren. Einen kräftigen Crossface Chickenwing für den Anfang, dann einen ordentlichen Figure Four Leglock und eine Testicular Claw zum Schluss (für alle Weicheier unter den Leser*innen: bei den Begriffen handelt es sich um Wrestling-Kampftechniken). Passt dir nicht? Dann lass ich einfach das Pumpen und du fährst deine Bodyshaming-Attitüde einen Gang runter – Deal? Von mir aus kannst du dich in die V-Form trainieren und dein Schlafzimmer mit Bildern von Brad Pitt und Jamie Dornan pflastern, aber akzeptier endlich, dass nicht alle Typen in „300“ mitspielen wollen.

[Außerdem auf ze.tt: „Iss mal was!“ – Bodyshaming ist auch bei Dünnen beschissen]

10. „Für einen Kerl hast du mit ziemlich wenig Frauen geschlafen!“

Es ist nicht meine verdammte Aufgabe, möglichst viel meines Erbgutes in der Welt zu verteilen und ich bin auch kein tollerer Typ, wenn ich es getan habe – genauso wenig wie Frauen, die gern und viel Sex haben, Schlampen sind. Eigentlich ganz einfach.

11. „Komm, ein Kurzer geht auf jeden Fall noch! Sei keine Lusche!“

Lass uns das mit den Kurzen lassen und gleich zu den langen Dingern übergehen: Wollen wir nicht direkt die Hosen runterlassen und Schwänze vergleichen? Ordentlich saufen können – mit Trichter, ohne abzusetzen, immer weiter, bis zum Schluss – assoziieren viele Leute offenbar immer noch mit Männlichkeit. Wann hört das endlich auf?

[Außerdem auf ze.tt: Hört auf, andere zum Saufen zu überreden]

12. „Ah, du kannst kochen?!“

Es passierte überraschend: Eines Tages ging ich auf dem Weg zum Stadion an einer … Bü-Büch-Bücherei vorbei und kaufte ein … Bu-Buch und darin fand ich … R-Re-Rezepte. Zuhause griff ich nach diesem Werkzeug, das meine Freundin in der Küche immer verwendet und folgte den Anweisungen. Und was soll ich sagen: Ich habe etwas Essbares zustande gebracht! Obwohl ich ein Mann bin!!! Aber don’t panic, am besten schmeckt mir immer noch Ćevapčići aus der Mikrowelle.

13. „Und wie läuft’s im Job? Geht’s aufwärts?“

Danke der Nachfrage, ich befinde mich gerade in Abschnitt 8c meines fünf Jahre umspannenden Karriereplans. Mein Netzwerk floriert, mit meinen Empfehlungen kann ich ein Buch füllen und … oh, sorry, ich muss jetzt leider mit meinem Chef zum Golf beziehungsweise nicht, weil es auf dieser Welt für einen Mann tatsächlich auch andere und wichtigere Dinge als die Karriere geben kann, aber anders komme ich aus diesem Gespräch mit dir anscheinend nicht raus.

14. „Du hattest mehrere Monate keinen Sex? Als Frau geht das ja, aber du hast bestimmt ordentlich Druck …“

Hach ja, die Sexlosigkeit ist für einen Mann wirklich belastend, auch physisch! Wenn ich mal eine Zeitlang keinen Sex habe, fange ich aus Frust an, meinen Taschentüchern Namen zu geben … Was sind Männer für Leute, die solche Dinge sagen? Schlichtgestrickte Sexmonster, bei denen das Sperma in den Körper sickert und alle Organe vergiftet, wenn sie nicht zum Schuss kommen? Das ist auf so vielen Ebenen widerlicher Nonsens.

15. „Musstest du bei dem Film wirklich heulen? Du bist aber emotional!“

Es ist stets aufs Neue verwunderlich, dass andere Menschen mit solchen Sprüchen einem Mann die Menschlichkeit absprechen. Als wäre Mann ein Roboter, der keine Gefühle hat. Heiße News: Mich rühren sogar Google-Werbespots manchmal zu Tränen. Ich kann eingestehen, wenn mir Dinge wie der Job über den Kopf wachsen, statt auf gut Wetter zu machen und „Stärke“ zu zeigen. Ich bin sogar in der Lage, Menschen, die ich liebe, zu sagen, dass ich sie liebe. Bitte, stell das niemand jemals wieder in Frage. Vielen Dank.

Zum Wohle aller sollten wir aufhören, in stereotypen Geschlechterklischees zu denken und uns stattdessen als offene Menschen mit individuellen Persönlichkeiten und Vorlieben zu begegnen.