Diese Disneyfigur macht Menschen aus Polynesien sauer

In „Moana“ erzählt Disney die Geschichte der gleichnamigen Heldin und eines Halbgottes der polynesischen Mythologie, Māui. Doch über die Darstellung dieser Figur wird heiß diskutiert.

© Screenshot | Trailer

Das ist Māui, eine Nebenfigur in Disneys neuem Animationsfilm. Einigen Polynesier*innen passt nicht, wie er dargestellt wird – es handelt sich nämlich um einen Halbgott ihrer Mythologie. © Screenshot | Trailer

Disney überzeichnet seine Figuren gerne, um ihnen so ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen. So ist etwa der Sultan in Aladdin von kleiner, rundlicher Statur. Gestört hat das in den 24 Jahren, seit es den Trickfilm gibt, niemanden. Warum auch?

Und dann erschien ein Trailer für den neuen Disneyfilm „Moana“. Die gleichnamige Hauptfigur lernt in dem Film, wie sie sicher durch die Weltmeere navigieren kann. Dabei trifft die Tochter des Anführers eines Seefahrer-Bündnisses auf verschiedenste Götter und Geister, die die Mythologie ihrer Heimat entscheidend geprägt haben. Moana ist jung, tough und intelligent.

Die Nebenfigur Māui aber, in der polynesischen Mythologie ein Halbgott, der die hawaiianische Inselgruppe aus dem Wasser zog, sorgt für Aufregung.

Für die neuseeländische Politikerin Jenny Salesa sei der Halbgott Māui nicht nur schlecht getroffen – sie findet, diese Disneyfigur werfe ein negatives Bild auf die rund eine Million Polynesier*innen. Polynesien ist eine Inselregion im Pazifik, den größten Anteil an Landfläche hat Neuseeland.

Während die Figur „halb Schwein, halb Nilpferd“ sei, zeigten doch gerade Schauspieler wie Dwayne „The Rock“ Johnson, wie attraktiv die polynesische Bevölkerung eigentlich sei. Johnson, der Māui im Film seine Stimme leiht, äußerte sich nicht zum Thema. Dafür aber einige weitere polynesische Persönlichkeiten.

Der samoanische Rugby-Spieler Eliota Fuimaono-Sapolu schreibt zum Beispiel auf Facebook, Māui sehe aus, als habe er Inseln aus dem Pazifik gefischt, sie frittiert und dann gegessen.

Wie The Guardian schreibt, sprach sich auch Will Ilolahia von der Pacific Island Media Association gegen die Darstellung aus. Für ihn sei Māui eine Person der Stärke und von göttlicher Natur. Dass er nun wie eine fettleibige Person dargestellt werde, sei nur US-amerikanischen Vorurteilen gegenüber den Polynesier*innen geschuldet.

Tatsächlich geht aus einem Bericht der Weltgesundheits-Organisation im Jahr 2014 hervor, dass die Menschen in der betroffenen pazifischen Inselregion zu den fettleibigsten der Welt gehören.

Die Aufregung über eine Disneyfigur sei fragwürdig, findet hingegen der Neuseeländer Isoa Kavakimotu und machte ein Youtube-Video zur Debatte:

„Er ist gebaut wie ein starker Mann, der starke Dinge tut. Wer sagt, er sei adipös, liegt falsch. Und das kommt von mir als adipöser Person“, sagt er.

Dass es sich um einen Zeichentrickfilm handelt, der weder zum Ziel hat, kulturelle Gruppen zu diskriminieren, noch Halbgötter akkurat darzustellen, stellt auch der Comiczeichner Michael Mulipola in einer Zeichnung dar.

Die Darstellung von Māui sei demnach bewusst so von Disney gewählt worden, damit er als komödiantischer Sidekick innerhalb der Story funktioniere.

Bodyshaming verdrängt starke Botschaft

Die polynesischen Menschen waren die ersten Menschen in der Geschichte, die akkurat und zielsicher durch Ozeane navigieren konnten – lange, bevor überhaupt jemand das erste Mal von Columbus oder den Wikingern hörte. Diese Geschichte werde oft von Hollywood ignoriert, schreiben die neuseeländischen Kolleg*innen von The Spinoff. Und Disney ändere das gerade.

Die eigentliche Enttäuschung an der Debatte sei aber nicht die Ignoranz Hollywoods oder das Bodyshaming rund um den Halbgott Māui und die Polynesier*innen: Die bahnbrechende Wahl von Moana als eine weibliche, durch die See navigierende Hauptfigur werde nun gar nicht honoriert – und das wegen ihres männlichen Gegenparts.