Diese Frau ist eine der besten Sport-Holzfällerinnen der Welt

Svenja Bauer ist die beste Sportholzfällerin Deutschlands. Ende Juli flog sie in die USA zur Weltmeisterschaft, um sich zum ersten Mal mit den internationalen Stars der Szene zu messen.

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Svenja Bauer mit Motorsäge bei den Stihl Timbersports Chiemgau Cup in Ruhpolding im Juli 2016 © Stihl Timbersports

„Es war ein großes Abenteuer, aber auch ein Horrortrip“, sagt Svenja über ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Sportholzfällen. Ihr Gepäck inklusive ihres Equipments, also Motorsäge, Einmannzugsäge und Axt, ist nicht in den USA angekommen. Im Flugzeug hat sie sich erkältet. Trotzdem sagt Svenja, dass die Weltmeisterschaft „eine gute Erfahrung“ war.

Svenja Bauer © Stihl Timbersports
Svenja Bauer © Stihl Timbersports

Die Vierunddreißigjährige kommt aus dem hessischen Niddatal. Wer sie dort besucht, wird vor allem von einem umgeben: Ruhe. Und genau das gefällt Svenja. Sie wohnt dort mit ihrem Mann und ihren Haustieren. In ihrem großen Garten laufen Hühner umher, Kaninchen kuscheln sich im Stall aneinander und ihr Hund lässt sich von Besucher*innen den Kopf kraulen. „In der Stadt könnte ich nicht wohnen. Ich brauche die Natur und die Ruhe um mich herum“, sagt Svenja. Nur wenn sie ihrem Hobby nachgeht, wird die Ruhe durchbrochen. Und dann so richtig. Wer neben ihr steht, wenn sie die getunte Motorsäge anschmeißt, sollte unbedingt einen Ohrschutz tragen.

Zum Sportholzfällen ist Svenja durch Zufall gekommen. Früher waren es ihr Mann und ihr Vater, die Holz machten. Svenjas Aufgabe damals war es, die geschnittenen Blöcke zum Auto zu tragen. „Irgendwann war ich das Schleppen einfach leid und hab zu den Männern gesagt, dass ich auch mal die Motorsäge anschmeißen möchte“, erzählt Svenja. Sie müsse zuerst ihren Motorsägenführerschein machen, meinten die Männer. Gesagt, getan.

Allein unter Männern

Als Svenja im Internet Zubehör für ihre Motorsäge kaufen wollte, stieß sie auf die Seite von Stihl Timbersports, die für ein Probetraining im Sportholzfällen warb. Svenja war sofort Feuer und Flamme und meldete sich für ein Training an – als erste Frau. Das war vor sieben Jahren. „Am Anfang war es schon etwas schwierig die einzige Frau unter den Männern zu sein. Die haben sich schon gewundert, was ich denn da mache“, erinnert sich Svenja. „Inzwischen ist das aber kein Problem mehr. Wir haben uns alle aneinander gewöhnt. Die Männer haben großen Respekt vor meiner Leistung.“ Inzwischen sind es etwas mehr Frauen, die diese Sportart ausüben. Am Trainingscamp in dieser Saison haben fünf Frauen teilgenommen. In den USA sind es mehr: Bei der Weltmeisterschaft dort traten ungefähr 20 Frauen an.

Von montags bis freitags arbeitet Svenja als Sachbearbeiterin in Offenbach. Holz fällt sie in ihrer Freizeit. „Der Sport ist für mich der perfekte Ausgleich zum Büroalltag“, sagt sie. Das Beste daran sei, dass „man sich so richtig auspowern kann und der Sport eine Mischung aus Kraft, Ausdauer und Kopfarbeit ist“. Anfangs trainierte Svenja in ihrem Garten. Inzwischen hat sie eine Scheune am Rande des Ortes gemietet und trainiert dort. Einmal in der Woche übt Svenja Tae Bo aus, eine Sportart, die Elemente aus asiatischen Kampfsportarten mit Aerobic verbindet. Außerdem arbeitet Svenja viel mit dem eigenen Körpergewicht, um ihre Kraft zu trainieren, zum Beispiel beim Zirkeltraining. Abgesehen von den Camps, die mehrmals im Jahr stattfinden, trainiert Svenja alleine.

Die Wettkämpfe im Sportholzfällen haben ihre Wurzeln in Kanada, den USA und Neuseeland. Dort veranstalteten Waldarbeiter lokale Wettkämpfe im Holzfällen. Inzwischen hat sich dieses Kräftemessen zu professionellen Wettkämpfen auf hohem sportlichem Niveau entwickelt. In Deutschland gibt es Wettkämpfe im Sportholzfällen seit 1985. Ausgerüstet sind die Sportholzfäller*innen mit einer ungefähr drei Kilo schweren Axt, einer etwa zwei Meter langen Einmannzugsäge und einer über sieben Kilo schweren Motorsäge.

Svenjas Freundinnen finden ihr Hobby cool und fiebern immer mit, auch wenn es für sie selbst nichts wäre. Aber nicht alle waren von Anfang an so begeistert wie Svenja und ihre Freundinnen. Svenjas Mutter fand das Hobby zu gefährlich und fragte sie: „Willst du nicht lieber mit Häkeln anfangen?“. Doch das kam für Svenja nicht in Frage. Sie meint, beim Sportholzfällen verletze man sich viel seltener als zum Beispiel beim Skifahren oder Fußball spielen. „Das liegt unter anderem an der Schutzausrüstung. Wir tragen Bein- und Fußschoner aus Metallketten und einen Ohrenschutz.“

Die Weltmeisterschaft in den USA war Svenjas erster internationaler Wettkampf. „Es war ganz anders als bei meinen bisherigen Wettkämpfen“, sagt sie. Das lag zum Beispiel daran, dass ihre eigene Ausrüstung nicht im Flieger mitgekommen ist und sie sich Axt, Säge und Motorsäge leihen musste. „Unter den Umständen bin ich zufrieden mit meiner Leistung“, sagt Svenja, die den sechsten Platz mit der Säge und den achten Platz mit der Axt erreichte. „Es war ein schöner und entspannter Wettkampf“, schwärmt Svenja.

Viel Zeit zur Erholung bleibt ihr jetzt nicht. Am 13. August tritt Svenja bei der Deutschen Meisterschaft in Winterberg an. „Für andere Dinge bleibt mir kaum noch Zeit. Es ist schwierig die Balance zwischen allem zu finden. Dieses Jahr ging so schnell vorüber, weil so viel los war. Aber es hat Spaß gemacht“, sagt Svenja.

Svenjas Mann und Vater, durch die sie indirekt zum Sportholzfällen gekommen sind, können ihr in Sachen Holz schon lange nichts mehr vormachen. Die beiden fiebern dennoch fleißig mit, wenn Svenja an einem Wettkampf teilnimmt. Ihre Technik verbessert Svenja, indem sie sich beim Training filmt und die Videos später analysiert. Dabei können ihr die beiden Männer nicht helfen: „Es handelt sich um solche Feinheiten, das sehen die beiden gar nicht“, sagt sie.

Bauer mit Handsäge bei den Stihl Timbersports Chiemgau Cup in Ruhpolding, Juli 2016 © STIHL TIMBERSPORTS®