Diese Frau wurde freiwillig obdachlos — um ihre Schulden zu tilgen

In vielen Großstädten steigen die Mieten in Unbezahlbare. Diese Frau lebte in San Francisco erst in einer Wohnung, dann freiwillig auf der Straße.

Screenshot: Facebook

Weil sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten konnte, zog Kristin Hanes freiwillig auf die Straße. Screenshot: Facebook

„Wenn ihr mich auf diesem Foto seht, werdet ihr wohl kaum glauben, dass ich mich im Jahr 2015 bewusst dafür entschieden habe, als Obdachlose zu leben“, beginnt Kristin Hanes aus San Francisco ihren Blog „The Bold Italic“.

Dann erzählt sie, wie sie sich mit Mitte 30 mit ihrem Gehalt als Reporterin beim Radiosender „KGO Radio“ das Leben in der Tech-Metropole San Francisco nicht mehr leisten konnte. Kein Wunder: Der Durchschnittspreis für eine Einzimmerwohnung war dort zuletzt auf 3.500 Dollar (3.120 Euro) geklettert.

Der Hauptgrund für ihren radikalen Entschluss sei der Umstand gewesen, dass das meiste Geld für die Miete draufging und sie ihren persönlichen Schuldenberg nicht abtragen konnte, erläuterte sie ihre Motivation. An Sparen war nicht einmal zu denken.

Lachs grillen am Lagerfeuer

Sie gab ihre Wohnung auf, legte sich dafür eine Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter zu. Dort hielt sie sich fit und konnte duschen. Mobiliar und Habseligkeiten verstaute sie in einem gemieteten Lagerraum. Dann zog sie zu ihrem Freund — ins Auto. Jeden Abend fuhr das obdachlose Paar zu verschiedenen Campingplätzen, wo sie übernachteten.

Kristin Hanes musste auf einiges verzichten, darunter Strom, ein eigenes Klo, eine Küche oder Kabel-TV. Doch finanziell ging es bergauf: In 40 Tagen konnte die Journalistin 3.700 Dollar (3.300 Euro) an Schulden tilgen. An Miete hatte sie 2.500 Dollar (2.240 Euro) gespart. „Das Ganze war noch dazu richtig aufregend“, erzählt sie: „Wir grillten Lachs in Folie am Lagerfeuer, spielten Gitarre, tranken Bier — und all das meist unter einem faszinierenden Sternenhimmel.“

Es war der Frau gelungen, ihre fixen Lebenshaltungskosten auf 400 Dollar (360 Euro) zu reduzieren. Darin enthalten waren vor allem die Gebühren für die Mitgliedschaft im Fitnesscenter, den Lagerraum und Abgaben fürs Campen.

Dann verlor sie auch noch den Job…

Nach vier Monaten der Obdachlosigkeit zog sie zusammen mit Freunden in ein Hausboot. Hanes war zu der Überzeugung gelangt, dass sie ihre Finanzen zu einem ausreichenden Grad in Ordnung gebracht hatte.

Auch möchte sie sich jetzt lieber als „haus-los“, und nicht „obdachlos“ bezeichnen.

Doch dann kam es gleich wieder knüppeldick: Im Mai diesen Jahres verlor sie ihren Job. Sie zog zu ihrem Freund in sein Segelboot. Gerade hält sie sich mit einigen Freelance-Jobs über Wasser. Doch der Einzug in eine neue Wohnung liegt erneut in weiter Ferne: Sie könne sich nicht einmal ein Zimmer im weit preiswerteren Oakland gegenüber der San-Francisco-Bucht leisten, erzählte sie Business Insider. „Ich werde so lange in dem Boot wohnen, bis ich eine neue Stelle gefunden babe“, so Hanes.

Sie möchte aber auch ihre eigenen Erlebnisse versilbern: In einem Blog namens „World on a String“ erteilt sie Ratschläge, wie durch ein extrem karges Leben die Flucht aus der Schuldenfalle gelingen kann.

Tipps fürs sparsame Leben

Sie sagt sogar, das sie jederzeit wieder ein Leben als Obdachlose wählen würde, anstatt unter finanzieller Existenzangst zu leiden. „Eine Wohnung für eine Weile aufzugeben ist ok, wenn man dabei Schulden tilgen und ein wenig sparen kann“, sagt sie. „Man verzichtet auf ein paar Annehmlichkeiten — aber genug Geld auf dem Konto ist mir wichtiger.“

Dem Großraum San Francisco jedoch möchte sie den Rücken kehren: „Es ist ein wunderschöner und lebendiger Ort“, so Hanes: „Doch es wurde zuletzt immer unerschwinglicher — es ist traurig, dass jene kreativen Menschen, die diese Stadt so toll machten, letztendlich vertrieben werden.“

Hier könnt ihr ihre ganze Geschichte im Original lesen: „Why I Became Intentionally Homeless in San Francisco

Von Julie Bort und Herbert Bauernebel auf Business Insider.


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