Dieser Comic zeigt, wie grausam und lustig Promovieren sein kann

Endlich Wissenschaftlerin! Der Gedanke mag für manche verlockend sein, die Realität hingegen ist oft ernüchternd. Eine Graphic Novel über den (Wahn-)Sinn des Promovierens.

Drei Jahre lang hat Tiphaine Rivière versucht, im Fach Literatur zu promovieren. Heute hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht – und das ohne den Doktortitel.

„Zu promovieren war nicht gerade mein Kindheitstraum“, sagt sie. „Ich habe den Master genossen und hatte keine Ahnung, was ich als nächstes machen wollte.“

In der Graphic Novel verarbeitet die 33-jährige Französin ihr eigene Zeit an der Uni: „Als ich angefangen habe, war ich eine junge frische Frau – als ich aufgehört habe, war ich total unsozial und von allem genervt.“ Ebenso schwankt auch ihre Protagonistin Jeanne Dargan zwischen Leidenschaft und Leiden. Zwischen Sinn und Wahnsinn. © Knaus Verlag

© Knaus Verlag
© Knaus Verlag

Das Buch ist allerdings nur in Teilen autobiografisch: „Ich hatte zu der Zeit keine Beziehung. Aber wie meine Protagonistin hatte ich auch nicht denselben Rhythmus wie meine Freunde, die schon eine richtige Karriere hatten, Geld gemacht haben oder geheiratet und Kinder gekriegt haben.

Sie versucht es trotzdem an der Uni. Drei Jahre lang. „Der schlimmste Moment war, als ich realisiert habe, dass die Zeit verflogen ist und ich immer noch nirgendwo war“, sagt sie. Sie recherchiert viel, arbeitet nebenbei an der Uni und beginnt zu schreiben, aber „wenn du drei Jahre an einem Thema arbeitest und dann zu schreiben beginnst, ist der Druck auf jedem Wort so hoch. Ich habe ständig einen Satz geschrieben und ihn sofort gelöscht.“

Dieses Gefühl können viele Promovierende und auch Studierende sicher nachempfinden. © Knaus Verlag

Nach drei Jahren dämmert es Rivière langsam, dass es mit dem Doktortitel nichts wird. „Ich hatte den Doktor angefangen, um mehr Zeit zu bekommen, um meine Berufung zu finden.“ Die findet sie auch – nur nicht im Studium: „Ich habe Zeichnungen zum 30. Hochzeitstag meiner Eltern gemacht. Die Zeichnungen waren schrecklich, aber es hat Spaß gemacht. Ich habe es so sehr genossen, dass ich 70 Seiten voll gemalt habe. Ich hatte mehr Spaß daran als ich je an meiner Doktorarbeit hatte.“

Also entscheidet sie, ihren Job an der Uni zu kündigen und Comic-Zeichnerin zu werden. Ein mutiger Schritt, denn sie kann nicht gut genug zeichnen. „Ich dachte mir: Wenn ich schon kein Geld von der Uni kriege und kleine Jobs nebenbei machen muss, warum dann nicht denselben Lebensstil leben – nur mit Comics anstatt Wissenschaft?“

Das Zeichnen bringt sie sich selbst bei. „Nach neun Jahren an der Uni konnte ich mir einfach nicht mehr vorstellen, noch einen Kurs zu machen.“ Eineinhalb Jahre lang traf sie sich fast jeden Morgen mit einem Freund im Café, um mit ihm die Menschen in ihrer Umgebung zu malen. Später kopierten sie Seiten aus Comics, die sie mochten, um die Perspektiven zu lernen. 

Mittlerweile arbeitet Rivière tatsächlich als Vollzeitkünstlerin. Und es ist, wie sie es sich vorgestellt hat: wenig Geld bei viel Arbeit. „Aber ich genieße es sehr und fühle mich lebendig, wenn ich arbeite“, sagt sie. Die Zeit an der Uni bereut Rivière nicht. Durch das Studium der Literatur habe sie gelernt, selbst Geschichten zu erzählen.

© Knaus Verlag

© Knaus Verlag

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ ist im Knaus Verlag erschienen. Es kostet 19,99 Euro.