Warum ausgerechnet Städte Bienen vor dem Aussterben retten könnten

Die Population der Bienen ist zunehmend bedroht. Ihr Aussterben wäre fatal für die Menschheit. Eine Initiative für selbständiges Imkern in Großstädten will den Bienen einen Rückzugsort bieten und so ihr Überleben sichern.

Albert Einstein sagte einst: „Wenn die Bienen einmal von der Erde verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Das klingt sehr dramatisch. Doch in der Tat sind Bienen nicht nur Honigerzeuger, sondern auch Bestäuber von einem großen Teil der Obst- und Gemüse-Sorten: Bei 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion spielen sie eine wichtige Rolle. Wenn die Bienenbestände aussterben, hätte dies nach Ansicht von Forscher*innen fatale Folgen für den Menschen.

Bedroht sind die Bienen vor allem von der Monokultur und den Pestiziden der modernen Landwirtschaft. Auch die Varroamilbe, ein Parasit, lässt die Population der Bienen weltweit zurückgehen. Samuel Myers und sein Team, Wissenschaftler*innen von der Harvard-T.H.-Chan-Hochschule für Gesundheitswesen in Boston, haben die Auswirkungen eines möglichen Aussterbens der Bienen untersucht: Die weltweite Früchteernte würde um knapp 23 Prozent zurückgehen, die Gemüseernte hätte einen Rückgang von 16 Prozent und bei Nüssen und Getreidesorten wären es um die 22 Prozent.

Die Stadt kann den Bienen als Schutzort dienen

Wissenschaftler*innen schätzen, dass diese Entwicklung zu rund 1,42 Millionen zusätzlichen Todesfällen durch Vitaminmangel pro Jahr führen könnte. Wenn sich die Bienenpopulation nur halbieren würde, sei immer noch mit 700.000 zusätzlichen Todesfällen zu rechnen.

Die Initiative von Stadtbienen e.V. will den Bienen einen Rückzugsort in Großstädten bieten. Hintergrund ist, dass die Überlebenschancen von Bienen in der Stadt, fern von Pestiziden und Monokulturen höher eingeschätzt werden. Das Projekt startete in Berlin und soll nun auch auf andere Städte übertragen werden. Dazu bietet die Initiative in Zürich und elf deutschen Städten Orientierungsseminare und Imkerkurse an. In den Kursen wird das nötige Know-How vermittelt, um Bienen zu halten und den Honig zu ernten.

Außerdem hat Johannes Weber, der Gründer von Stadtbienen e.V., eine Bienenbox entwickelt, mit der jeder imkern kann. Diese Box kann in den Garten gestellt, sowie auf dem Balkon oder am Fensterbrett angebracht werden. „Die Bienenbox ist darauf optimiert, dass Hobbyimker Bienen ein Zuhause geben können. Mit ihr kann man ökologisch, flexibel und einfach imkern“, sagt Johannes. Die Welt zu retten ist also eigentlich ganz einfach.