Diese Moderatorin kontert Sexismus extrem lässig

„Bei der Figur kein Wunder“ – so kommentierte der Stratosphärenspringer Felix Baumgartner eine Aussage von Corinna Milborn. Ihre Antwort ist so genial wie ungemütlich für ihn.

Corinna Milborn moderiert seit 2012 die Sendung „Pro und Contra – Der AustriaNews Talk“ im österreichischen Privatfernsehen. © Facebook Corinna Milborn

Zu Ostern postete der Unterwäschehersteller Palmers ein Foto auf Facebook. Es zeigt sechs Frauen, die auf einem Teppich liegen, ihre Gesichter sind nicht zu sehen. Dazu der Spruch: „Unsere Osterhöschen“.

Viele Menschen kritisierten Palmers daraufhin, auch die österreichische Fernsehmoderatorin Corinna Milborn. Sie teilte den Post und schrieb dazu:

Da ist man mal ein paar Tage offline und kehrt in eine Welt zurück, in der ein Unterwäschehersteller mit der Ästhetik eines Mädchenhändler-Tatorts wirbt. Na servas.“

Doch es gab jemanden, der die Aufregung nicht verstehen konnte: Felix Baumgartner. Berühmt geworden ist er mit einem Sprung aus 39 Kilometern Höhe. Seitdem fällt er vor allem durch rechte Hetze auf. Aus Los Angeles schaltete er sich auf die denkbar plumpeste Art und Weise in die Diskussion ein. Dass Milborn die Werbung kritisiere, sei bei „der Figur auch kein Wunder.“

Das gefiel nicht allen seiner fast 1,5 Millionen Facebook-Fans.

Schön wenn sich Zuhause wieder einige sogar zu Ostern aufregen! Allen voran Puls-4-Infochefin und -Moderatorin Corinna…

Posted by Felix Baumgartner on Tuesday, April 18, 2017

Doch für Baumgartner war die Geschichte um seinen sexistischen Kommentar damit noch nicht zu Ende. Denn die Moderatorin äußerte sich am Tag darauf auf Facebook – in der denkbar professionellsten Weise, die Baumgartner wie einen Schuljungen aussehen ließ.

Das gelang ihr in vier Schritten:

  1. Freundlich und sachlich erklärte sie Baumgartner, warum sie die Werbung problematisch findet. „Das erinnert mich an meine Recherchen zu Menschenhandel – nämlich an die Fotos, die Frauenhändler von ihren Opfern machen, um dem nächsten Abnehmer die ‚Ware‘ zu zeigen.“
  2. Sie zeigte, wie sexistisch Baumgartners Post ist. Er habe sich nicht einen der Männer herausgegriffen, die auch die Werbung kritisiert hatten. Sondern eine Frau. Anstatt auf den Inhalt ihrer Kritik einzugehen, habe er zusammenhangslos ihren Körper zum Thema gemacht. „Was Sie da getan haben, ist nämlich sehr typisch“, schreibt Milborn. „Ich will nicht, dass Ihr Facebook-Posting dazu führt, dass irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht.“
  3. Besonders gelungen an ihrem Konter ist Schritt 3 – und der dürfte Baumgartner noch in Verlegenheit bringen: Milborn hat ihn in ihre Sendung eingeladen. Dort möchte sie mit ihm über sein Frauenbild und dessen Auswirkungen sprechen.
  4. Ob er auftaucht? Milborn hat ihn geschickt unter Druck gesetzt, sie appellierte an seinen Mut. Eine Absage würde ihn extrem schwach aussehen lassen: „Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür – oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen. Ich freue mich darauf.“

Lieber Felix Baumgartner, ich habe eine Einladung für Sie. Sie haben mich in einem Facebook-Posting erwähnt, weil ich das Werbefoto eines Unterwäscheherstellers kritisiert habe. Ich erkläre Ihnen gerne nochmal warum: Man sieht darauf Frauen, die kaum bekleidet auf einem schmutzigen Boden liegen und mit dem Gesicht gegen die Wand auf einen Haufen Dreck schauen. Das erinnert mich an meine Recherchen zu Menschenhandel – nämlich an die Fotos, die Frauenhändler von ihren Opfern machen, um dem nächsten Abnehmer die "Ware" zu zeigen: Man sieht da Frauen, wenig oder nicht bekleidet, in Abbruchhäusern oder Kellern, oft von hinten fotografiert, damit man das Gesicht nicht erkennt und die Frauen nicht gefunden werden können. Das ist eine Realität. Und ich finde so eine Ästhetik sehr unpassend für eine Werbung für Unterwäsche zu Ostern. Sie sind aber nicht auf diese Kritik eingegangen, sondern haben behauptet, ich hätte das Sujet _wegen meiner eigenen Figur_ kritisiert. Was überhaupt keinen Sinn ergibt. Ich wollte deswegen zunächst auch gar nicht darauf eingehen. Es haben aber so gut wie alle Medien Ihr Facebook-Posting aufgegriffen, und deswegen antworte ich jetzt doch: Was Sie da getan haben, ist nämlich sehr typisch. Sie haben nicht einen der Männer kritisiert, die das Sujet ebenso gesehen haben, sondern haben sich eine Frau herausgepickt. Und Sie sind nicht auf den Inhalt eingegangen, sondern haben zusammenhanglos mein Aussehen, meinen Körper thematisiert. Das passiert Frauen dauernd, und es trifft alle: Zu hübsch um ernst genommen zu werden, zu blond um gescheit zu sein, zu sexy oder zu unweiblich, zu stark geschminkt oder zu hässlich, zu dünn oder zu dick, zu alt oder zu dunkelhäutig (oder mit der falschen Figur um eine Meinung zu äußern – was, mit Verlaub, wirklich zum deppertsten gehört). Ich will nicht, dass Ihr Facebook-Posting – mit dieser Reichweite – dazu führt, dass irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht. Deshalb möchte ich das gerne mit Ihnen besprechen. Ich möchte Sie einladen in meine Sendung "Pro und Contra" auf PULS 4, um mit Ihnen über Ihr Frauenbild und die Auswirkungen zu diskutieren. Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür – oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen. Ich freue mich darauf.ps weil das unklar berichtet wurde: Ich habe nie etwas über die Frauen auf dem Sujet gesagt und schon gar nicht über ihre Körper, sondern das Setting kritisiert. Ich hab auch das Posting nicht gelöscht, sondern die Sichtbarkeit auf "nur Bekannte" gestellt – ich habe hier die Information einer TV-Sendergruppe zu leiten und kann mich nicht den ganzen Tag um die Kommentare kümmern.

Posted by Corinna Milborn on Wednesday, April 19, 2017

Vielleicht nächstes Mal einfach die Klappe halten, Herr Baumgartner?


Update, 21. April: Wir haben Corinna Milborn gefragt, ob sich Herr Baumgartner schon gemeldet hat. Hier ist ihre Antwort:

Update, 27. April: Hier ist die Antwort von Felix Baumgartner:

WIR SUCHEN MODELS, KEINE MOPPEL!Liebe Corinna Milborn,vielen Dank für Ihre mediale Aufmerksamkeit, gespickt mit…

Posted by Felix Baumgartner on Monday, April 24, 2017

Außerdem auf ze.tt