Diese Paare zeigen, dass ihr auf einem Festival die große Liebe finden könnt

Gute Musik und große Gefühle: Wir haben euch nach den schönsten Festival-Lovestorys gefragt – und die haben wir bekommen.

Zwischen Matsch und Musik lernt es sich wunderbar kennen. © Matt Cardy/Getty Images

Sabine (28) und Christoph (31):

Ich komme aus Duisburg und habe in Koblenz studiert. 2009 bin ich zu Rock am Ring gefahren, es war mein erstes Mal und ich hatte sogar Karten gewonnen. Ich bin da allein angekommen und wollte zu meinen Freunden aus Duisburg, mit denen ich verabredet war. Auf dem Weg dorthin habe ich schon gesehen, dass auf dem gleichen Zeltplatz schräg gegenüber ein paar Jungs gezeltet haben. Die hatten Guitar Hero, ’nen Fernseher und ’ne Playstation dabei und ich hab gedacht: Da gehst’e gleich mal hin. Also habe ich nur meine Sachen abgelegt und bin gleich rüber und hab gefragt, ob ich mitspielen kann. Wir haben uns dabei unterhalten und kennengelernt.

Später bin ich mit dem einen, Christoph, zusammen zu den anderen Zeltplätzen gegangen. Er wollte einen Schlafsack abholen und ich Freunde treffen. Ich hatte ja keine Idee, wie groß das Gelände ist. Letztendlich sind wir sechs Stunden rumgelaufen und haben uns die ganze Zeit unterhalten. Danach war ich das ganze Festival nur noch bei ihm. Die Jungs hatten sogar ein freies Zelt, wo ich dann direkt schlafen konnte.

Christoph und Sabine heute. Foto: privat

Am Sonntag haben wir zusammen das letzte Konzert angeguckt, Peter Fox. Es war wahnsinnig kalt und ich hatte meine Jacke verloren. Er hat mir seine geliehen und gesagt, er könne sie ja abholen, wenn er mich mal besuchen kommt. Und dann stand das auch schon fest. Er wohnte damals im Münsterland und ich in Koblenz. Das sind 350 Kilometer Entfernung. Zwei Wochen nach dem Festival hat er mich das erste Mal besucht und kurz danach waren wir schon zusammen. Wir hatten vier Jahre lang eine Fernbeziehung und jetzt wohnen wir schon seit über drei Jahren zusammen in Hamburg. Damals, als ich 20 war, hätte ich das nicht gedacht. Natürlich sind wir seitdem die letzten Jahre immer zusammen auf Festivals gefahren. Inzwischen sind wir verlobt.

Alexandra (29) und Niklas (25):

Ich fand meine große Liebe vergangenes Jahr am Taubertal Festival im schönen Rothenburg ob der Tauber. Ich fuhr gemeinsam mit meiner Schwester und ihrem Freund dorthin und wollte ein paar Tage Spaß und gute Musik. Zu dem Zeitpunkt war ich noch verlobt mit meinem damaligen Freund, mit dem ich acht Jahre zusammen war. Allerdings hatten wir nicht viele Gemeinsamkeiten, unter anderem Musik, und somit fuhr ich alleine aufs TTF.

Foto: privat

Wir schlugen unsere Zelte auf und fingen an, Karten zu spielen und was zu trinken. Neben uns war noch ein kleiner Platz frei, dann kamen zwei Jungs, unser Alter, und setzten sich mit dem Rücken zu uns. Nach kurzer Zeit entschlossen sich die beiden, neben uns ihr Lager aufzuschlagen. Wir kamen schnell ins Gespräch, spielten und tranken miteinander. So vergingen zwei Tage und irgendwann merkte ich: Oops, der Niklas gefällt mir sehr gut – zu gut. Dass es auf Gegenseitigkeit beruhte, merkte ich auch.

Am Sonntag beim Auftritt von Fanta 4 war es endgültig um mich geschehen. Wir hatten nur Händchen gehalten und uns in die Arme genommen, aber das hatte gereicht. Montagmorgen kam der schwerste Abschied, den ich jemals hatte. Auf dem Weg zum Auto hätte ich durchheulen können. Wieder zu Hause schrieben wir viel über WhatsApp. Wir konnten uns nicht treffen, da uns 312 Kilometer trennten. Und doch: Es passte einfach alles und die Gefühle wurden noch stärker. Irgendwann entschloss ich, meinem damaligen Freund alles zu erzählen und die Beziehung zu beenden. Nach unserem ersten richtigen Treffen war uns beiden klar, dass es die richtige Entscheidung war. Seitdem sind wir ein Herz und eine Seele. Im September werde ich zu ihm nach Mannheim ziehen. Aber davor gehen wir noch mal aufs Taubertal Festival, diesmal zusammen.

Elisa (26) und Norman (29):

Unsere Geschichte begann am 22. Mai 2015 beim Sputnik Springbreak. Am Nachmittag des Freitags ging ich mit einer meiner besten Freundinnen Michelle zur Tanzfläche des Radiosenders Sputnik, um schon vor Beginn des Festivals eine kleine Runde im Sand zu tanzen. Wir kamen mit einigen Leuten ins Gespräch – nicht wirklich tiefsinnig, eher oberflächlich. Mit einer Ausnahme: Ich traf diesen einen Mann. Wir quatschten eine Weile und blödelten herum, bis meine Freundin rief: „Voll süß, küsst euch mal!“ In diesem Moment entstand das Erinnerungsfoto mit Partybecher und voller Glitzer.

Elisa und Norman, als sie sich kennenlernten. Foto: privat

Als wir später in Richtung Campingplatz tänzelten, bemerkte meine Freundin irgendwann: „He, Violetta ist weg!“ So hatte sich Norman im Scherz genannt. In dem Moment störte es mich nicht – der Tequila wartete schließlich auf Michelle und mich. Das Wochenende verging und ich sah ihn nicht wieder.

Am Donnerstag nach dem Festival schrieb eine Freundin mir bei WhatsApp: „Hey Girl! Ich hab ihn bei Instagram unter #ssb2015 gefunden!“ Ich habe mir einen Screenshot seines Profils und das Foto von uns beiden schicken lassen, um es dem Fremden bei Instagram zu schicken. Ein paar Stunden später bekam ich eine Antwort, dass er mich wie ein Verrückter auf dem Campingplatz gesucht hätte. Es hätte wohl sogar einen Suchaufruf gegeben und ich solle mal bei Facebook schauen.

Hallo, ich suche die hübsche junge Dame, mit der ich mich am Freitagabend vorm Eingang so nett unterhalten habe. Dein…

Posted by Spotted: Sputnik Springbreak on Dienstag, 26. Mai 2015

Da ich keinen Account hatte, bat ich meine Freundinnen, nachzusehen. Dann kam der Knüller: Norman hatte einen wahnsinnig süßen Aufruf gestartet, den ich inzwischen tausendfach gesichert und ausgedruckt habe, damit ich den niemals verliere. Im Nachhinein hat er mir erzählt, dass er die Seite selbst gegründet hat.

Nach einem kurzen Chat wollte mich Norman schon am folgenden Tag in Halle besuchen, weil er beruflich in der Nähe war. Da ich die Freitagabende eigentlich nur auf der Couch verbracht habe, wies ich darauf hin, dass aber Jogginghosenpflicht herrscht. Ein kurzes „Alles klar, ich bin auf dem Weg zu dir“ und anderthalb Stunden später stand er da – in Jogginghose. Als er später zurück in Richtung Heimat fuhr, blieb mir nichts weiter als die Erkenntnis „Was für ein Mann!“ Es folgten die typischen Fernbeziehungs-Wochenenden: er auf der Autobahn, ich auf der Autobahn, meist im direkten Wechsel.

Nach ein paar Monaten stieß ich durch Zufall auf eine Stelle in Hamburg. Ich bewarb mich, wurde am nächsten Tag schon eingeladen und hatte eine Woche später die Zusage. Da stand ich nun: fünf Monate nach unserem unerwarteten Kennenlernen mit der Option eines Neuanfanges. Ich musste nur noch meinen Eltern beichten, dass ihr Töchterchen und absolutes Papa-Kind aus Halle verschwinden wird. Im Oktober 2015 habe ich alles gekündigt: den unbefristeten Arbeitsvertrag, die eigene Wohnung und alles was damit verbunden war. Nach stressigen zweieinhalb Monaten und einem tränenreichen Abschied von Familie und meinem bisherigen Leben zog ich im Dezember – knapp über sieben Monate, nachdem alles begonnen hatte – mit meinem kleinen Mops die 360 Kilometer zu dem Mann, der mir und inzwischen auch ihr so den Kopf verdreht hatte. Heute wohne ich fast anderthalb Jahre in Hamburg und plane Schritt für Schritt unsere Zukunft. Hätte ich beim Kauf meiner Festivalkarte gewusst, dass diese klitzekleine und zufällige Begegnung mit dem Wildfremden mein komplettes Leben um 180 Grad drehen wird, hätte ich das nie geglaubt.

Tami (27) und Mili (26)

Mein Freund und ich haben uns vergangenes Jahr am Sonntagabend auf dem Hurricane-Festival kennengelernt. Er schlenderte leicht angetrunken übers Gelände und wies die Leute darauf hin, sie hätten „ihr Ohr verloren“. Auch ich war eine von ihnen. Ich drehte mich tatsächlich kurz unüberlegt um und schaute. Als Revenge machte ich ihn darauf aufmerksam, dass er sein T-Shirt falsch herum trug. Wir kamen ins Gespräch.

Stefanie und ihr Freund. Foto: privat

Wir haben uns dann zusammen Mumford and Sons angesehen – und es war das schönste und lustigste Konzert des Wochenendes. So schön, dass ich ihn währenddessen vom Fleck weg scherzhaft geheiratet habe und ihm einen meiner beiden Ringe an den kleinen Finger gesteckt habe. Ich weiß, das klingt alles unfassbar albern – aber es war der schönste Abend.

Leider musste ich am Montagmorgen direkt die erste Bahn nach Hamburg kriegen und so hatten nur wir wenige Stunden zusammen. Zum Glück hatte er meine Nummer gespeichert und mir sofort geschrieben, nachdem er wieder zu Hause und sein Akku aufgeladen war. Jetzt ist er aus Bremen weggezogen und macht seinen Master bei mir in Hamburg. Seit dem Festival sind wir super glücklich zusammen – die Spaß-Ehe hält also bis heute.

Sofia (22) und Max (22):

Es war Liebe auf den vierten Blick. Ich bin Max vorher schon zweimal flüchtig durch einen guten Freund begegnet. Er war mir zuerst eher unsympathisch bis gleichgültig. Beim Highfield-Festival 2016 in Leipzig war ich am ersten Tag ganz gut dabei. Als es dunkel wurde, habe ich mich ständig auf dem Rückweg von den Toiletten verlaufen und bin mit ein paar Mädchen auf dem Weg ins Gespräch gekommen – und plötzlich stand er hinter mir. Wir haben kurz gequatscht, ich habe mich auch echt gefreut bei einem Festival mit 35.000 Besuchern ein bekanntes Gesicht zu treffen, aber genauso schnell wie wir uns getroffen hatten war diese Freude auch schon wieder vorbei und ich wollte zurück zu meinen Leuten. Er hatte sich sichtlich mehr gefreut und war auf dem Weg zum Discozelt wo er mich mit hinnehmen wollte. Darauf hatte ich keine Lust, und habe schnell die Fliege gemacht. „Ach nee du, wir sehen uns bestimmt noch mal wieder“. Seine Reaktion –„Jaja, bestimmt“ – war schon etwas enttäuscht. 

Am nächsten Tag meinte mein Kumpel, dass Max nach meiner Nummer gefragt hatte. Das fand ich dann doch süß. Wir haben ein paarmal hin- und hergeschrieben, nichts Spektakuläres. So zog sich für jeden von uns das Festival hin: Rauchen wie ein Dampfer, geilstes Fastfood, Bier zum Frühstück, hammer Konzerte, Party, Baden, Trinken, Autogramme auf den Brüsten, Kostüme, vollgemalt und vollgeklebt von oben bis unten, noch mehr Alkohol. So durchzecht war ich lange nicht mehr.

Zum vorletzten Konzert habe ich mich schon auf das Ende dieses geilen Festivals eingestellt – aber es sollte noch besser werden. Madsen hatten soeben angefangen das zweite Lied zu spielen – plötzlich sah ich Max in der Menge und ab diesem Zeitpunkt war es um mich geschehen. Es war für mich ein magischer Moment, als wäre tatsächlich ein Funke übergesprungen. Zack! Ich sah ihn von dieser Sekunde an mit anderen Augen, mir fiel erstmal auf, was für ein toller und interessanter Mensch er eigentlich ist und was für einen eindringlichen Blick er hat. Wir haben gequatscht, gelacht, getanzt. Ich stand die ganze Zeit unter Strom. Das Konzert von Wolfmother auf einer anderen Bühne sollte allerdings bald beginnen und ich wollte mit meinen Jungs und Mädels hin. Natürlich konnte ich diese Begegnung nicht einfach so stehen lassen und hab ihn auf ein Bier eingeladen. Ziemlich clevere Taktik, dachte ich mir. Wir haben getrunken, das Konzert angehört, geredet und geredet und ganz plötzlich und absolut aus Versehen meine Freunde in der Menge nicht mehr wiedergefunden.

So zog sich der Abend hin, wir haben uns immer besser verstanden. Er lud mich noch auf ein Bier bei sich vorm Zelt ein. Wir saßen draußen in unseren Campingstühlen, haben uns eine Decke geteilt und mit seiner Schwester und ihrer Freundin einen Absacker getrunken. Keiner von beiden hat sich getraut, den ersten Schritt zu machen und wir saßen einfach nur nebeneinander. Diese Aufregung vor der ersten Berührung hat mich beinahe wahnsinnig gemacht!

Sofia und Max an Weihnachten 2016. Foto: privat

Als die beiden gegangen sind, sind wir im Zelt gelandet, weil wir beide so müde waren – wir haben natürlich keine Sekunde geschlafen. Das war die absolut schönste Nacht meines jungen Lebens. Wir sind uns gleich nähergekommen, weil wir auf einer winzigen Luftmatratze lagen. Wir haben die ganze Nacht geredet über Musik, Filme, Menschen, Reisen und das Leben; uns einfach nur angeschaut, geschmust, gekuschelt, gelacht und: erstes Mal Zeltsex – juhu! Es war locker, entspannt und einfach nur schön. Von da an war mir klar, dass definitiv was aus uns wird. Die nächsten Tage und Wochen haben wir uns oft gesehen, immer besser kennen gelernt, immer mehr Gemeinsamkeiten gefunden, immer mehr ineinander verliebt. Seitdem sind wir glücklich zusammen, haben schon viele Abenteuer gemeinsam erlebt und haben eine unglaublich schöne Zeit.

Sophie* (22)

Ich hatte gerade mein Studium angefangen und war mit alten Freunden aus der Heimat bei Rock am Ring 2014. Ein Freund aus dem Studium zeltete neben uns mit zwei Kumpels. Bei Gogol Bordello wurden meinem Kommilitonen und seinem Kumpel die Geldbeutel geklaut. So endete ich mit einem zweiten großen blonden Kumpel auf der Wiese der Alternastage. Die Sonne fing an unterzugehen. Zuerst spielten Crystal Fighters. Und dann, kurz bevor die Sonne ganz unterging, fingen The Editors mit einem Klavierintro an.

Sophie mit ihrem damaligen Freund, 2009. Foto: privat

Nach dem Auftritt gingen wir zu zweit zurück zum Zeltplatz. Von den anderen war keine Spur zu sehen. Wir setzten uns in die Campingstühle, fingen an zu erzählen und schauten die Sterne an. Wir fanden heraus, dass wir beide einen Zwilling haben. Er hat mal Posaune gespielt, ich spiele sie heute noch. Nachdem wir alle Urlaubsfotos auf Kameras und Handys durchgeschaut hatten, küssten wir uns. Wir legte uns in sein Zelt, mehr passierte nicht.

Anschließend trennten sich unsere Wege, wir schrieben und am Wochenende darauf besuchte er mich spontan in Heidelberg – er wohnte im Süden Baden-Württembergs – mit dem Auto seines Zwillingsbruders. Wir waren den Sommer über zusammen – bis er mir das Herz brach, weil die Gefühle nicht genug wären. Ein Jahr später passierte genau das gleiche wieder. Selbes Festival, selber Grund. Drei Jahre später sind wir ziemlich gute Freunde. Und auch wenn ich im Nachhinein denke, dass ich echt naiv war, so war ich einfach unsterblich verliebt.

Ich liebe ihn immer noch, aber mein Herz gehört heute einem anderen. Und das ist gut so.


*Name geändert