Diese Pressekonferenz zeigt, dass Trump in einem Paralleluniversum lebt

Sachlich und besonnen stellte sich der amtierende US-Präsident Donald Trump den Fragen der Journalist*innen und diskutierte mit ihnen die Fakt-… Als ob. So lief die Pressekonferenz im Weißen Haus wirklich.

Donald Trump

Say what? Donald Trump lieferte auf der Pressekonferenz ein paar alternative Fakten. © Gettyimages

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: ‚Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.‘ Und ich lächelte und war froh – und dann kam Trump.“

– Unbekannt

Es war eine Pressekonferenz, wie man sie von The Donald eigentlich hätte erwarten können – und trotzdem ist die Diskrepanz zwischen dem, was in der Welt geschieht, und seiner eigenen Wahrnehmung, vorsichtig formuliert, verblüffend.

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„Um ehrlich zu sein: Ich habe ein Chaos geerbt. Es ist Chaos“, sagte Donald Trump mit erhobenem Trademark-Zeigefinger am Donnerstag auf einer denkwürdigen, 80-minütigen Pressekonferenz im Weißen Haus in dem Versuch, die Verantwortung für die Probleme und Skandale in seiner bisher einmonatigen, gefühlt 400-jährigen, Amtszeit auf die Regierung unter Präsident Obama abzuwälzen.

Donald Trump bepöbelte Journalist*innen, er diskreditierte die Nachfrage einer schwarzamerikanischen Reporterin, er befahl dem jüdischen Journalisten Jake Turx – auf seine Frage nach zunehmendem Antisemitismus – sich hinzusetzen. Und sagte ihm dann: „Nummer eins: Ich bin die am wenigsten antisemitische Person, die Sie in Ihrem Leben je gesehen haben. Nummer zwei: Rassismus. Die am wenigsten rassistische Person.“

Und Trump erzählte noch mehr Verwirrendes aus seiner eigenen Welt: „Ich schalte den Fernseher ein und schlage die Zeitung auf und sehe Geschichten über Chaos. Chaos! Dabei ist es das genaue Gegenteil: Diese Regierung funktioniert wie eine fein eingestellte Maschine.“

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Dabei gibt es seit Beginn seiner Amtszeit permanent massenhaft Proteste gegen seine übereilten Dekrete, umstrittenen Personalentscheidungen und Regierungsmaßnahmen – vom Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko über Betsy DeVos als Bildungsministerin bis zum kurzsichtigen, unausgegorenen, indiskutablen Einreiseverbot für Muslime. „Wir hatten einen sehr geschmeidigen Start des Travel Ban. Aber wir hatten ein schlechtes Gericht.“ 

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Moment. Hatte nicht sein Pressesprecher Sean Spicer neulich noch vehement betont, es wäre überhaupt kein Ban? Und waren nicht auch Sicherheitsmitarbeiter*innen an den Flughäfen aufgeschmissen, weil es kein vernünftiges Briefing zur Umsetzung des Einreiseverbots gab?

Vom Russland-Skandal um seinen zurückgetretenen Sicherheitsberater Michael Flynn ganz zu schweigen. „Ich habe mit Russland nichts zu tun, ich habe keine Deals mit Russland“, sagte Trump. Seine brilliante Argumentationskette: „Die Leaks sind echt. Die Nachrichten sind Fake, weil so viele von den Nachrichten Fake sind.“

Es sei auch noch nie ein Präsident so erfolgreich gewesen wie er, tönte er. Dabei liegen seine Zustimmungswerte laut einer Gallup-Umfrage aktuell bei rund 40 Prozent – so niedrige Werte hatte selbst George W. Bush nicht.

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Und er verkündete vorausschauend: „Morgen werden sie sagen: ‚Donald Trump wütet und tobt gegen die Presse.‘ Ich wüte und tobe nicht. Ich sage es Ihnen nur. Wissen Sie, Sie sind die unehrlichen Leute. Aber – aber ich wüte und tobe nicht. Ich liebe es. Ich habe eine großartige Zeit, während ich es tue.“

Das alles war dann sogar Shepard Smith, Moderator beim superkonservativen Murdoch-Sender Fox News, zu viel der Realitätsverzerrung: „Es ist verrückt, was wir da jeden Tag zu sehen bekommen! Es ist absolut verrückt! Er wiederholt immer wieder lächerliche Behauptungen, die nicht im Geringsten wahr sind und vermeidet das Thema Russland – als wären wir irgendwelche Idioten, weil wir danach fragen. Wirklich? […] Nein, Sir. Wir sind keine Idioten, weil wir danach fragen. Wir verlangen die Antwort auf diese Frage. Das schulden Sie dem amerikanischen Volk.“

Hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber: Was Fox News sagt.