Diese Website beendet deine Beziehung für zehn US-Dollar

Schluss machen war nie so einfach wie heute – man kann es jetzt outsourcen. Für 10 Dollar sendet die kanadische Website „The Breakup Shop“ eine SMS, für 30 US-Dollar machen sie telefonisch Schluss. ze.tt hat mit einem der Macher gesprochen.

@ photocase

Wie soll man am besten Schluss machen, wenn keine Gefühle mehr da sind? @ photocase

Du hattest ein paar schöne Dates mit deiner Tinderella oder deinem Tinderoony, aber jetzt hast du keine Lust mehr? Es gibt ein paar Möglichkeiten, wie du aus der Nummer wieder rauskommst:

  1. Ihr trefft euch und du sagst, dass es vorbei ist
  2. Du rufst an und sagst, dass es vorbei ist
  3. Du schreibst eine Nachricht und sagst, dass es vorbei ist
  4. „Ghosting“: Du ignorierst Anrufe und Nachrichten des Partners komplett, oder
  5. Du nutzt „The Breakup Shop“, einen Service aus Kanada, der für dich Schluss macht.
@ Screenshot „The Breakup Shop“

Die Website gibt es erst seit einer Woche. Schluss machen ist ziemlich unkompliziert. The Breakup Shop bietet verschiedene Varianten, die Beziehung zu beenden:

  • E-Mail (10 US-Dollar)
  • Textnachricht auf das Smartphone (10 US-Dollar)
  • vorgefertigter Brief (20 US-Dollar)
  • persönlicher Brief (30 US-Dollar)
  • Anruf (39 US-Dollar, wenn es innerhalb der nächsten 24 Stunden passieren soll, sonst 29 US-Dollar)

Für die personalisierten Varianten muss der Trennungswillige Gründe einreichen, warum er Schluss machen möchte. Die nimmt das Team dann in den Brief oder den Anruf auf. Falls die Nachricht auf das Smartphone kommen soll, benötigt The Breakup Shop die Telefonnummer der Person.

 

breakuptext_1024x1024
So macht „The Breakup Shop“ per SMS Schluss für dich. © The Breakup Shop

Die Idee ist einigermaßen bizarr, ein schlechter Witz ist es trotzdem nicht. Ein Redakteur von „Motherboard“ hat den Service getestet und auch ze.tt sprach via Skype mit einem der Betreiber. Der 28-jährige Mackenzie aus Toronto betreibt die Website mit seinem Bruder Evan (27). Seinen Nachnamen will er nicht nennen, um seine Privatsphäre zu schützen. Bislang haben die beiden alle Aufträge selbst übernommen. Mackenzie sagt, dass sie seit Webseiten-Launch 15-mal Schluss gemacht hätten – elf mal schriftlich, vier mal am Telefon.

„Die Anrufe sind ziemlich unangenehm. Die Leute denken, dass wir sie hochnehmen.“

Wie so ein Anruf klingt, könnt ihr euch hier anhören. Der Motherboard-Redakteur hat The Breakup Shop beauftragt, für ihn Schluss zu machen  – allerdings nur zu Testzwecken. Wer sich den Anruf anhört, wird feststellen, dass der Mackenzie die Freundin des Autors danach noch in den angeschlossenen Shop lotsen möchte.

Dort findet man dann Cookies für 6 US-Dollar oder Ballerspiele für Männer, damit sie sich abreagieren können. „Wir haben diese Angebote extra auf Leute zugeschnitten, mit denen Schluss gemacht wurde“, sagt Mackenzie.

The Breakup Shop erinnert stark an den Film „Up in The Air“. Darin beauftragen Firmen, die Mitarbeiter entlassen wollen, einen externen Dienstleister: George Clooney. Er kommt in den Betrieb, kündigt den Leuten und überreicht ihnen danach eine Mappe mit Infos, die sie wieder auf die Beine bringen sollen.

Mackenzie sagt, dass er den Film nicht kennt, ihm die Idee für „The Breakup Shop“ aber kam, nachdem eine Frau auf unschöne Weise mit ihm Schluss gemacht hatte. Sie reagierte nicht mehr auf seine Anrufe und Nachrichten. „Ich fand das nicht besonders fair“, sagt er. Er sprach mit seinem Bruder darüber. Sie stellten fest, dass nicht nur im Wirtschafts-, sondern auch im Liebesleben outgesorced wird. Man lässt sich von Tinder helfen, Partner zu finden – warum sollte man sich nicht von einer Website helfen lassen, Schluss zu machen?

„Ich empfehle das nicht unbedingt für Ehen oder längere Beziehungen“, sagt Mackenzie. Aber gerade für Tinder-Dates sei es ein angenehmer Weg. „Und es ist immer noch besser, als zu ghosten“, sagt er.

„Es ist wie bei Airbnb. Am Anfang fanden es die Leute auch komisch in einer fremden Wohnung zu schlafen. So Schluss zu machen, wird normaler werden.“

Auch wenn ihn Freunde kritisiert hätten, er findet nichts Verwerfliches daran, Schlussmachen auszulagern. „In Zeiten von Tinder steigt auch die Zahl der Partner und vielen fällt es schwer, eine Beziehung zu beenden“, sagt er. Dass Leute den Service tatsächlich nutzen, bestärkt ihn. Seit amerikanische Medien über The Breakup Shop berichten, steigt die Zahl der Anfragen: „Wir haben 20 Bestellungen in den letzten 24 Stunden bekommen.“

Mackenzie plant schon, externe Leute einzustellen. Er will das outgesorcte Schlussmachen selbst outsorcen. Diese Menschen nennt er „Heartbreaker“. Sie erhalten einen Prozentsatz der Schlussmach-Gebühr, erklärt er. Den Service gibt es bislang nur in den USA und Kanada. Sollte sich das Geschäftsmodell durchsetzen, wollen er und sein Bruder den Service auch in anderen Ländern anbieten. Mackenzie selbst hat seit Kurzem wieder eine Beziehung. Die würde er nicht über The Breakup Shop beenden, sagt er. Nach einer kurzen Pause schiebt er nach: „Vielleicht doch.“