Warum ein 5-Stunden-Arbeitstag uns produktiver machen würde

Auf 9-to-5 hatte der Unternehmer Stephan Aarstol keine Lust und kürzte von einem Tag auf den anderen die Stunden um 30 Prozent – die Gehälter blieben gleich. Er findet: Alle Unternehmen sollten über einen Fünf-Stunden-Arbeitstag nachdenken.

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Um richtig produktiv zu sein, reichen fünf Stunden täglich. © Pixabay.com

Weg von 9-to-5

Von 9.00 Uhr morgens bis 17.00 Uhr nachmittags widmen sich die meisten von uns voll und ganz ihrer Arbeit: Wir sitzen am PC, stehen als Lehrerin vor einer Klasse oder hinter dem Verkaufstresen. Für Stephan Aarstol, dem Gründer der Stand Up Paddling Marke „Tower“, hat diese Arbeitsweise nichts mehr mit Produktivität gemein, so schreibt er in einem Artikel auf Fast Company. Vielmehr basiert der Acht-Stunden-Arbeitstag darauf, die Zeit im Büro abzusitzen und nur einen Bruchteil der acht Stunden wirklich effektiv zu arbeiten.

Als Chef eines Unternehmens, das den „beachy lifestyle“ vorleben und Spaß am Leben verkörpern soll, war eine Neueinteilung der Arbeitszeiten die logischste Schlussfolgerung. Im Sommer 2015 reduzierte er die Arbeitsstunden seiner Angestellten um 30 Prozent und führte von jetzt auf gleich einen fünfstündigen Arbeitstag ein: von 8.00 bis 13.00 Uhr. Aarstol verdoppelte dadurch den Stundenlohn seiner Angestellten über Nacht, verlangte im Gegenzug aber doppelte Produktivität. Schließlich musste die gleiche Arbeit, die vorher in acht Stunden erledigt wurde, innerhalb von fünf Stunden getan sein.

Nicht nur Aarstol befürchtete ein gewisses Verlustrisiko für sein Unternehmen – denn auch die Shop-Öffnungszeiten sowie der Kundenservice wurden auf fünf Stunden beschränkt – auf den Mitarbeiter*innen lag großer Druck. In den folgenden Monaten galt es, gemeinsam herauszufinden, wie und wo die Produktivität am höchsten ist. Ein fünfprozentiger Bonus ihres Jahresgehalts sollte für die Mitarbeiter ein weiterer Ansporn sein.

Aus der anfänglichen Testphase von drei Monaten wurde Alltag. Heute, ein Jahr später, kann Aarstol mit bestem Gewissen sagen, dass das Unternehmen nicht einen einzigen Penny Einbruch erlitten hat – ganz im Gegenteil. Dieses Jahr wird Aarstols mittlerweile zehnköpfiges Team gar neun Millionen Dollar Umsatz generieren.

How to switch!

In seinem Artikel hat er fünf Tipps zusammengeschrieben, was bei einer solchen Umstrukturierung zu beachten ist.

1. Kürze alle unproduktiven Stunden

Die 80-20 Regel (Pareto-Effekt) besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent der Gesamtleistung erreicht werden. Sobald man weiß, wie diese wichtigen 20 Prozent zustande kommen, empfiehlt er, alle überbleibenden, und damit in seinen Augen unnötigen Stunden, zu kürzen.

2. Miss die Leistung in Output

Weiter rät er, die Leistung der Angestellten nicht in mehr in Stunden zu messen, die sie im Büro verbringen, sondern in Output. Schließlich könne man die Ideen, so Aarstol weiter, die unter der Dusche oder vor dem zu Bett gehen entstehen, auch nicht in Stunden abrechnen.

3. Es ist okay, dich rar zu machen

Was er außerdem über sich selbst und seine vorige Arbeitsweise gelernt hat? Du musst nicht immer verfügbar sein. Denn weder dem Shop, der Zufriedenheit der Kunden noch dem Umsatz haben die veränderten Arbeitszeiten Abbruch getan. Eventuell machst du dich dadurch sogar exklusiver.

4. Minimiere deine Arbeit nachhaltig

Je nach Branche, kann man durchaus auf Technologien zurückgreifen, um die Firmenprozesse auf kreative Art und Weise zu erleichtern: So kann Software die Bestell- und Lieferprozesse automatisieren und Video-Tutorials die Kund*innen zu mehr „Selbsthilfe“ verleiten – und dadurch wiederum den Kundenservice entlasten.

5. Bleib weiterhin locker

Natürlich, schreibt Aarstol weiter, sollte man sich nicht auf die fünf Stunden versteifen. Wer wegen anfallender Aufgaben mal einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag einlegen muss, darf das gerne tun. Hauptsache, es wird nicht wieder zur Gewohnheit.

Der Unternehmer jedenfalls wünscht sich durch seinen erfolgreichen Switch nicht nur Lifestyle-Firmen, sondern auch Großunternehmer dazu zu animieren, ihre bisherigen Strukturen zu überdenken und nach neuen Lösungen zu suchen. Selbstverständlich gibt es Risiken und auch die Möglichkeit, dass es nach hinten losgeht. Aber nur deswegen an alten Mustern festklammern?!

„Moving my staff to a five-hour workday was one of the hardest decisions I’ve ever made, but today my employees are happier, more productive, and better invested in the business.“


Von Lena Lammers auf EDITION F.

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