Dieser Chinese rettete über 300 Menschen vor dem Sprung in den Tod

Der Chinese Chen Si verbringt fast jedes Wochenende auf der Jangtse-Brücke nahe der Stadt Nanjing, um Menschen vom Sprung in den Tod abzuhalten. Über seine heldenhafte Geschichte gibt es nun einen Dokumentarfilm.

Screenshot: AngelofNanjing/Youtube

Chen Si beobachtet die Jangtse-Brücke vom Südturm aus. Screenshot: AngelofNanjing/Youtube

Die Jangtse-Brücke bei Nanjing, die 1968 gebaut wurde und sich über den gleichnamigen Fluss spannt, ist in China als Sehenswürdigkeit bekannt. Mittlerweile jedoch leider nicht mehr nur für ihre massive Konstruktion aus Stahl und Beton, sondern für die hohe Anzahl an Menschen, die sich jedes Jahr von der Brücke stürzen und sich so das Leben nehmen wollen.

Doch es gibt einen Mann, der sie davon abhält: Chen Si.

Chen Si arbeitet unter der Woche als Kurierfahrer, er ist Familienvater und kommt trotzdem fast jedes Wochenende auf die Brücke. Der 48-jährige bezieht dort einen Posten am Südturm und hält mit einem Fernglas Ausschau nach einsamen oder verzweifelt aussehenden Menschen. Außerdem fährt er die Brücke alle zwanzig Minuten auf seinem Moped ab, einmal zum Nordturm und wieder zurück. Laut seinem Blog hat er in den letzten elf Jahren bereits über 300 Menschen das Leben gerettet.

Die Geschichte von Chen Si haben die beiden Filmemacher Jordan Horowitz und Frank Ferendo nun in ihrem Film „Angel of Nanjing“ dokumentiert, der bereits mehrere Preise gewonnen hat und im Oktober auf drei Filmfestivals an der US-amerikanischen Westküste laufen wird. Der Film erzählt, wie Chen Si ungefähr alle zwei Wochen ein Menschenleben rettet.

In China, wie auch in vielen anderen Ländern, nehmen sich die Menschen häufig wegen ökonomischer Schwierigkeiten oder persönlicher Krisen das Leben. Chen Si’s Nachricht an die Verzweifelten ist einfach: Du hast nur ein Leben, vergeude es nicht, morgen wird wieder ein besserer Tag kommen.

Zu Beginn seiner Patrouillen 2003 hatte er sich noch nicht getraut, die Menschen direkt anzusprechen und hatte daher ein Schild mit einem Herz gebastelt. Das zeigte er den Menschen, die drauf und dran waren, zu springen. Damit konnte er allerdings in den entscheidenden Situationen nur schwer die Brücken entlang rennen.

Jetzt hat Chen Si eine Stahlplatte auf der Brücke installiert, auf der er seine Telefonnummer als Notfallkontakt angegeben hat. Er bietet seine telefonische Seelsorge 24 Stunden am Tag an.

Dieser Clip zeigt Ausschnitte aus seinem Alltag auf der Brücke: