Dieser Comic gibt euch den Ohrwurm-Overkill

Carolin Löbbert/"Ice Ice Baby", Avant-Verlag

Wer erinnert sich noch an die Crash Test Dummies und ihren Hit "Mmm Mmm Mmm Mmm", hm? Carolin Löbbert/"Ice Ice Baby", Avant-Verlag

One-Hit-Wonder gibt’s nicht erst seit Lena Meyer-Landrut und Conchita Wurst. Für ihre Graphic Novel „Ice Ice Baby“ haben Zeichnerin Carolin Löbbert und Journalist Marcus Lucas die Archive der Musikgeschichte durchwühlt und eine ganze Menge an Künstlern entdeckt, die nur 15 Minuten Fame abbekommen haben.

Erinnert sich noch wer an den Song „Somebody That I Used To Know“? War eine große Nummer anno 2011. Binnen kurzer Zeit machten zig Cover im Netz die Runde – etwa von der „Glee“-Crew, der Indieband Walk Off The Earth und schließlich sogar von Joko und Klaas.

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Abbildung: Carolin Löbbert

Und danach? Hörte man sowohl von dem belgisch-australischen Songwriter Gotye als auch seiner Duettpartnerin Kimbra wenig bis gar nichts mehr. Solche One-Hit-Wonder gibt es nicht erst, seit das Musikbusiness, die miese Branche, so schnelllebig geworden ist.

Wie viele Künstler aufgestiegen und ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden sind, zeichnen Carolin Löbbert und Marcus Lucas in ihrer Graphic Novel „Ice Ice Baby“ nach. Bis ins Jahr 1955 graben sie sich in den Musikarchiven zurück und schaufeln einige Diamanten zu Tage – aber auch fürchterliche Songmumien, die besser auf ewig begraben geblieben wären.

Was haben die beiden bei ihren Nachforschungen gelernt?

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Zeichnerin Carolin Löbbert und Journalist Marcus Lucas.

Carolin, Marcus, war eure Arbeit an „Ice Ice Baby“ eher eine Qual oder ein großer Spaß?

Carolin: Das war ganz unterschiedlich, auch wenn es sich bei allen Songs um berühmte Hits handelt, gefallen einem manche natürlich besser als andere. Die meisten konnte und kann ich mir schon sehr oft anhören und ich freu mich immer wieder drüber und erinnere mich an Situationen, in denen ich den Song mal gehört habe. Bei einigen wenigen habe ich dann aber schon mal den Ton ausgeschaltet, wenn ich mir auf Youtube das Video ansehen habe.

Marcus: Manche total abgenudelten Hits, die man sonst nur im Autoradio oder im Supermarkt über sich ergehen lässt, überraschen einen dann doch, wenn man mal bewusst und aufmerksam zuhört. Ein Stück wie „In The Summertime“ von Mungo Jerry: Das würde man eigentlich ja nicht freiwillig auflegen – aber es ist dann doch erstaunlich, wie gut und wie ungewöhnlich das produziert ist, und dabei gegen jegliche Hit-Konventionen verstößt. Also: Alles in allem ein großer Spaß.

Ihr müsst es wissen: Wie bekommt man einen lästigen Ohrwurm wieder aus dem Kopf?

Carolin: Natürlich hatte ich während der Arbeit am Buch unzählige Ohrwürmer. Meistens bin ich einen Ohrwurm losgeworden, indem ich ihn durch einen anderen ersetzt habe.

Marcus: Das kann man nicht bekämpfen. Da muss man durch.

Welche Mitglieder würden in eurer ultimativen One-Hit-Wonder-Allstars-Band landen?

Carolin: Eine schöne Vorstellung, aus allen 80 vorgestellten Musikern und Gruppen eine One-Hit-Wonder-Allstars-Band zu casten. In meiner Band wären dann Psy und Vanilla Ice die Background-Tänzer und Julie London die Frontfrau und Sängerin.

Marcus: Die arme Julie London müsste da aber ganz schön um ihren Platz im Rampenlicht kämpfen! Ich selbst würde Lena und Edwyn Collins im Duett auftreten lassen, unterstützt von einer tollen DooWop-Gruppe wie den Impalas oder den Zodiacs.

Wie stellt ihr euch den One-Hit-Wonder-Star im Jahr 2050 vor?

Carolin: Innerhalb der Zeitspanne von 60 Jahren, die das Buch umfasst, haben sich die Interpreten und das Musikbusiness ja schon sehr gewandelt. Früher war es wichtig, dass Radiosender Songs spielten oder man im Fernsehen auftrat, während heute viele Hypes auch durch selbst aufgenommene Videos ausgelöst werden, wie es zum Beispiel beim Song „Harlem Shake“ von Baauer der Fall war. Die digitalen Medien werden wahrscheinlich immer dominanter, könnte ich mir vorstellen.

Alle Songs aus der Graphic Novel

Zusammengetragen von Alica Jung