Dieser DJ legt nachts in den größten Clubs auf – und beobachtet tagsüber Vögel

Dominik Eulberg ist DJ, Produzent, Biologe und Naturliebhaber in einem. Wie passen Techno und Natur zusammen? Und wie klingt ein Ziegenmelker?

Der DJ und Naturliebhaber Dominik Eulberg © plantage13

Die Terminliste von Dominik Eulberg liest sich so ein bisschen wie das Who-is-who der deutschen Clublandschaft: das Übel & Gefährlich in Hamburg, das Watergate oder Ritter Butzke in Berlin, die Rote Sonne in München. Dazu ein Haufen Festivals und Gigs im Ausland. Eulberg ist als DJ gefragt. Es klingt wie ein Leben als einziger Exzess, zwischen Techno-Partys und Drogenrausch. Doch bei Eulberg ist das anders. Denn unter der Woche lebt der DJ und Produzent er zurückgezogen und ruhig.

„Hier ist es oft schon fast zu schön“, lacht der 1978 geborene Eulberg, wenn er auf seine Heimat im Westerwald angesprochen wird. In einem kleinen Dorf hat er ein Haus, das in einem Vogelschutzgebiet liegt. Wenn er nicht unterwegs ist, verbringt er gerne viel Zeit in der Natur. „Ich habe jeden Tag das Gefühl draußen sein zu müssen, um nicht irgendwas zu verpassen“, grinst er. Doch wie passt das zusammen, Techno und Natur?

Die Natur als Urkraft

Er habe eben Liebe für beides, erzählt Eulberg und fügt hinzu: „Das ist eine starke Urkraft, die in mir steckt“. Die Natur sei seine größte Inspirationsquelle. „Wenn ich Musik mache, dann sehe ich das Grün des Brombeerzipfelfalters oder das Glitzern des Eisvogels vor mir“. Im ersten Moment mag das seltsam wirken, doch Eulberg beschäftigt sich eingehend mit der Natur, er ist sogar studierter Biologe.

DJ-sein, darauf will Eulberg nicht reduziert werden. So wie er überhaupt sehr gerne das Schubladendenken sprengt. Eine Zeit hat er unter anderem im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer auf Wangerooge und im Nationalpark Müritz gearbeitet. Nebenher schreibt er Bücher, gibt Führungen durch den Westerwald und plant eine nachhaltige Modemarke.

Ein halbes Jahr hat Eulberg ohne Wasser und Strom im Wald gelebt. Er bewies sich selbst, dass er ohne die Errungenschaften unserer Konsumgesellschaft überleben kann. Ablehnung aufgrund seiner etwas anderen Lebensweise befürchtet er nicht. „Je spezifischer und authentischer man als Mensch ist, desto eher verstehen andere Leute nicht, warum man so tickt. Mir ist es egal was andere Menschen machen, welchen Status sie haben, Hauptsache sie sind ehrlich und wahrhaftig“.

Der Ziegenmelker klingt wie ein Synthesizer

Anfang der 1990er Jahre entdeckt Eulberg, der vorher nie wirklich Interesse an Musik hatte, Techno für sich. Er kauft sich einen Synthesizer, ist fasziniert davon, wie aus Strom Klang erzeugt werden kann. Der Beginn seiner Karriere. „Früher habe ich beim Produzieren auch oft Naturgeräusche verwendet. Der Ziegenmelker etwa klingt wie ein Synthesizer“, erinnert sich Eulberg. Später kommt er davon aber wieder ab, fühlt sich schnell darauf reduziert der DJ zu sein, dessen Musik nur aus Naturgeräuschen besteht. Dazu wird es ihm zu eintönig, nur auf diese Art seine Songs entstehen zu lassen.

Seine Tracks tragen dabei seltsame Namen wie Teddy Tausendtod oder Aeronaut. Dahinter verstecken sich Naturphänomene. Nicht etwa in fernen Ländern, sondern vor unserer Haustür. Für diese „Wunder vor unserer Haustür“ will Eulberg seinen Zuhörer*innen die Augen öffnen und sie sensibilisieren.

„Eines meiner Lieblingswunder ist der Mauersegler. Er ist ein wahrer Aeronaut, daher auch der Titel. Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft. Er schläft in der Luft, er frisst in der Luft und er paart sich sogar in luftiger Höhe. In seinem Leben legt er so vier Millionen Kilometer zurück. Dies entspricht zehnmal der Entfernung von der Erde bis zum Mond. Diese Wunder faszinieren mich“, erzählt Eulberg.

Die Tiefe im Techno

Techno ist für den DJ und Produzenten die „instinktivste und triebhafteste Form von Musik“. Der sich wiederholende, monotone Viervierteltakt findet sich in allen Kulturen wieder. Er erinnere an den Herzschlag im Bauch der Mutter, findet Eulberg. Als DJ ist er nicht bloß Unterhalter. Vielmehr hinterfragt er die Szene. Auf den teuren Partys auf Ibiza legt er etwa bewusst nicht auf. „Das ist reine Abzocke geworden und hat mit dem ursprünglichen Techno-Spirit nicht mehr viel zu tun“, unterstreicht Eulberg.

Das Techno zum Teil auch banale, durchformatierte Musik sein kann, nervt den Künstler ebenfalls: „Techno kann sehr viel Tiefe und Sublimität haben und viele Leute verstehen das dann nicht. Das macht mich manchmal ein bisschen traurig“. Allerdings, betont Eulberg, bereite es ihm auch Freude, andere Menschen glücklich zu machen. Und dazu gehörten auch viele, die jeden Tag ins Büro gingen und bei einer Party einfach abschalten und entspannen wollten.

Was macht Eulberg also aus? Klar, seine Musik ist Geschmackssache. Faszinierend sind die vielen Facetten, die der Künstler in sich trägt. Am Wochenende der gefeierte DJ-Star, der in den angesagtesten Clubs auflegt. Unter der Woche dann der Dominik von nebenan, der sich so weit es geht selbst versorgt und gerne die Natur beobachtet. Seine Botschaft: genau hinschauen, bei der Natur vor unserer Haustür und den Menschen in unserer Umgebung.

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