Dieser Entwurf für Trumps Mauer muss unbedingt umgesetzt werden

Mehr als 700 Unternehmen haben der US-Regierung Vorschläge unterbreitet, wie die geplante Mauer zu Mexiko aussehen könnte. Wir finden: Ein Entwurf sollte schnellstmöglich umgesetzt werden – denn dabei handelt es sich nicht um eine Mauer.

Weite Teile der 3.144 Kilometer langen Grenze zwischen den USA und Mexiko sind längst abgeriegelt. Durch Zäune, Mauern und Grenzpatrouillen. Aber Donald Trump möchte die Grenzziehung mit einer Mauer verstärken und sichtet zurzeit Vorschläge, wie diese aussehen könnte. Bis Mitte April hatten sich mehr als 700 Unternehmen an der öffentlichen Ausschreibung beteiligt. Alle wittern ein Milliardengeschäft und hoffen nun auf den Zuschlag.

[Außerdem auf ze.tt: Das denken Menschen in Mexiko über Trumps Mauerpläne]

Wenn wir ein Wörtchen mitreden könnten, erteilten wir dem Kreativenkollektiv Made den Auftrag zum Mauerbau. Unter dem Namen Otra Nation schlägt Made die Einrichtung einer offenen Co-Nation vor. Otra Nation soll ein Gebiet sein, das Mexikaner*innen und US-Amerikaner*innen gemeinsam nutzen (siehe das Gebiet innerhalb der orangefarbenen Linien auf dem Bild unten). Beide Länder sollen je zur Hälfte in den Ausbau der Infrastruktur sowie in Sozial- und Umweltprojekte investieren. Die Städte im Gebiet sollen durch moderne Hyperloop-Strecken verbunden werden. Otra Nation ist ein binationales Utopia.

Die Umsetzung des Made-Bauvorhabens würde zehn bis 15 Milliarden US-Dollar kosten. Damit wäre es günstiger als die meisten Vorschläge. Das gesparte Geld würde Made in die US-Gesundheitsvorsorge, Bildung und Kunst investieren.

Streckennetz der vom Made Colletive vorgeschlagenen Hyperloop-Verbindungen. © Made Collective

Auf die Idee für die gemeinsam genutzte Zone kam das Kreativenkollektiv nach der Trump-Wahl, als die Mauerpläne konkret wurden. „Wir sind eine Gruppe mexikanischer und amerikanischer Freunde, viele von uns kennen sich schon seit Jahren“, erzählt uns Memo Cruz per Mail, der Sprecher der Gruppe. Das Team glaubt daran, dass sie das Grenzübergang-Problem mit einem pro-aktiven, lösungsorientierten Ansatz aus der Welt schaffen können. Sie mussten einfach einen Gegenentwurf zur Mauer einreichen. „Diese Chance war zu groß, um sie zu ignorieren“, sagt Cruz.

[Außerdem auf ze.tt: US-Künstler macht Grenzmauer zu Mexiko zur illegalen Galerie]

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich Trump dazu entscheidet, die Otra Nation wahr werden zu lassen, ist das Made-Team vorbereitet. „Wir würden anfangen, E-Residency-Karten einzuführen, ähnlich wie Estland“, sagt Cruz. Estland ist das erste Land der Welt, das es jedem ermöglicht, online eine digitale Staatsbürgerschaft zu beantragen, um Unternehmen im Land zu gründen. „Die Vereinten Nationen müsste die Otra Nation als Mitglied anerkennen“, fährt Cruz fort, „und wir würden ein binationales Referendum in Mexiko und den USA anberaumen.“ So könnte mit der Zustimmung aller schließlich die Co-Nation entstehen.

Das Feedback zu diesem Vorschlag war stark durchwachsen. „Sehr ironisch und negativ von der sehr rechten Seite und von Architekturkritiker*innen – alle anderen waren jedoch sehr positiv“, so Cruz. Jedenfalls klingt die Idee besser als jeder neun Meter Hohe Betonkoloss.

Außerdem auf ze.tt