Dieser Fotograf beweist: Recycling kann echt hübsch sein!

Müll ist hässlich, aber Recycling ist schön. Der belgische Fotograf Paul Bulteel hat mit „Cycle & Recycle“ ein beeindruckendes Fotobuch gemacht.

Buntes Chaos: Diesen Industrie-Kunststoffschnitt hat Bulteel in Belgien entdeckt. Der Kunststoff soll in Schutzverpackungen und Schalldämmungen ein zweites Leben finden. © Paul Bulteel/Cycle and Recycle

Buntes Chaos: Diesen Industrie-Kunststoffschnitt hat Bulteel in Belgien entdeckt. Der Kunststoff soll in Schutzverpackungen und Schalldämmungen ein zweites Leben finden. © Paul Bulteel/Cycle and Recycle

Egal ob Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, oder die Niederlande – in halb Europa hat Paul Bulteel Motive für seine Recycling-Fotografie gefunden. Seine Bilder entstanden in mehr als 50 Wiederverwertungsanlagen.

Austelefoniert: Das ist ein Friedhof für alte Smartphones. Zuerst werden die Handy geschreddert, und später eingeschmolzen. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle
Austelefoniert: Das ist ein Friedhof für alte Smartphones. Zuerst werden die Handys geschreddert, später eingeschmolzen. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle

Wer verbringt seine Freizeit auf einem Schrottplatz? Noch dazu als Fotograf, die ja eigentlich eher die besonders schönen Momente des Lebens einfangen wollen? Im Gespräch mit Ze.tt erklärt Bulteel seine Intention: „Ich wollte die Menge – aber auch die Vielfalt – des Mülls zeigen, den wir hinterlassen.“

Kleidersammlung in quadratisch: Hier werden Klamotten und Textilien in einer Anlage sortiert. © Paul Bulteel
Kleidersammlung in quadratisch: Hier werden Klamotten und Textilien in einer Anlage sortiert. © Paul Bulteel

Wir Menschen und unser Verhältnis zur Umwelt  – dieses Thema treibt Bulteel schon seit Jahren um. Aber recycelten Abfall zu fotografieren, diese Idee war auch für ihn neu: „Viele Fotografen haben sich schon mit dem Thema Müll und Umweltverschmutzung auseinandergesetzt, aber eben meist aus einer negativen Perspektive.“

[Außerdem auf ze.tt: Wir sollten uns öfter bewusst machen, wie viel Müll wir produzieren]

Dieser wilde Haufen erinnert an Haarbüschel, ist aber konserviertes Kupfer. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle
Dieser wilde Haufen erinnert an Haarbüschel, tatsächlich besteht er aber aus konservierten Kupferdrähten. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle

Auch für Bulteel ist der Umweltschutz eine sehr ernste Sache. Mit „Cycle & Recycle“ wollte er aber einen positiven Ansatz verfolgen, die Schönheit des Recyclen verdeutlichen: „Meine Bilder sollen auch deutlich machen, welchen Aufwand wir heute schon betreiben, um Rohstoffe wiederzuverwerten.“

Dieses Motiv hat es auf das Cover von Bulteels Buch geschafft: Ein riesiger Wust aussortierter Stromkabel. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle
Dieses Motiv hat es auf das Cover von Bulteels Buch geschafft: Ein riesiger Wust von aussortierten Stromkabeln. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle

Bulteels Heimat Belgien gilt als Musterbeispiel für eine gelungene Recycling-Kultur: Hier werden fast 80 Prozent des Mülls wiederverwertet. Auch Deutschland gehört mit einer Recycling-Quote von 72 Prozent zu den Top-Ländern Europas.

[Außerdem auf ze.tt: Was unsere Autorin aus einer Woche ohne Müll gelernt hat]

Ausgetrunkene Überreste: Diese Getränkekartons müssen noch in ihre Bestandteile zerlegt werden. Pappe, Plastik und Aluminium. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle
Ausgetrunkene Überreste. Diese Getränkekartons müssen noch in ihre Bestandteile zerlegt werden: Pappe, Plastik und Aluminium. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle

Die EU-Länder haben sich verpflichtet, bis 2020 eine Recyclingquote von 70 Prozent zu erreichen. Derzeit verfehlen acht Staaten – darunter Polen, Malta und Ungarn – diese Mindestquote.

Kabelsalat: In dieser Fabrik werden Stromkabel geschreddert. Die Kunststoffisolierung der Kabel soll später in Straßenschildern stecken. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle
Kabelsalat: In dieser Fabrik werden Stromkabel geschreddert. Die Kunststoffisolierung der Kabel soll später in Straßenschildern stecken. © Paul Bulteel/Cycle & Recycle

614 Kilogramm Müll produziert jeder Deutsche im Jahr, was damit passiert wissen die wenigsten. Dabei ist die Recycle-Industrie gerade in Deutschland ein Riesengeschäft: 9,5 Milliarden Euro setzen die Wiederverwerter jährlich um.

Das Recycling-Fotografieren hat Bulteel nun aufgegeben, in den nächsten Jahren will er sich neuen Projekten widmen. Die Hoffnung auf einen sauberen Planeten behält Paul Bulteel aber.

Paul Bulteels Buch „Cycle & Recycle“ ist im Hatje Cantz Verlag erhältlich. Weitere Fotos könnt ihr auf seiner Website sehen.