Dieser Mann weinte im Jobinterview – und bekam die Stelle trotzdem

Boon Cutter verließ sein Heimatland zum ersten Mal in seinem Leben, um in die USA zu fliegen. Sein Jobinterview dort verlief anders, als er es erwartet hätte.

Boon im Naughty-Dog-Studio. © Twitter / Boon Cotter

Das Entwicklerstudio Naughty Dog in Los Angeles genießt einen hervorragenden Ruf in der Gamingwelt. Es macht einerseits technisch brillante Spiele und erzählt andererseits sehr berührende, vielschichtige und diverse Geschichten.

Für viele Videospiel-Fans dürfte es ein Traum sein, für das Studio zu arbeiten, geschweige denn es zu besuchen. Dem Australier und Gamedesigner Boon Cotter ging es da nicht anders. Also bewarb er sich, ohne ernsthaft daran zu glauben, dass er genommen werden würde.

Über Twitter erzählte er gestern in 14 Tweets eine inspirierende Geschichte über die Kraft von Authentizität.

„Also fing ich an zu weinen …“

Er bekam eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Das erste Mal in seinem Leben verließ er sein Heimatland, um nach L.A. zu fliegen und fühlte sich dabei wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal das Disneyland sieht.

Während des Gesprächs war er ziemlich aufgeregt und bekam einige Fragen gestellt, auf die er nur furchtbare Antworten erwidern konnte, wie er erzählt.

Als er gefragt wurde, wieso er zu Naughty Dog wolle, begann er mit einer klassische Lobeshymne auf das Unternehmen – bis er stockte und sagte: „Nein, eigentlich ist es wegen Bill.“ Bill ist ein Charakter aus dem Spiel The Last of Us, in dem die Spieler*innen sich durch eine postapokalyptische Welt kämpfen. Der Grundtenor ist sehr emotional, es geht um die Beziehung zwischen Joel, einem älteren Mann, der seine Tochter verlor und in Ellie eine Art Ersatz findet.

Boon erklärt den Interviewenden, dass er durch Bill zum ersten Mal einen Charakter erlebt hätte, der als schwuler Mann gleichzeitig als schroff, maskulin und tragischer Held dargestellt wird. „Er ist keine Punchline für einen Witz. Er ist nicht stereotypisch gezeichnet. Vielen Spieler*innen fiel nicht mal auf, dass er schwul ist.“ Im Spiel wird Bills Homosexualität nicht explizit erwähnt – es wird einfach als Selbstverständlichkeit behandelt.

Boon erzählte ihnen, dass er sich durch diese Figur zum ersten Mal wirklich repräsentiert fühlte. Bill sei wie er, ein bärtiger Papa-Bär-Typ. Ein Kerl, den er respektiere und verstand. Seit diesem Moment sei er ein Fan von Naughty Dog.

Als er all das erzählte, begann er zu weinen.

Drei Stunden später war Boon von viel zu vielen Margharitas betrunken und hatte eine Festanstellung bei dem – seiner Meinung nach – besten Spieleentwickler der Welt.

Das lehrte ihn eine kleine, aber wichtige Lektion: „Die Moral von der Geschicht: Unterschätze nie die Authentizität.“

Sei offen, sei verletzlich, sei echt. Dann wirst du mit deiner Einzigartigkeit leuchten.“ – Boon

Abschließend postete er noch ein Foto von diesem Tag: er neben dem Uncharted-Hauptcharakter.

Seit diesem Tag ist Boon für die Lichteffekte in den Spielen von Naughty Dog zuständig – und vielleicht auch ein bisschen für die Wärme, die in den Geschichten steckt.

Auf Twitter freuen sich die Menschen für Boon. Jane McGonigal schreibt etwa: „Naughty Dog hat Glück, jemanden wie dich zu haben.“ Recht hat sie.