Tim ist schwul und fordert Gleichberechtigung auf Klassenfahrt

Tim möchte auf einer Klassenfahrt mit seinen Freundinnen in einem Zimmer schlafen. Doch die Schule lehnt das ab. Nun möchte er mit einer Petition Druck machen.

Tim darf nicht mit seinen Freundinnen in ein Zimmer. © Facebook

Im Herbst geht es für die zehnte Klasse des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Greifswald auf Klassenfahrt nach Oxford. Die Schüler*innen sollen immer zu viert bei Gastfamilien untergebracht werden und dort ein Zimmer teilen – nach Geschlechtern getrennt.

Tim will mit seinen besten Freundinnen in ein Zimmer. Zunächst habe er gemeinsam mit ihnen bei der Lehrerin nachgefragt, ob das möglich sei, erzählt Tim. „Sie sagte, dass die vermittelnde Agentur das nicht zulassen würde.“ Nach einer Nachfrage habe die Agentur mitgeteilt, dass sie eine Lösung finden würden.

Kein triftiger Grund

Doch dann sollte Tim zum Schulleiter. Der habe ihm mitgeteilt, dass Jungen und Mädchen nicht gemeinsam in einem Zimmer schlafen dürften. Seine Homosexualität sei kein triftiger Grund. „Ich sollte ihm Gründe nennen, warum er das erlauben sollte“, sagt Tim. „Daraufhin meinte ich, dass ich keine Interesse an Frauen habe und seit der achten Klasse geoutet bin.“

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Der Schulleiter habe ihm mitgeteilt, dass er lediglich im Falle von Mobbing eine Ausnahme machen könnte. Doch gemobbt wird Tim nicht, wie er selbst sagt.

Für Tim ist die Entscheidung seines Rektors unverständlich. „Warum darf jeder mit seinen Freunden in ein Zimmer, außer ich?“, sagt er. Stattdessen muss er nun gemeinsam mit Menschen schlafen, mit denen er nicht so gut zurechtkommt.

Tim entschied sich daraufhin, an die Öffentlichkeit zu gehen und startete eine Petition, die bislang 3.500 von 5.000 nötigen Unterschriften hat. „Ich mache das, damit der Schulleiter Einsicht zeigt und merkt, dass ich es ernst meine“, sagt Tim. Außerdem habe er oft gelesen, dass viele andere Schüler*innen dasselbe Problem hätten. „Denen möchte ich helfen.“

Schulleiter nicht erreichbar

Der Schulleiter war für ze.tt nicht erreichbar, aber das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern hat Stellung zum Fall genommen. „Wir stehen hinter der Entscheidung des Schulleiters“, sagt Pressesprecher Henning Lipski zu ze.tt. „Auf Klassenfahrten teilen wir nach Geschlechtern und nicht nach sexueller Orientierung auf – die dürfen wir gesetzlich auch gar nicht abfragen“, sagt er. Mit der Entscheidung des Schulleiters müsse sich Tim abfinden. Sollte seine Petition die nötigen Stimmen bekommen, werde man diese selbstverständlich bearbeiten.

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Ob Tim nun trotzdem mitfährt? „Das weiß ich ehrlich gesagt nicht“, sagt er.