Dieses Datenprojekt zeigt unseren Einfluss auf den Klimawandel

Deutsche Wissenschaftler haben sich zusammengetan, um Ergebnisse aus 150 Jahren Forschung zum Klimawandel zu visualisieren. Herausgekommen ist ein faszinierendes und leicht verständliches Datenprojekt.

© Screenshot | Open Climate Data

Wie hat sich unser CO2-Ausstoß über die Jahre auf das Klima ausgewirkt? © Screenshot | Open Climate Data

Klimawandel – ein Wortmonstrum. Wir haben es schon oft gehört. Wir wissen, dass das irgendwas mit CO2-Ausstoß und der Temperatur zu tun hat. Aber wie genau beeinflussen wir das Klima? Das wissen die wenigsten. Drei Wissenschaftler wollen das nun ändern.

Anfang Mai stellte der Klimaforscher Ed Hawkins von der University of Reading eine „Klimaspirale“ ins Netz, die den Temperaturanstieg seit 1850 dokumentiert. Die Grafik ging schnell viral und verbreitete sich über soziale Netzwerke. Auch zwei deutsche Forscher entdeckten sie: Malte Meinshausen, der derzeit an der University of Melbourne arbeitet und Robert Gieseke, er arbeitet am Potsdamer Institut für Klimaforschung.

Wie die Washington Post berichtet, kam ihnen auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Bonn die Idee, ihre Daten zur CO2-Konzentration und unserem „Kohlenstoffhaushalt“ ebenfalls zu visualisieren – und sie zusammen mit Hawkins Ursprungsgrafik in ein Datenprojekt zu packen.

Die bislang verständlichste Erklärung für den Klimawandel

Unter Open Climate Data kann man sich die Ergebnisse ansehen. Betrachten wir alle drei Grafiken gleichzeitig, bekommen wir nicht nur einen guten Eindruck von der Veränderung des globalen Klimas, sondern auch, welchen Einfluss wir Menschen darauf hatten. Die Ursprungsgrafik zeigt den Anstieg der globalen Temperatur in Spiralen seit 1850:

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Die zweite Grafik zeigt in Relation dazu den Anstieg der CO2-Konzentration seit 1850:

co2

Auf der UN-Klimakonferenz im vergangenen Jahr in Paris wurde beschlossenen, der Temperaturwandel dürfe zwischen 1,5 Grad Celsius und 2 Grad Celsius im Vergleich zum Temperaturniveau vor der Industrialisierung steigert. Letzteres müsse aber die absolute Obergrenze bleiben.

Man spricht hier von einem „Kohlenstoffhaushalt“, quasi einem Konto, das sich seit 1850 mit CO2 füllt. Die dritte Grafik kombiniert die Erkenntnisse aus der ersten und zweiten Grafik und vergleicht das steigende Temperaturniveau mit dem vor der Industrialisierung. Sie verdeutlicht, wie schnell wir uns der 2-Grad-Grenze nähern:

„Unsere Motivation, Konzentrationsdaten und den Kohlenstoffhaushalt in der gleichen visuellen Sprache wie die Temperaturveränderung darzustellen, war es, Menschen die Verbindung aufzuzeigen“, sagte Forscher Meinshausen den Kolleg*innen der Washington Post.

Die globale Erwärmung sei nicht nur eine außer Kontrolle geratene Spirale. „Es gibt einen Grund dafür. Und die Ursache ist in erster Linie unsere kontinuierliche Verwendung von fossilen Brennstoffen.“ Man habe eine Kette aus Ursache und Wirkung visualisieren wollen.

Es gibt noch Hoffnung

„Die Spiralen zeigen den Einfluss, den menschliche Aktivitäten bisher auf die globale Erwärmung hatten. Wir haben aber immer noch die Macht, den künftigen Klimawandel zu bekämpfen“, sagt Gieseke. Die Spiralen ließen deutlich erkennen, dass die Erderwärmung zum Stillstand käme, wenn wir die Treibhausgasemission stoppen und die globale Kohlenstoffkonzentration stabilisieren. Über diesen Fakt seien sich die Menschen schon zu lange bewusst, sagt auch Hawkins: „Der Zusammenhang von Erderwärmung und CO2-Ausstoß wurde schon 1861 von John Tyndall entdeckt.“ Trotzdem stiegen beide über die Jahrzehnte an.

Der Forscher veröffentlichte kürzlich eine alarmierende Studie: Die oben genannte 2-Grad-Grenze könnte innerhalb der nächsten 45 Jahre durchbrochen werden, wenn wir Menschen unseren Umgang mit Treibhausgasen nicht in den Griff bekommen und Emission schnell mit konkreten Plänen senken.

Grafiken wie die nun veröffentlichten Spiralen, die zunächst durch ihre visuelle Schönheit begeistern, sind wichtig für unser Verständnis vom Klimawandel, sagt Forscher Gieseke: „Es ist immer eine Herausforderung, komplexe Forschungsthemen in einfache zugängliche Visualisierungen zu komprimieren. Aber ich glaube, dass so sowohl die allgemeine Öffentlichkeit und auch Experten verstehen können.“

Viele langjährige Klima-Forscher haben übrigens Hoffnung: Unsere Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe seien eine Hauptursache für den schnellen Klimawandel – aber es liege in unseren Händen, das zu ändern.