Dieses Paar brauchte drei Jahre, um ein erstes Date abzumachen

Jahrelang schrieben Michelle und Josh lahme Entschuldigungen auf Tinder hin und her. Jetzt sollen sie sich endlich treffen.

„Ich dachte, es wäre interessant ihn zu treffen, aber ich wollte nicht diejenige sein, die den Witz aufgibt“, so Michelle. © Unsplash /Toa Heftiba / CC0

Bereits 2014 hatten Michelle (21) und Josh (22) ein Match auf Tinder. Daraufhin schrieb er ihr eine Nachricht. Sie antwortete ihm erst zwei Monate später.

Als Grund nannte sie, dass der Akku ihres Handy leer gewesen sei. Woraufhin Josh meinte: „Wow, du hast dein Ladegerät aber relativ schnell gefunden. Ich brauche normalerweise fünf Monate, um es zu finden“. Michelle konterte, dass sie auf Nummer sicher gegangen sei, damit ihr Handy wirklich 100 Prozent habe. Wieder zwei Monate später ließ er sie wissen: „Sorry, ich war noch unter der Dusche.“

So ging es zwischen den beiden weiter. In drei Jahren tauschten die Studierenden der Kent State University in Ohio nicht einmal zehn Nachrichten aus. Ihre immer zu spät kommenden Antworten wurden zum Running Gag.

Josh veröffentlichte Screenshots der Unterhaltung auf Twitter. Ursprünglich nur, um es mit seinen Freund*innen zu teilen, wie er später selbst angab. Tausende Menschen reagierten. Mittlerweile wurde sein Tweet über 30.000-mal geteilt und über 95.000-mal gelikt. Viele forderten die beiden auf, sich endlich zu treffen. Die eingeschlafene Konversation zwischen Josh und Michelle scheint kein Einzelfall zu sein. Unzählige Menschen erzählten von ähnlichen Erfahrungen und dem Frustrationspotenzial von Tinder. Josh trat mit seinem Tweet so eine Diskussion über die Berechtigung der Datingapp los.

Studie: je mehr Auswahl, desto mehr Überforderung

Eine Studie der Hochschule Fresenius in Köln fand heraus, dass 42 Prozent der befragten Nutzer*innen auf Tinder bereits in einer Beziehung sind. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass Tinder in der Gruppe der Liierten vor allem verwendet wird, um Selbstbestätigung zu erzielen und um zu flirten. Tinder, so scheint es, ist ein willkommenes Medium zur emotionalen Zerstreuung.“

Darüber hinaus erschwere der sogenannte Overchoice-Effekt-also die große Auswahl an potenziellen Partner*innen-die Entscheidung für jemanden ganz generell. Ist dann eine Entscheidung getroffen, schränke die App die Zufriedenheit damit ein. „Je größer die wahrgenommene Auswahl an potenziellen Partnern, desto größer ist die Überforderung und desto schwieriger fällt die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten“, heißt es in der Studie.

Glaubt man derartigen Studien würden Datingplattformen wie Tinder die Partnersuche sogar noch zusätzlich erschweren und nicht erleichtern, wie es die App eigentlich verspricht. Tinder ließ derartige Kritik natürlich nicht lange auf sich sitzen und schaltete sich ein.

Noch am selben Tag antwortet Josh mit einem Vorschlag.

Ob sich die beiden nun wirklich auf Hawaii treffen, ist nicht bekannt. Im Internet wird die Geschichte der Studierenden bereits aber als moderne Lovestory gefeiert. In Wahrheit zeigt sie aber auch, wie Dating-Apps unsere Art zu kommunizieren beeinflusst haben. Hätte Josh’s Tweet nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, gebe es vermutlich bis jetzt kein Date für Michelle und Josh. Anstatt einer potenziellen Liebesgeschichte, wären nur ein paar lahme Jokes in einer App übrig geblieben.

Auf die Frage warum sich die beiden nicht eher getroffen hätten, antwortet Michelle übrigens: „Ich war interessiert ihn zu treffen, aber ich wollte nicht diejenige sein, die den Witz aufgibt.“