Der einsamste Präsident des G20-Gipfels

Während auf Hamburgs Straßen teilweise das blanke Chaos herrschte, zeigte sich bei der Konferenz, dass die USA unter Trump immer weniger zu melden hat.

Donald Trump am Morgen des zweiten Gipfeltages in Hamburg. © dpa

Der Fokus der Menschen lag am Wochenende auf den Bildern der womöglich heftigsten Krawalle, die Hamburg seit Jahrzehnten erlebte. Das ist verständlich, sie überschatteten das Politiktreffen. Und doch: Ein Blick in das Innere der diesjährigen Gipfelkonferenz lohnt sich. Dort zeigte sich nämlich, dass Donald Trump die USA gerade alles andere great again macht.

Während das Treffen – außer einer völlig überforderten Stadt – rein gar nichts Neues oder politisch Nennenswertes hervorbrachte, konnte man beobachten, wie unbeholfen und isoliert der US-amerikanische Präsident durch die Veranstaltung schlurfte. Ein ABC-Politikredakteur analysierte das treffend:

Auf Videoaufnahmen ist etwa zu sehen, wie Trump ziellos um den Konferenztisch steuert. Bin ich halt mal hier, bin ich halt mal dort. Es ist zu sehen, wie Trump leere Reden zur Lage der Welt schwingt, ohne konkrete Inhalte, ohne Feuer, ohne Appelle.

Zwischendurch verlässt er dann auch mal seinen Platz und überlässt ihn seiner Tochter.

Nichts zu sagen, aber Hauptsache da gewesen

Zur Erinnerung: Wir sprechen hier vom Präsidenten der USA, der jahrzehntelang größten Supermacht des Planeten Erde. Lange Zeit hatten die Vereinigten Staaten das Image der Weltpolizei, der Nation, die sich generell immer überall einmischt und dabei auch noch viel zu melden hat. Die in Kriege zog, und andere Nationen damit unter Zugzwang setzte. Diese Zeiten sind offenbar vorbei. Ganz konkret zeigt sich das am Beispiel Klimaschutzabkommen, wie ein Kollege der Berliner Morgenpost beschreibt.

Die USA ist nun weitestgehend aus dem weltweiten Klimaschutz ausgeschlossen, seit Trump Anfang Juni das Pariser Abkommen aufkündigte. Die G20-Mitglieder hielten jedoch – minus eins, also außer den USA – geschlossen daran fest (PDF). Angela Merkel sagte während einer Pressekonferenz über die Verhandlungen zum Thema Klima, es stehe „alle gegen die USA“. Und alle Industrie- und Schwellenländer ziehen in diesem Fall an einem Strang.

[Außerdem auf ze.tt: Macron zerlegt Trumps Austritt aus dem Klimabkommen in fünf Worten]

Auch bei einem weiteren brisanten Thema zeigte sich, dass die USA sich anderen unterordnen muss: Merkel gelang es, die USA vom Alleingang in der Stahlbranche abzubringen. Im April hatte Trump ein Dekret unterzeichnet, mit dem er den Import von Stahl stark beeinträchtigen könnte – wegen Sicherheitsbedenken. Damit setzte er die weltweite Stahlindustrie unter Schock. Trump wird zumindest vorerst von Strafzöllen absehen.

Die USA wirkt nicht länger in der Lage, andere unter Zugzwang zu setzen, ja überhaupt Themenschwerpunkte zu setzen. Im Gegenteil: Die USA, und damit Trump, stehen ganz alleine da, wirkten schon fast paralysiert. Sie wurden zumindest an diesem Wochenende ausgebootet.

Trumps Realität ist wie so oft eine andere

Für Trump selbst war der G20-Gipfel ein „wunderbarer Erfolg“. Während des Gipfels inszenierte er sich mit Russlands Staatschef Wladimir Putin. Per Tweet ließ der Präsident seine Follower*innen wissen, dass er Putin zweimal darauf angesprochen habe, ihn über mögliche Verwicklungen im USA-Wahlkampf zu unterrichten. Putin habe das bestritten. Dann hätten beide über eine Cyber-Sicherheits-Einheit gesprochen, was auch immer das heißen mag. Dass es dazu wirklich komme, sei aber unwahrscheinlich.

Zwischendurch strafte Trump noch „die Anarchisten“ ab – damit meinte er wohl den Schwarzen Block – um doch ein bisschen Blick über den Tellerrand zu beweisen. Abschließend tweetete er dann noch ein Video vom G20-Gipfel. Darin hauptsächlich zu sehen: er. Trump, wie er Hände schüttelt, Trump, wie er lächelnd herumsitzt, Trump, wie er kraftvoll posiert.

Und wieder einmal zeigt sich: Donald Trump scheint in einer anderen Realität zu leben als der Rest der Welt.

Außerdem auf ze.tt