Drei Dinge, die ihr im Schlaf lernen könnt

Wie oft schon hätten wir uns das gewünscht: Einschlafen am Abend vor einem Test oder einer schwierigen Prüfung – und nach einer Nacht mit der Berieselung des Lernstoffes nichts als Bestnoten. Ganz ohne zu pauken.

© Bildersommer / photocase.de

Zzzzz zzzzz zzzzz. © Bildersommer / photocase.de

Traumhaftes Lernen, sprichwörtlich.

Natürlich bleibt die Wissensaneignung beim Schlummern der Stoff für Science-Fiction-Filme: Niemand wacht nach einer Nacht mit Jazz-Berieselung am nächsten Morgen auf als Herbie Hancock.

Doch Wissenschaftler fanden bereits erstaunliche Zusammenhänge heraus zwischen einer Stimulierung im Schlaf und einer Verbesserung gewisser Fähigkeiten oder Erinnerungen – mit Techniken einer Schallberieselung oder gar bestimmten Düften.

Noch sind sich Forscher dabei nicht mal ganz sicher, wie das alles funktioniert. Doch bewiesen scheint beispielsweise, dass sich Personen leichter an den Aufenthaltsort eines Gegenstandes erinnern, wenn sie über Nacht im Schlaf jene Musik oder Geräusche hören, die sie beim Abstellen des Dings vernahmen. Faszinierend. Andere verzeichneten Erfolge beim Erlernen fremder Sprachen, wenn sie mit bestimmten Worten beschallt wurden bei der Nachtruhe oder Nickerchen.

Das sind jene drei Dinge, die ihr wirklich im Schlaf lernen könnt.

Vokabeln fremder Sprachen

Bei einem Experiment begannen deutschsprachige Testpersonen, holländisch zu lernen. Am Anfang standen dabei ein paar essentielle Vokabeln. Die Freiwilligen wurden im Schlaf mit „Dag“, „Als je blieft“oder „Welt de rusten“ beschallt. Ohne es zu wissen. Ein zweite Gruppe an Testpersonen hörte die Worte beim Gehen. Das Resultat war eindeutig: Die „Schläfer“ konnten sich wesentlich besser an die Worte erinnern als die „Geher“.

Warum eigentlich? Forscher glauben, dass es an bestimmten Vorgängen in unserem Hirn während des Schlafes liegen kann. Das Denkorgan schaufelt während des Tiefschafs nämlich Kurzzeiterinnerungen von unserem „Zwischenspeicher“ in die präfrontale Cortex, wo Inhalte für das längerfristige Gedächtnis gespeichert sind. Bei Messungen der Hinströme mit EEG-Geräten wurde festgestellt, dass die Schläfergruppe beim Vorspielen des niederländischen Vokabulars eine größere „Slow-Wave“-Aktivität aufwies, wie sie beim Tiefschlaf und der Gedächtnisbildung typisch ist.

Je höher die Zahl der langsamen Wellen, desto größer war die Erinnerungsfähigkeit an die Worte.

Verfeinert eure Musikalität

Die Techniken beschränken sich nicht nur auf Worte. Auch bei der Musik funktioniert der gleiche Trick.

Forscher ließen jüngst eine Testgruppe das Zupfen von Gitarren-Melodien über eine beim populären Videospiel „Guitar Hero“ eingesetzte Technik erlernen. Nach dem Spielen wurde allen ein Nickerchen verordnet. Der Hälfte der Testpersonen wurden während des Schlafes jene Melodien vorgespielt, die sie gerade geübt hatten. Eine andere Gruppe wurde während der Pause in Ruhe gelassen.

Danach griffen alle wieder in die Gitarrensaiten: Jene, die im Schlaf berieselt wurden, zupften dabei deutlich besser.

Therapie gegen das Vergessen bestimmter Erinnerungen

Wen plagt nicht das ständige Vergessen selbst wichtiger Ereignisse in unserem Leben. Unser Gehirn verwendet ein bestimmtes Ablagesystem, wo essentielle Erinnerungen von unwichtigen aussortiert werden. Die wichtigen landen im „Tresor“ des Langzeitgedächtnisses – die anderen werden über Zeit von frischeren Eindrücken verdrängt. Was passiert jedoch, wenn dieses System aus den Fugen gerät: Wenn das Gehirn aussortiert, was einem wichtig ist?

Wissenschaftler fanden Erstaunliches heraus: Wenn Menschen ein Geräusch hörten, das sie mit einer bestimmten Erinnerung in Verbindung bringen, können sie sich länger daran erinnern.

Bewiesen wurde das alles mit Tests: Ein Gruppe an Freiwilligen sollte Icons auf einem PC-Schirm in eine bestimmte Position rücken. Aus dem Computer tönte ein bestimmter Laut, wenn das Objekt platziert wurde. Beim Positionieren einer Katze tönte ein „Miau“, beim Symbol der Glocke bimmelte es. Und so weiter. Dann ging es auf die Couch zum Nickerchen. Währenddessen wurde ein Teil der verschiedenen Geräusche abgespielt – wieder ohne dem Wissen der Versuchspersonen. Doch hier passierte etwas faszinierendes: Testpersonen, die ein bestimmtes Geräusch hörten, konnten die Symbole viel besser platzieren. Doch es war egal, ob „Bimm“, „Miau“ oder sonstwas. Die Forscher schlossen: Ein einziges Geräusche half bei der Erinnerung an die Position ALLER Icons.

Auch Versuche mit Düften brachten erstaunliche Resultate: In einerStudie aus dem Jahr 2007 atmeten Personen den Duft von Rosen ein, als sie was paukten. Sie erinnerten sich dann viel besser daran, wenn sie wieder Rosenblüten rochen.
Lernen im Schlaf? Vielleicht wird es schneller Realität als wir alle denken…

Von Erin Brodwin und Christin Martens auf Business Insider Deutschland.


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