Du lachst über Werbung von Sixt, Sixt lacht über Frauen

Wegen des klugen Werbegags über Gauland wurde Sixt gefeiert. Lustig, ja. Aber wir sollten nicht vergessen, wie oft die Werbung der Autovermietung daneben ging.

© sixt / Grafik: Mit Vergnügen Hamburg

Nicht witzig! © sixt / Grafik: Mit Vergnügen Hamburg

„Für alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben“ – mit diesem Slogan nutzt die Sixt die Diskussion um die Boateng-Äußerung des AfD-Politikers Alexander Gauland für ihre eigene PR. In den vergangenen zwei Tagen konnte man sich kaum vor dem Werbeplakat retten: Es tauchte in jeder Timeline und fast allen Online-Medien auf.

Ein gelungener Streich gegen den rassistischen AfD-Vize, der es nicht anders verdient hat? Sicher. Seit Jahren sind Sixt und die Werbe-Agenturen ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, Fehltritte von Promis und Politikern für ihre Zwecke zu nutzen.

Haste gelacht, ja? Kennste? Kennste?

Das System „Werbung auf Kosten von Anderen“ geht auf. Immer wieder. In Zeiten von klicksüchtigen Projektmanager*innen und Redaktionsleiter*innen ist es kein Wunder, dass auch Medien auf diesen Zug aufspringen (müssen). Dabei kommt jedoch ein Aspekt der Sixt-Werbestrategie kaum zur Sprache: Auch vor frauenverachtender Werbung schreckt der Rental-Riese nicht zurück.

© sixt / Grafik Mit Vergnügen Hamburg

Dass Werbung sexualisiert ist und die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft so untergraben wird – geschenkt. Die „Witze“ von Sixt sind jedoch so beschämend eklig, dass sich Mario-Barths Porsche Panamera im Grabe umdreht.

Einen PR-Coup, der gegen einen Rechtspopulisten zielt, für die Reichweite der eigenen Seite zu nutzen, ist die eine Seite – doch dann außen vor zu lassen, dass eben diese PR-Strategie auch gegen Frauen genutzt wird, ist Wegschauen par excellence. Denn: Wer in der Google-Bildersuche zwei Mal nach unten scrollt, findet bereits eines dieser Prachtexemplare frauenverachtender Werbung. Scrollen kann ja heute jeder, oder? Wir leben ja nicht mehr in den 70ern und sollten die damals herrschenden Vorurteile heute eigentlich überwunden haben – haben wir aber nicht. Deshalb muss man solche Art Werbung richtig einordnen und nicht nur mitlachen.  

So, und jetzt lach’, wenn du ein Macho bist:


Von Marius Notter auf Mit Vergnügen Hamburg erschienen. Hier könnt ihr Mit Vergnügen Hamburg auf Facebook folgen.