Pulver statt Müsli: Ist Flüssignahrung die Zukunft des Essens?

Das britische Unternehmen Huel wirbelt mit trinkbaren Mahlzeiten die Food-Szene auf. Statt bissfestem Frühstück, Mittag- oder Abendessen bieten sie ein nährstoffreiches Pulver, das mit Wasser angereichert unser Essen ersetzen soll. Sieht so die kulinarische Zukunft aus?

Foto: wsfp/Photocase.de

Darauf verzichten? Niemals! Foto: wsfp/Photocase.de

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, den Tag wertvoll zu beginnen. Das Frühstück kann facettenreich sein: Müsli, Obst und Joghurt zu Milchkaffee. Schwarzbrot, herzhaft belegt mit Gouda und Tomate zu grünem Tee. Vollkornbrötchen mit Quark und Marmelade zu Orangensaft.

[Außerdem bei ze.tt: Zurück an den Herd!]

Doch es gibt da noch eine Alternative: Huel. Ein leicht zäher Shake, wenn gewünscht mit Schokolade-, Erdbeer-, Bananen-, Rhabarber-, Ananas-Kokosnuss-, Toffee- oder Mokka-Geschmack. Wer auf seinen morgendlichen Kaffee nicht verzichten möchte, kann „Kaffee – entweder gebrüht oder einfach als Instantpulver hinzugeben“, schreibt Huel auf der offiziellen Website. Na, wenn einem da mal nicht nicht das Wasser im Mund zusammen läuft.

„Huel ist eine vollwertige Mahlzeit in Pulverform, die alle Proteine, Kohlenhydrate und Fettsäuren sowie mindestens 100 Prozent der von der EU empfohlenen Tagesmenge aller essentiellen Vitamine und Mineralstoffe enthält, die über die Nahrung aufgenommen werden sollten“, schreibt der Hersteller.

Nährstoffe zum trinken

Zugegeben: Ich bin ein Genussmensch. Objektiv kann ich die innovative Essensform des britischen Unternehmen also nicht betrachten. Bei dem Gedanken von Mahlzeiten in flüssiger Form werde ich wütend. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass Menschen lieber zu einem Shake in Plastikflasche statt zu einem belegten Butterbrot greifen.

Ja – die Zubereitung von Mahlzeiten kostet Zeit. Zeit, die wir uns morgens, in der Mittagspause oder abends nehmen sollten, um kurz aus dem Laufrad des Alltags auszusteigen und zu pausieren. Zeit, uns etwas Gutes zu tun. Zeit, um kurz abzuschalten.

Viele Menschen behaupten, sich diese Zeit nicht nehmen zu können. Dazu stelle ich zwei steile Thesen auf. Erstens: Wer sich Auszeiten nimmt und gesund ernährt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit produktiver als jemand, der vor dem Computer einen Shake schlürft. Zweitens: Jeder, der entsprechende Priorität auf das eigene Wohlbefinden und seine Gesundheit legt, kann sich die Zeit für das Zubereiten von Mahlzeiten nehmen.

Huel wirbt damit, den Konsum von Fritten, Currywurst, und China-Nudeln zu senken. Das Unternehmen schreibt: „Statt Fastfood gibt es dann halt – wann immer du willst – eine günstige, praktische und nährstoffreiche Mahlzeit mit Huel.“

Astronautenkost versus Fast Food? Nee, ich esse lieber Falafel statt Trinkbrei.

Nie wieder Candle-Light-Dinner?

Es gibt natürlich noch die Sorte Mensch, die keinen Spaß am Kochen und an gesunder Ernährung hat. Für sie bedeutet Kochen Arbeit und Zeitverschwendung. Der Redakteur Peter Robinson von The Guardian ist so jemand. Deshalb startete er das Experiment mit „Huel“: Eine Woche lang ernährte er sich ausschließlich von flüssigen Kalorien. Zum Ende seines Versuchs fühlte er sich jedoch weder fitter, noch gewann er mehr Spaß am Essen.

„Das Trinken von Huel wurde zur Gewohnheit und eine neue Art von Leidenschaftslosigkeit begleitete meine Mittagessen. Ich fühlte mich nicht wie ein starker Astronaut. Ich fühlte mich wie ein Idiot“, schreibt Robinson.

In vielen Kulturen sind Mahlzeiten wesentlich. Mal angenommen, wir ersetzten alle unsere Mahlzeiten durch Shakes – so würde uns ein großes Stück Wissen und Kultur abhanden kommen. Dieses Haferflocken-Getränk nähme uns die Kunst des Kochens, den gesunden Umgang mit Lebensmitteln und die Wertschätzung unserer Nahrung. Candle-Light-Dinner adé! Es gäbe Kohlenhydrate zum Trinken, statt einer liebevoll hergerichteten Pasta mit Tomatensoße und Basilikum bei Kerzenlicht.

Wollen wir das wirklich?

[Außerdem auf ze.tt: Der Analogkäse ist zurück]

Also ich nicht. Es tut weh, zu beobachten, wie die Kulinarik zu einem Zweckmittel verkommt. Noch heute bringt das gemeinsame Kochen und Essen von Mahlzeiten Menschen an einen Tisch. Essen bedeutet Gemeinschaft, Leidenschaft und Vergnügen.

Das alles passt leider nicht in eine Plastikflasche – sorry!