Ein positiver Schwangerschaftstest – und plötzlich brach meine Welt zusammen

Kurz nach meinem 29. Geburtstag hatte ich ihn in der Hand: einen positiven Schwangerschaftstest. Anstatt Freude verspürte ich aber nur eines: Angst.

Ein kleiner Moment, der alles veränderte. Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Ausbleibende Periode? Kein Grund zur Panik, oder?

Ich habe meinen 29. Geburtstag gefeiert. Fühlte mich frei, ausgelassen und glücklich. Umhüllt von Liebe und Hoffnung. Konnte das neue Lebensjahr nicht erwarten. Dass es der letzte Abend sein würde, an dem ich mich für eine lange Zeit glücklich fühlen oder überhaupt etwas fühlen würde, konnte ich nicht ahnen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fiel mir auf, dass meine Periode mehr als überfällig war. Wieso war mir das nicht aufgefallen? Ich wurde nervös, dachte mir aber nicht allzu viel dabei. War es doch schon oft passiert und hatte sich schlussendlich als falscher Alarm entpuppt. Ich sprach mit meinem Freund darüber, der die Sorge einfach nicht ernst nahm. Ich fühlte mich dramatisch, überemotional, schwierig. Dass ich mich allein fühlte, bemerkte ich nicht. Auf dem Weg irgendwohin kauften wir in der Drogerie einen Test. Er ging mit mir hinein. Doch ging er die Gänge entlang, suchte sich Deo, suchte sich Duschgel. Ich stand vor dem Regal mit den Tests. Allein.

Als wir heimkamen, fuhr mein Freund noch einmal kurz los, um irgendetwas zu besorgen. Ich öffnete die Tür und machte den Test. Allein. Damit die schlechte Stimmung aufhörte, die Sorge sich zerschlug – und ich nicht ein Drama machte, wo keins war. Lieber allein als gemeinsam, dachte ich. Warum ich das dachte, war mir nicht klar. Ich pinkelte also auf das kleine weiße Stäbchen, legte es auf die Waschmaschine, verließ den Raum und machte mir eine Zigarette an. Allein.

Ein Test mit ungewolltem Ergebnis

Nach ein paar Minuten ging ich zurück ins Bad und schaute hoffnungsvoll auf den kleinen Bildschirm – schwanger. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen, mir all das genommen, was ich besaß. Das schrecklichste Gefühl, das ich jemals spürte, durchfuhr mich. Ich ging wie fremdgesteuert zu meinem Handy, rief meinen Freund an: „Ich bin schwanger.” Er sagte, er komme gleich zurück, mehr nicht. So möchte man diesen Moment doch nicht verkünden, dachte ich, als ich auflegte. Es sollte doch eine schöne Nachricht sein. Wieso fühlte ich mich, als sei mein Leben zu Ende? Ich setzte mich auf unser Sofa. Fühlte mich leer. Allein. Ich starrte geradeaus, konnte mich nicht bewegen. Wartete darauf, dass irgendetwas passierte, er heim kam, mein Gefühl sich veränderte. Irgendwas.

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Doch ich konnte nichts anderes empfinden, als dass ich nicht in dieser Situation sein wollte. Keine Faser meines Bewusstseins freute sich, keine Wärme durchströmte mich, kein Muttergefühl machte sich breit. Wer war ich? Ich dachte an mein Leben, an meinen Job, an meine Beziehung. Nein, das konnte nicht sein. Das durfte nicht passieren. Im selben Moment wusste ich, dass ich es nicht überstehen würde, es nicht zu bekommen. Was sollte bloß aus mir werden? Ich konnte mich nicht mehr spüren. Wollte, dass die Welt aufhörte, sich zu drehen. Wollte mein pochendes Herz nicht mehr hören, nicht meine Gedanken. War von mir selbst enttäuscht. Hatte mir doch immer Kinder gewünscht. War doch in einer festen Beziehung, in einer schönen Wohnung.

Oder? Mit dem Geld würde es eng werden, ja. Er kurz vor dem Abschluss, ich im befristeten Vertrag. Aber unsere Familien wären da. Wir wären versorgt, das Kind geliebt. Aber ich empfand keine Hoffnung, ich empfand Angst. Mutlosigkeit. Reue. Überforderung. Panik. Und das Allerschlimmste: Ich merkte, dass es nicht der Schock war, der mich übermannte. Keine Situation, an die ich mich gewöhnen würde. Es war das Ende. In jeglicher Hinsicht. Mein Leben, wie ich es kannte, war vorüber. Was sollte ich bloß tun? Ich habe mich noch nie so allein gefühlt.

Ich war nicht bereit für ein Kind

Ich habe es nicht bekommen. Ich habe weitergemacht. Ich habe es nicht bereut. Ich habe nicht geweint. Ich habe nicht gesprochen. Was ich damals nicht sehen konnte, war, dass ich derart empfand, weil ich mich allein fühlte in Zweisamkeit. Allein in fester Liebe, im gemachten Nest. Hoffnungslos und verloren. Allein, weil ohne mich selbst. Blind vor dem eigenen Selbst, gefangen in fester Struktur.

Aber jetzt weiß ich, dass ich anders leben möchte. Dass ich wieder ich sein will. Dass ich niemals in meinem Leben wieder so etwas erleben möchte. Ich habe meinen damaligen Freund verlassen. Vielleicht hat die ganze Sache in mir irgendetwas kaputtgemacht. Vielleicht hat es mir aber auch geholfen, mein Leben im richtigen Licht zu sehen. Ich spreche inzwischen über die Abtreibung. Manchmal weine ich, bereuen tue ich es nie. Ich finde zu mir zurück. Und vielleicht bin ich dann auch nicht mehr allein.

Ich feiere bald meinen 30. Geburtstag. Und ich hoffe, ich werde mich frei, ausgelassen und glücklich fühlen.


Von Mara M. auf EDITION F.

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