Ein Typ hat ein Computerspiel entwickelt, in dem wir Ronald Rump retten müssen

Auf der Games-Plattform Steam ist ein Spiel aufgetaucht, in dem wir den „meistverhassten Präsidentschaftskandidaten aller Zeiten“ vor dem sicheren Tod retten müssen. Wir sprachen mit dem Entwickler.

© Game Developer X

Würdest du eine Kugel für den nächsten Präsidenten der USA einfangen? © Game Developer X

Wir spielen Dick „Rock-Hard“ Johnson. Wir sind der beste Bodyguard der Welt. Unsere Aufgabe: Eine Kugel für den verhassten Präsidentschaftskandidaten Ronald Rump einfangen.

Diese Mischung aus Politsatire und billigem Physikspiel erschien kürzlich auf der PC-Spiel-Plattform Steam. „Mr. President!“ kostet 5,99 Euro und wurde bisher über 300 Mal heruntergeladen. In einem extrem kurzen Zeitfenster müssen wir während einer Wahlkampfveranstaltung in die Laufbahn einer Gewehrkugel springen, die sonst sicher Ronald Rump treffen würde. Gelingt uns das, gelangen wir in das nächste Level. Gelingt uns das nicht, müssen wir von vorne beginnen.

© Game Developer X
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„Die liberalen Medien haben erst die Wahlen manipuliert und sein makelloses Image in den Dreck gezogen, jetzt wollen sie ihn ausschalten. Wenn Rump stirbt, wer bezahlt dann für dein Netflix-Abo? Wie willst du deinen immensen Studienkredit oder völlig aufgeblähte Arztrechnungen abbezahlen? Woher bekommst du sonst das Geld für ein dummes Physikspiel?“

Fällt Ronald Rump, fällt auch sein Toupet. In den Rezensionen fragen sich die Spieler*innen scherzhaft, wie viele wohl absichtlich verlieren würden – und ob das Spiel wohl von Billary Blinton gesponsert wurde. Wir haben mit dem Spielentwickler „Game Developer X“ über die Idee und den verwechselbaren Charakter gesprochen. Er möchte anonym bleiben.

Wann und warum kam dir die Idee für das Spiel?

Game Developer X: Ich hatte schon immer die Idee für ein Spiel, in dem ein Bodyguard jemanden retten muss. Da ist was spaßiges und wiedererkennbares dran. Außerdem geht man davon weg, ein weiteres Spiel zu machen, in dem man Menschen erschießen muss. Man muss schon sehr gut suchen, um ein Third-Person-Spiel (Anm.: man spielt den Charakter aus der Rückenansicht) zu finden, in dem nicht geballert wird. Der andere Grund für mich, das Spiel zu machen, ist das politische Statement dahinter. Es gibt nur sehr wenige Spiele, die eine politische Meinung vertreten und dabei bleiben. „Bioshock Infinite“ zum Beispiel hätte in dieser Richtung viele Chancen gehabt, in der Spielwelt geht es um die Hässlichkeit des Rassismus und darüber, wie die Marktwirtschaft versagte – aber die Entwickler trauten sich nicht, diese Themen in den Vordergrund zu rücken. Wer „Mr. President!“ beendet, versteht, was ich durch das Spiel sagen möchte. Es ist ein kritisches Wahljahr in der USA. Und es gibt nur einen Kandidaten, der sich durch die Ängste der Bevölkerung nährt.

© Game Developer X
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Wie lange hast du gebraucht, das Spiel zu entwickeln? Warst du dabei allein?

Die Entwicklung brauchte zwei volle Monate. Ich habe es größtenteils alleine entwickelt, hatte aber Hilfe von ein paar Freunden für die Bilder und Musik im Spiel. Mein wichtigstes Ziel war, es fertig zu stellen, bevor gewählt wird.

Hast du es jemals ganz durch das Spiel geschafft, ohne das Ronald Rump getötet wird? Ich meine, es ist ja ziemlich schwierig und fehlerhaft.

Es ist möglich, das Spiel zu beenden, ohne dass Rump getötet wird. Zum Thema Schwierigkeit: Ja, es ist schwer, aber schwer im Sinne von Punk. Du hörst nicht Punkrock, um die musikalische Finesse oder technischen Fertigkeiten der Musiker zu genießen. Du hörst es fürs Gefühl und die Attitüde der Kunst. Ich will mehr Entwickler sehen, die so einen Punk-Ansatz wählen, um ihre Spiele zu machen – und nicht den X-ten Shooter, der in die Form und den Standard passt.

Denkst du nicht, „the Donald“ wird seine Anwälte auf dich loslassen?

Donald wer?

Wenn du einen Satz an Donald Trump richten dürftest, welcher wäre das?

Alles, was ich sagen wollte, ist im Spiel. Das ist der beste Weg, den ich fand, mich und meinen Standpunkt auszudrücken.

© © Kotaku
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