Eine Datingwebsite nennt Sommersprossen „Makel“ und bekommt dafür Kritik im Netz

Auch Menschen mit Sommersprossen sind liebenswürdig – und wenn sie Glück haben, finden sie sogar jemanden, der das auch so sieht. Trotz ihrer Makel. Ähm, Moment…

© Screenshot Twitter/Emily Forbes

Schönheitsflecken oder Makel? © Screenshot Twitter/Emily Forbes

Die Dating-Plattform Match.com hat es eigentlich gut gemeint. Mit ihrer Kampagne #LoveYourImperfections will sie Singles sagen: Du bist liebenswert, mit all deinen Fehlern und Makeln.

Seit 2014 läuft die Kampagne läuft sie sehr erfolgreich – bis jetzt. Derzeit bekommt das Unternehmen Kritik auf allen Kanälen.

Auslöser waren Plakate in Londoner U-Bahn-Stationen, die Nahaufnahmen einer Frau mit Sommersprossen und eines Mannes mit unterschiedlicher Augenfarbe zeigen. „Wenn du deine Makel nicht magst, wird es jemand anderes tun“, heißt der Werbespruch dazu.

Gut gemeint kommt selten gut an

Das Problem: Der Spruch impliziert, dass Sommersprossen oder unterschiedliche Augenfarben Makel sind und einen Menschen weniger liebenswert machen. Das Plakat ordnet Körpereigenschaften, die ein Mensch nicht beeinflussen kann, in „perfekt“ und „unperfekt“, ergo „schön“ und „nicht schön“, ein.

Zahlreiche Menschen kritisierten die Werbung, darunter viele Rothaarige und Menschen mit Sommersprossen. Emma Kelly, Redakteurin der Website Ginger Parrot machte ihrem Ärger in einem Artikel Luft: „Unser Blut kocht beim Anblick dieses extrem gestörten und, nun ja, einfach unverschämten Werbeplakats. Und das sollte dir auch so gehen. Vor allem, wenn Sommersprossen hast.“

Auf Twitter zeigen Menschen, dass sie den „Selbstbewusstseins-Boost“ der Dating-Agentur nicht annehmen wollen:

„Entschuldigung, aber wird es nicht gemeinhin als unverschämter Move angesehen, Menschen anhand der Pigmentierung ihrer Haut zu beurteilen?“

Heather DeLand, Twitter

Es gibt immer etwas zu shamen

Das ständige Abarbeiten am Begriff „perfekt“ führt nicht dazu, dass sich Menschen mehr akzeptieren und lieben – sondern setzt sie im Zweifelsfall unter Druck. Stattdessen werden stets zwei sich gegenüberstehende Kategorien aufgemacht: Ein Waschbrettbauch ist perfekt, Cellulite unperfekt. Das ist schön, das nicht.

Match.com habe doch nur gute Absichten verfolgt, versicherte ein Sprecher im Interview mit dem Guardian: „Wir denken, dass Sommersprossen wunderschön sind und unsere Plakate sind dazu entworfen jeden zu ermutigen, der sie hat, darauf stolz zu sein.“ Warum dann eine Sommersprosse einen Makel nennen?

Wäre es nicht sinnvoller gewesen zu sagen: „Wenn du deine Sommersprosssen liebst, wird es auch jemand anderes tun“? Oder: „Wenn du deine Sommersprossen liebst, bist du nicht darauf angewiesen, dass es jemand anderes tut. Wenn es doch so ist, umso schöner für dich.“ Oder auch: „Wenn du deinen Humor liebst, wird es auch jemand anderes tun“.

Das wäre doch mal eine Vermittlung von positiven Selbstbildern.